Don Johnson und seine Autos

Wer hätte gedacht, dass aus dem Farmersohn Donald Wayne Johnson aus
Flat Creek, Missouri, einmal eine weltweit stilbildende TV-Ikone werden würde? Dabei ist die Figur des Undercover-Cops “Sonny Crockett” aus “Miami Vice” überraschend organisch entstanden.

Born to be a star!

Es dürfte kaum jemanden unter uns geben, der Don Johnson oder die TV-Serie Miami Vice nicht kennt. Das überflüssige Kino-Remake aus dem Jahre 2006 sowie zahlreiche abgebrochene Ausstrahlungen von TV-Wiederholungen in den letzten Jahren zeigen im Nachhinein, wie sehr das Format-Design in die achtziger Jahre passte. Johnson und Miami Vice haben mit jedem Aspekt der Rollen- und Set-Inszenierung etwas erschreckend Inspirierendes gehabt – gemessen an der neuen Qualität von cooler Oberflächlichkeit, die die Serie seinerzeit ausstrahlte. Plötzlich wurde uns klar gemacht: Zieh Dir die richtigen Klamotten in hellen, pastelligen Farben an, krempel die Ärmel Deines schultergepolsterten Armani-Jacketts hoch, steig barfuß in Deine neuen, weißen Slipper und grins Deine Probleme einfach beiseite. Und wenn Du Deine Ruhe brauchst, zieh Dich zurück auf Dein cooles Refugium eines Segelbootes mit Dauerliegeplatz und einem Alligator als Bewacher und gleichermaßen niemals widersprechender Vertrauensperson. Solltest Du mal zügig von A nach B fahren müssen, spring einfach lässig in Deinen gefaketen Ferrari Daytona Spyder und kümmer Dich bloß nicht um Speed Limits. Auf dem Wasser schon gar nicht, wenn Du mit Deinem langen, fetten Powerboot breite, schäumend weiße Streifen ziehst. Die Girls kriegst Du ganz easy mit weniger als einem Grinsen, und wenn Du in Deinem harten Job einmal starke Gefühle erlebst, hast Du immer Kollegen, die Dir mit bloßen Blicken jederzeit emphatisch den Rücken stärken. Ansonsten machst Du einfach, was Du für richtig hältst. Nur manchmal fügst Du Dich Deinem Chef, aber das ist akzeptabel, denn der Mann genießt echten Respekt und Dein volles Vertrauen.

Was für eine Welt ist das bitte?! Und das alles unter der Dauersonne Miamis. Umgeben von sämtlichen Attributen des äußeren Reichtums einer scheinbar glücklich sich aufplusternden Götterwelt.

Puh… das war Ende 1984 für jedermann starker Tobak! Und der gute Don Johnson ist mitten in diesen großen Topf geplumpst und Bang! – hat uns alle umgehauen. Und das auch deshalb, weil all die Umstände der durchgestylten Serienkonstruktion mehrere Etagen über dem rangierten, was wir bis dato kannten. Und weil Don Johnson so selbstbewusst und spielerisch damit umgehen konnte. Und dabei in jeder Lage mit dem durch seine Rolle nun salonfähigen Dreitagebart auch noch so verdammt gut aussah. Das Time Magazine nannte Don Johnson und die Serie 1985 in einer Titelgeschichte “Amerikas liebstes Laster” und eine ganze Generation kopierte den Look der Serienhelden. Es wurde der heute noch gängige Rasieraufsatz mit Abstandhalter erfunden, seinerzeit “Miami Device” genannt. Die Leute ließen ihre Ray Ban-Sonnenbrillen auch in dunklen Bars auf der frisch gepuderten Nase sitzen. Denn was Sonny Crockett als Cop zu unterbinden versuchte, mischte sich explosionsartig in das Partyverhalten der hippen Nachahmer des neuen, lässigen “Was kostet die Welt?”-Lifestyles. Und obwohl Don Johnson die mehr als perfekte Besetzung für die Serie war, war Miami Vice wohlmöglich die letzte Chance des Schauspielers, sich nach einer langen Durststrecke und einem wilden Leben doch noch zu etablieren. Seine Vita bis dahin war auch eher gemischter Natur: Johnson wurde am 15. Dezember 1949 geboren. Als er 11 Jahre alt war, ließen sich seine jungen Eltern scheiden und er zog zusammen mit seiner Mutter und seinen vier Geschwistern nach Wichita im US-Bundesstaat Kansas. Der desorientierte Jugendliche kam mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt, darunter war eine Verurteilung wegen Auto-Tunings im Alter von zwölf Jahren, die ihm zwei Wochen Jugendgefängnis einbrachte. Ebenfalls im Alter von 12 Jahren soll er von einer 17-Jährigen in die Liebe eingeführt worden sein. Mit 18 Jahren, direkt nach Abschluss der High School, zog er bei seiner 29-jährigen Theater-Lehrerin ein, die bereits drei Kinder hatte. Diese Freundin entdeckte sein schauspielerisches Talent und verhalf ihm zu einem Theaterstipendium.

