Die Krone der 50er – Dodge Coronet

Lagerhalle mit Deckel im Kleinwagenformat

Zwischen Candy Shop und Milchbar

Wenn wenigstens vorn Scheiben zupacken, muss man bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h nicht immer einen Anker mitführen. Mit diesem ansonsten unrestaurierten Originalzustand waren die deutsche Zulassung und das H-Kennzeichen nur noch ein Augenzwinkern, ganz ohne bösen Blick.
Die einen begeistern sich für Schmetterlinge, die anderen sammeln Silberlöffel – die Druds stehen eben auf Chrom und Heckflossen. Das tun sie mit Leib und Seele. Michael sitzt entspannt in seiner Highschool-Jacke am Steuer, während Bettina in ihrem blauen Kleid mit den türkisen Punkten (fast wie der Dodge…) auch direkt aus einem Hollywood-Film der 50er kommen könnte. Stilvoll.

Wir mögen uns gar nicht so recht auf den Rücksitz hocken, denn da sitzen schon ein paar verspielte Accessoires aus der Zeit. Zwei schicke Handtäschchen, ebenfalls in diesem wundervollen Türkis, und ein farblich abgestimmtes Kofferradio. Sogar die Sitzbänke sind zweifarbig und in einem schicken Muster gesteppt, Omas Sofa könnte nicht gemütlicher sein.  Alles andere besteht auch hier drin aus Platz, lackiertem Metall und Chrom. Allein das Cockpit mit seinen drei Rundinstrumenten und dem quer darüber platzierten Breitbandtacho (bis 120 Meilen) funkelt so verwirrend, dass erst auf den zweiten Blick der ebenso glänzende große Hupring auf dem riesigen dünnen Lenkrad ins Auge fällt. Heutige Hersteller gießen allein aus diesem Stück Metall eine komplette Felge…
Michael Drud legt die Fahrstufe per Knopfdruck am Dashboard ein, der Saurier setzt sich bullernd in Bewegung. Kaum zu glauben, dass es Maschinen gibt, die so etwas bewegen können, zudem noch bei Bedarf bis an Geschwindigkeiten von fast 180 Stundenkilometern heran. Wir cruisen in einem Relikt aus den Milchbar-Zeiten und den Chrom-Diners, während draußen der Frühling des Jahres 2015 an uns vorbeizieht. Es lässt sich definitiv nicht verhindern, dass Passanten – na, Sie wissen schon… Sobald der Dodge irgendwo stehen bleibt, und sei es nur an einer Ampel, werden die Smartphones gezückt.
So einen Schlitten aus den 50ern zu fahren macht nicht nur einen selbst, sondern auch eine Menge unbeteiligter Menschen am Straßenrand unkompliziert glücklich. Und sind wir doch mal ehrlich – das Leben ist doch schon ernst genug. Oder?

TECHNISCHE DATEN

Dodge Coronet 4-door Sedan
Baujahr: 1959
Motor: V8
Hubraum: 5.241 cm3 (326 cui)
Leistung: 190 kW (258 PS)
Max. Drehmoment: 475 Nm
Getriebe: Dreigang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.522/2.032/1.440 mm
Gewicht: 1.720 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,2 s
Top-Speed: 180 km/h
Wert: ca. 19.000 Euro

Text und Fotos: Jens Tanz

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