DeVille, Devil inside

Im Mantel des Paten, der 69er Cadillac deVille

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Ein Mann sattelt um: von Ami-like aus Rüsselsheim auf Full-Size aus Detroit. Mehr Automobil als ein viertüriger Cadillac deVille aus den späten 60ern ist auf diesem Planeten fast nicht möglich. Das aus Versehen gekaufte Exemplar entpuppt sich als stinkende Leiche, vielleicht steckt der miefende Teufel auch im Detail zwischen Horror und Behördenzirkus. Die Firma dankt.

Wenn der „Firmen“wagen Opel Diplomat V8 während eines Oldtimertreffens neben einem Cadillac wirkt wie ein Trabi neben einer S-Klasse – dann ist es Zeit für den Wechsel. Unternehmer Giuseppe Cortozzo* springt diese Erkenntnis so unerwartet an wie winterliches Streusalz den 60er-Jahre Hohlraum. Unaufhaltsam nagt der Wunsch der automobilen Untreue an dem stattlichen Mann, bis als erster Schritt der Diplo verkauft wird. Heimlich, versteht sich, denn es handelt sich bei dem deutschen Ami um sein Hochzeitsfahrzeug. Mit der unerschütterlichen Hoffnung, dass sein Frauchen den Verlust so bald nicht bemerken werde, liest sich der Macher in einschlägigen Magazinen wie TRÄUME WAGEN über die möglichen Übersee-Modelle schlau und klickt sich vergleichend durchs Internet. Für einen Schweizer Import-Cadi ohne Brief bietet er aus Spaß einen kleinen Betrag – und besitzt kurz darauf aus Versehen ein viertüriges Hardtop Coupé von 1969, ungesehen, fahrbereit, abholbar irgendwo bei Heidelberg. Cortozzo zerrt seinen Kumpel Klotzi und einen Werkzeugkasten für alle Fälle zum Bahnhof und bucht zwei Tickets nach Süddeutschland. Was gekauft ist, wird auch geholt. Und das auf eigener Achse. Ein paar Stunden später stehen die beiden vor einem Haufen Auto.

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Holzgerahmte Sachlichkeit der 60er Jahre, sinnlich illuminiert – das ist noch immer sagenhaft stilvoll

 

Einer wirklicher Haufen! General Motors hatte mit der Qualitätsmarke Cadillac das amerikanische Luxussegment fest im Griff, und mit der ersten DeVille-Generation von 1949 wurde ein Prestigemodell ins Leben gerufen. Die neue Messlatte des überheblichen Luxus gab es in gewohnt amerikanischer Modellpolitik: Als zweitüriges Coupé DeVille mit Stahldach, als viertüriger Sedan DeVille und als Cabrio – da hieß er dann nur DeVille. Das war‘s. Nix Station Wagon oder so etwas.

Die in den Himmel ragenden Flossen mit den Raketenrücklichtern der späten 50er wurden für die 5. Generation von 1965 bis 1970 geglättet, die fast filigrane Sachlichkeit der 60er Jahre hat den Wagen gestreckt. Ein paar optische Kniffe lassen ihn wirken wie ein Schlachtschiff unter vollen Segeln, das gerade von einem viel zu großen Hai verschluckt wurde. Der regelrecht gefräßig wirkende massive Kühlergrill wird flankiert vor grimmig guckenden Doppelscheinwerfern, die nicht enden wollende seitliche Gürtellinie erschrickt sich kurz in einem angedeuteten Hüftschwung vor den holmlosen hinteren Türen und flankiert eine mittig geknickte Heckscheibe, die sich wie ein Segel über den mehr als zwei Meter breiten Hintern des Sedans spannt. Gerade, steil aufgerichtete Heckflossen spiegeln einen letzten Seufzer eines vergangenen Zeitgeistes wider und sitzen selbstbewusst auf einem hinteren Bumper, der die gesamten Chrom- und Stahlvorkommen rund um den Eriesee beinhaltet. Irgendwo dazwischen können Menschen sitzen, dieser eigentlich auch sehr großzügig dimensionierte Fahrgastraum erscheint allerdings fast zu vernachlässigen angesichts der schieren Länge von Motorhaube und Kofferraum. Wahnsinn.

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