Die Wanne ist voll

Spartanisch. Lenkrad, Tacho, Zündschloss. Wer braucht denn noch mehr?

Jungs, kommt spielen, Vati schickt die Wanne in den Sand!
Und was für eine coole Wanne das ist. Echt kurz und echt flach, wie das Ding da unter der Nachmittagssonne steht und los will. Obendrein in Elvis-Presley-Dessert-Orange, der Manx sieht echt genau so aus wie der vom King. Für mehr als zwei Personen ist auf dem Ritt kein Platz, also kloppen sich die Anwesenden um die Shotgun-Beifahrerposition. Ungepolstert, aber immerhin mit Gurten.

Andreas Ullstein von Coast Classics schält sich hinters kleine Steuer und erzählt, wie man dieses seltene Original Anfang 2015 aufgetrieben und – liebevoll im Geiste von Meyers‘ Buggyphilosophie – alle Teile restauriert hat. Dafür gab es dann im Juli das begehrte Zertifikat, und jetzt kann man den auch kaufen, wenn man möchte. Wir möchten erstmal fahren. Während noch Gedanken über die Farbe durch den Kopf schwirren, ob es sich nun um das pathetische Orange der Wüste oder das profane eines Nachtischs handelt, schreddert der Chef selbst schon die vier Gänge durch und treibt den kurzen Krabbler hart und pur in Richtung Sandkiste.

Kurze Haube ohne Motor drunter, dafür aber mit Froschaugen.

Heidepark Soltau? Hansapark? Vergessen Sie so etwas. Wenn ein Meyers Manx furchtlos durch die Dünen gescheucht wird, ist für die nächsten Jahre keine Achterbahn mehr nötig, um das eigene langweilige Dasein zu pimpen. Die Sitze sind quasi ungepolsterte Schalen, der weiche Sand am Pazifik ist gefühlt die einzige Federung zwischen dem eigenen Hintern und Mutter Erde, die beide nicht weit voneinander entfernt sind. Hinten auf den kleinen Notsitz könnte man noch klassisch die ungeliebte Schwiegermutter setzen, aber auch nur, wenn man die wirklich nicht mehr braucht. Der Rest ist Sound, Wind, g-Kräfte und ein paar Beulen am Kopf, der bei einer weiteren Bodenwelle schon wieder gegen das Surfbrett oben längs auf dem Bügel gebumst ist. Was für ein Riesenspaß.

Irgendwo sollte man sich festhalten… Besser nicht am Zündschlüssel.

Als es Andreas Ullstein bei einer besonders hohen und schlecht zu sehenden Bodenwelle fast aus dem Auto hebelt, beschließen wir einen etwas entspannteren Ritt über die Promenade, zwischen den Chicks in ihren engen Bikinis, den unsterblichen Rollerbladern, den Dandys und den Surfern auf dem Weg zu den Wellen. Das Auto passt hier hin wie das Salz ins Meerwasser. Wer die Wanne bisher noch albern fand, ist spätestens nach einem Bad in dem Krabbler geläutert. Nach dem Spaß kommt der Respekt.
Meyers hat diese auch heute nicht abreißende Begeisterung für Dune-Buggies früh erkannt – und spät noch einmal aufgelegt. Seit der Jahrtausendwende produziert er wieder wendige, kleine Spaßmobile. Der „Kick Out Manx“, benannt nach der letzten Aktion der Surfer, bevor sie den Strand erreichen, ist gereift, hat sogar eine Kofferraumhaube (Achtung: vorne!) und ist angelehnt an den Klassiker aus den 60ern. Bruce hat auch einen Manx 2+2 im Angebot, auch Surfer kriegen irgendwann mal Kinder.
Aber das harte, pure Original in dieser Sandkiste am Pazifik rockt so geil, dass wir erstmal ausreichend geflashed sind. Und wieder einmal mehr mild lächelnd die aktuellen hybrid-elektrischen Kleinwagenauswüchse betrachten. Kinder, Kinder, wenn ihr wüsstet, was euch an Spaß entgeht…

TECHNISCHE DATEN

Meyers Manx Dune Buggy
Baujahr: 1966
Motor: Vierzylinder Boxer
Hubraum: 1.600 cm3 (97 cui)
Leistung: 36 kW (50 PS)
Max. Drehmoment:106 Nm
Getriebe: Viergang-Schaltung
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 3.980/1.585/1.280 mm
Leergewicht: 750 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 24 s
Top-Speed: 130 km/h
Wert: 23.500 Euro

Text: Jens Tanz
Fotos: Nicolas Meiringer

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