Sein Leinwanddebüt gab Johnson 1970 mit dem Streifen “The Magic Garden Of Stanley Sweetheart”, der eher schlechte Kritiken erhielt. Für die Hauptrolle des Vic in dem psychedelischen Science-Fiction-Kultfilm “A Boy and His Dog” 1975 wurde er mit dem Saturn Award als bester Hauptdarsteller von der “Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films” ausgezeichnet. An diesen ersten Erfolg konnte Johnson, der hauptsächlich als junger Schönling (allenfalls als attraktiver Rebell) eingeordnet wurde, in den nächsten Jahren nicht anknüpfen. Alleine fünf Serien mit ihm wurden nach der Pilot-Folge gar nicht erst gestartet. Johnson lebte einen ausschweifenden Sex, Drugs & Rock ´n´ Roll-Lifestyle in Hollywood, war auf praktisch jeder Party anzutreffen und hatte unzählige Affären. Er strampelte sich vergeblich ab, um nachhaltig Fuß zu fassen und so war seine Film-Karriere in einem erbärmlichen Zustand, als er mit dem Drehbuch von “Miami Vice” konfrontiert wurde. Zum Glück war er durch harte Entziehungskuren körperlich wieder bereit zu arbeiten und bot sich offensiv für die Rolle des Sonny Crockett an.

Doch die Studiobosse waren zunächst nicht besonders scharf auf Johnson, das “Kassengift”. Schließlich hatten die Herren bei NBC ein Einsehen und gaben ihm den auf den Leib geschriebenen Part, der den Selbstdarsteller Don Johnson zum Weltstar machte. Johnson sagt in Interviews, dass sich viele der Details der Sendung durch einfaches Machen ergeben haben. Der freizügige Look entstand auch wegen der Dauerhitze im Sommer ´84 in Miami und viele der wilden Action-Szenen wurden schnell und ohne große Genehmigungen abgedreht. Der geniale Produzent Michael Mann hatte von Anbeginn das richtige Händchen und die MTV-artig geschnittene Mischung aus Action, Style und Musik hat die TV-Landschaft nachhaltig beeinflusst. Das Titelthema von Jan Hammer erhielt zwei Grammys und sein Miami Vice-Soundtrack landete auf Platz 1 der Billboard-Charts und verkaufte sich in kurzer Zeit gut vier Millionen Mal.

