Ein Roadmovie mit sieben TRAUMWAGEN, Teil 4

Raum in der luxuriösesten Hütte

Raum in der luxuriösesten Hütte

Langsam, ganz langsam neigt sich meine kleine 3000 Kilometer-Tour dem Ende entgegen. Aber wirklich nur ganz langsam, denn heute ist ein besonderer Tag für mich: Ich besuche die Katze, um ihren Alltags-Youngtimer Audi V8 Quattro als Leserauto für die Ausgabe 06/2012 zu fotografieren. Jawohl. Und das bedeutet: Raus aus dem Allgäu und rein in die Innenstadt des schönen Münchens, bavarische Metropole an der Isar, Zuhause der echten Schickeria und der Spider Murphy Gang. Ob Rosi noch immer unter 32-16-8 zu erreichen ist? München wird Kulisse für die Erfüllung eines fotografischen Traums sein. Folgen Sie mir zu einem verkannten Technologieträger aus den späten 80ern.

Voller Körpereinsatz für's Drama!

Voller Körpereinsatz für’s Drama!

Und wieder einmal eine sehenswerte Kulisse entlang der Straße, bei der man sich zurecht fragen kann, warum der Typ eigentlich ständig im Bild steht. In diesem Fall steckt allerdings eine Menge unterhaltsame Arbeit und Fleiß im Motiv, denn was Ihnen als Hintergrundinformationen fehlt: Die Kamera liegt auf einem weichen Laubhaufen auf der gegenüberliegenden Böschung, der Selbstauslöser läuft nur kurze 10 Sekunden, die Straße vor meinem Auto ist sehr stark befahren und mein Ziel ist das Dach des Passat… Nur soviel – es gab mehrere Versuche. Aber das ist eine andere Geschichte. Rudolf und ich erreichen München und stürzen uns gemeinsam mit der Katze auf ein Villenviertel, um ihr Alltagsauto stilsicher zu fotografieren.

Dezente Ansagen

Dezente Ansagen

Nun ist ein Audi V8 vielleicht einigen Kennern oder den Lesern meiner etwas älteren Geschichten im Gedächtnis. Das war’s dann auch schon. Die meisten denken, man meint den A8, wenn man von ihm spricht. Nein. Und wenn sie ihn sehen fragen sie nach, ob das denn ein Audi 200 sei? Auch nein. Der V8 ist eine eigenständige Konstruktion und sozusagen der Vorgänger vom A8. Audis Tor zur Oberklasse, ein Technologieträger erster Sahne in einer Zeit, als Audi noch den Ruf der biederen Lehrerautos hatte. 1988 kam ein V8 mit 3,6 Liter Vollalumotor und später auch dem 4,2 Liter V8 mit 280PS und 400NM Drehmoment noch aus einer anderen Zukunft. Das zeigte sich auch im Preis. Mein eigener hatte 1993 sagenhafte 137.000 D-Mark gekostet. Dafür gab es mehr als eine S-Klasse oder auch ein kleines Einfamilienhaus.

Da passt gut was rein

Da passt gut was rein

Und auch wenn ein blubbernder Quattro mit dieser Leistung bei einem Verbrauch von rund 15 Litern Super als relativ sparsam zu bezeichnen ist – bei den aktuellen Benzinpreisen tut das trotzdem richtig weh. Die Katze schickt den Boliden schnell nochmal durch die Waschanlage und tankt noch ein bisschen nach, weil wir im Anschluss an die Exkursion in die münchener Villensiedlung noch weiter wollen. Herrlich. Meinen eigenen V8 habe ich im vergangenen Sommer nach 10 Jahren und 520.000 Kilometern in liebevolle Hände gegeben. Es ist schon ein wenig seltsam, jetzt wieder in einem zu fahren, zudem noch in so einem wunderschönen und tadellos gepflegten. Die Außenfarbe Ragusa (das müssen Sie sich wie ein metallic-Jägergrün in dunkel vorstellen) harmoniert perfekt mit der nach heutigem Geschmack als pornös zu bezeichnenden Voll-Lederausstattung in Travertin (das wiederum ist so ein Mix aus Weißbrot und Erdnuss). Bentley kann das nicht besser. Ah. Da ist ja auch Christian, der Gute! Dann kann es ja losgehen.

Raus aus der Schickaria

Raus aus der Schickaria

Die Katze hat schon lange den Traum, mal ihr Auto am Bildrand zu wissen, während sie mit ihrem Kater Hand in Hand in den Sonnenuntergang spaziert. Diesen Traum kann ich ihr heute erfüllen, mein kleiner persönlicher Regie-Kniff wäre dann aber noch das Einbeziehen jener Hochspannungsmasten…. Ich mag die ja, sie verkörpern für mich eine antiquierte Technologie, filigrane Mengen von kantigem Stahl und die Übertragung sagenhafter Energien. Irgendwie faszinierend.

Wie gemacht für ein paar Fotos!

Wie gemacht für ein paar Fotos!

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne wabern noch über die Kronen der Bäume am Horizont. Die Flächen um München herum sind ja irgendwie schon echt flach, ich verdränge das immer. Gerade war ich noch mitten im Land der drei Ohren und blickte auf die Alpen oder irgend etwas anderes Schneebedecktes, jetzt könnte diese Szene hier genau so gut in Dithmarschen spielen. Verrücktes Deutschland. Wir bauen uns noch einmal als Team vor Katze’s Auto auf, diesmal mit einer etwas besser beherrschbaren Einflugschneise für den Menschen, der den Auslöser drückt und sich dann auf den Weg machen muss. In aller Regel bin das auf dieser Reise ich selbst. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Sommer, die warmen Abende und Grillereien im Grünen. Und den ganzen Artikel im Magazin.

Ehemalige und aktuelle V8-Fahrer

Ehemalige und aktuelle V8-Fahrer

Jetzt und hier haben wir ein paar Hochspannungsmasten, einen Audi V8, einen gegenlichtigen Sonnenuntergang und zwei, die sich lieben. Mein Lieblingsbild aus dieser Serie. Hier werde ich Zeuge von einer sehr angenehmen Portion Alltag, in der zwei wahnsinnig unvernünftige Autos und zwei liebe Menschen eine große Rolle spielen. Träume wagen. Die beiden haben es getan, und sie sind wahrhaftig glücklich und zufrieden…

Sich Liebende im Abendsonnenschein

Sich Liebende im Abendsonnenschein

Morgen geht es wieder in Richtung Norden, Roadmovie die Letzte. Mit einem kleinen Besuch bei Daniel Langkau in Essen, ich habe noch nicht genug Fotos gemacht! Den heutigen Ausflug ins kulinarische Italien, das Weinchen im Wohnzimmer und eine kurze Nacht auf der Couch überlasse ich Ihrer Fantasie. Gute Nacht Blog. Unter 32-16-8 meldet sich keine Rosi. So viel habe ich heute gelernt. Wir lesen uns auf dem Rückweg…

8 Gedanken zu “Ein Roadmovie mit sieben TRAUMWAGEN, Teil 4

  1. Liebster Sandmann,

    bis vor kurzem waren das noch 21 Liter Super – aber pünktlich zur Spritpreiserhöhung (derzeit 1,75 EUR pro Liter) hat ein lieber Bekannter und begnadeter Schrauber den Verbrauch tatsächlich auf 14,9 Liter gesenkt!
    Ich danke Dir für diesen schönen Artikel über meine große Liebe, den Audi V8 und – last but not least – meine Wenigkeit 😉

    Kätzchen

    • *hach*

      … aber hier trete ich doch unter meinem Künstlernamen auf, hier heiße ich doch “Jens” 🙂 hihi…

      Am Audi V8 scheiden sich die Geister. Für die einen ist er nur ein dicker alter Audi, für die anderen ein echter Traumwagen. Meiner Meinung nach sind sein Fahrwerk, seine Motor/Getriebe Einheit und die hochwertige Verarbeitung noch immer State of the Art. Es wurde Zeit, dass diesem Meisterwerk ein großer Artikel gewidmet wird.
      Außerdem sieht die Fahrerin auch noch ausnehmend gut aus, eine wunderbare Kombination.

      Jens

      • Oh – ich dachte nicht nach. Trunken von der Euphorie über den V8-Artikel nannte ich Dich beim falschen Namen…

        JENS 😀

        Aber die wissen hier sowieso, wen ich meine…

        • 😀
          Und über Ostern schreibst du mir mal fein ein paar Details zur Story deines Autos zusammen, die Leser wollen Hintergründe Hintergründe Hintergründe! Okay?

          Ich sende dir Sonne nach München aus dem kalten Kiel

          Jens

    • Dank dir.
      Es sind ja auch fantastische Motive, sowohl die Autos als auch ihre Fahrerinnen und Fahrer. Und ich persönlich bin restlos Begeistert, was für einen Unterschied eine gute Spiegelreflex zu meiner vorherigen Bridge-Kamera (die auch nicht billig war) macht. Wahnsinn.

      Rollen wir weiter. Bals ist ja auch Ostern…

      Jens

  2. Hallo Jens,

    meine Güte, bist du fleißig, ich komme kaum noch mit dem Lesen hinterher!
    Nun also ein interessanter Youngtimer für die Mensch-Maschine-Geschichte, da freue ich mich drauf. Wobei der Audi V8 m.E. irgendwo ein sehr technisches, glattes und arrogantes Auto ist. Mit dem wollte der ewig von seiner Porsche-Familie zurückgesetzte und auch sonst gehandicapte Piech allen zeigen, was eine Harke ist. Und das wäre ihm auch gelungen, wenn das Auto optisch nicht so dicht am Audi 100 Typ 44 gewesen wäre. Es ist jedenfalls schön, dass Leute sich um den V8 kümmern und erhalten- Mercedes gibt es doch schon reichlich. Und Deine 520 tkm zeigen, was in ihm steckt.
    Frohes Schaffen und schönen Gruß.

    • Hallo Jörg,

      in der Tat scheiden sich die Geister am Audi V8. Meine Freundin ist nie ganz mit ihm warm geworden. Und “meine” 520.000 Kilometer sind inzwischen die 520.000 Kilometer von Markus aus Wahlstedt. Der V8 ist abgegeben.
      Ab einem gewissen Alter sollte man seine TRÄUME WAGEN 😉 Und nach 10 Jahren hatte ich irgendwie keinen Elan mehr mit diesem Auto. Seit ein paar Wochen schwärme ich für einen 65er Mustang mit Reihensechser…..

      Jens

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