Seine Rolle als Sonny Crockett brachte Don Johnson unter anderem eine Emmy- (1986) und zwei Golden-Globe-Nominierungen (1986/87) ein. In der Kategorie “Bester männlicher Hauptdarsteller” gewann er 1986, nachdem er bei den Emmys nur von der Stimme von K.I.T.T. aus “Knight Rider” geschlagen wurde.
Johnson drehte nach dem Ende von Miami Vice 1989 einige mäßig erfolgreiche Kinofilme. Aber selbst der top-besetzte Action-Thriller “Harley-Davidson & The Marlboro Man” (1991) – unter anderem mit Mickey Rourke – war ein Flop. Erst mit der Krimi-Serie “Nash Bridges” (1996-2001) fand Johnson zurück in die Erfolgsspur. Hier spielte er den gleichnamigen Polizisten einer Spezialeinheit und löste mit seinem Kollegen in San Francisco verschiedene Kriminalfälle. Die Serie wurde ein weltweiter kommerzieller Erfolg und brachte Johnson 2010 nach langem Rechtsstreit mit deren Produzenten sogar nachträglich noch einen fetten Geldsegen von etwa 17 Millionen Euro ein.
Mit der Komödie “Tin Cup” – Johnson als Gegenspieler von Kevin Costner – gelang ihm 1996 auch wieder ein kleiner Erfolg mit einem Kinofilm. Im gleichen Jahr erhielt Johnson für seine Verdienste einen Stern auf dem “Hollywood Walk of Fame”. Seitdem spielte Don Johnson zwar in mehreren Film- und Bühnen-Produktionen mit, konzentrierte sich aber hauptsächlich auf seine fünf Kinder und das Familienleben mit seiner jetzigen Frau Kelley Phleger. Don Johnson war auch viele Jahre als Pop-Sänger erfolgreich. Er erreichte einige Top-Ten-Platzierungen in den USA und in Europa. Ein Duett mit der großen Barbra Streisand gehört zu den Highlights seiner musikalischen Karriere. Na toll – und jetzt spielt Don Johnson nur noch einsam Golf in irgendeinem öden Promi-Ressort…  Nein! Er ist zurück auf der Leinwand: Als fieser Charakter in Robert Rodriguez´ “Machete”, der B-Movie-Splatter-Hommage schlechthin, die im November 2010 endlich – von den Fans sehnlichst erwartet – auch in deutschen Kinos lief. Und demnächst wird der humorige Johnson sogar in einer Rolle als Porno-Regisseur zu sehen sein. Die Company von Adam Sandler produzierte gerade “Born to be a star”. Ich lach mich jetzt schon schlapp.

INFORMATIONEN

Don Johnsons TV-Fahrzeug-Palette:

In Miami Vice: Nachbildung des Ferrari 365 GTS/4 “California Daytona Spyder” in Schwarz mit hellbraunem Interieur, von McBurnie Coachcraft entworfen und gebaut auf Corvette-Basis mit original Ferrari Teilen

Ab der dritten Staffel: weißer Ferrari Testarossa Modell 84 mit 390 PS. Dieser ersetzte die in der Folge “Liebe und Tod” in die Luft gesprengte schwarze Daytona-Replik auf Bestreben von Ferrari Nord-Amerika

Für gewagte Stunt-Fahrten wurde ein mit original Ferrari-Testarossa-Teilen aufgebauter 1972er DeTomaso Pantera benutzt

Die Power-Off Shore Boote waren eine Chris Craft Stinger 390 und später eine Wellcraft 38 Scarab KV

In Nash Bridges: 1970/71er Plymouth Barracuda Convertible mit einer Doppelturbolader-426-Hemi -Maschine, 490 Nm Drehmoment und 425 PS. Eine Frau, die bei ihm landen will, muss seinen Cuda als die klare #1 akzeptieren…

Introucting Don Johnson

“Introducing Don Johnson” war die aus der Not geborene Formulierung des Don Johnson-Trailers für “Machete”. Nachdem die anderen Top-Nebendarsteller wie Robert De Niro und Steven Seagal bereits mit with, and etc. eingeführt wurden, hatte das Team einen Riesenspaß mit Introducing DJ, wie Johnson in einem Interview mit MTV verriet

Bilder: Universal, Sony Pictures Home Entertainment

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