Eine halbe Tonne Vergnügen

1940er Ford Halfton Pick-up

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Im Zweiten Weltkrieg mussten amerikanische Lastwagen vor allem robust und arbeitswillig sein. Mehr als 70 Jahre später zeigt sich, wofür das heute noch gut ist: um Spaß zu haben. Zum Beispiel mit einem Halfton Ford Pick-up Truck

Das mattschwarze Ding steht da, wo andere gerne wohnen würden. Trockener Steinboden, noch warm von der Sonne, darüber ein grüner Flauschteppich. An der Wand hängen alte Werbetafeln und Schilder, gerahmt von einfachen Holzregalen. In der Ecke ein uralter Fernseher, daneben eine alte Registrierkasse, ein paar Metalldosen Motoröl, außerdem Zeitschriften. Auch ein paar Ausgaben TRÄUME WAGEN.

Es riecht ganz leicht nach Benzin, nach altem Kram und Metall. Das Auto mitten drin ist noch ein ganzes Stückchen älter als die eingelagerten Reliquien einer Religion des Glaubens an eine andere Zeit. Mehr als 70 Jahre hat der Wagen auf der Ladefläche – man sieht es ihm nicht an. Robert Willinger startet den nicht mehr ganz originalen Motor seines Halbtonner Pick-up-Trucks aus dem Jahr 1940 mitten in diesem netten Wohnzimmer und fährt den kleinen Truck nach draußen in die Sonne. Himmel, wie gut das riecht…
Der Lack schimmert, der Chromzierrat glänzt, die bunten Tattoos auf den Anbauteilen werben. Dieser kleine Ford hatte mal eine Bestimmung, die man ihm heute weder ansieht noch anhört: Er musste arbeiten. Jetzt darf er seinen Besitzer voll und ganz bespaßen.

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Während im Deutschland des Jahres 1940 Hitler Europa ins Unglück stürzte und auf der anderen Seite des großen Teiches Präsident Roosevelt aufrüstete, baute Ford munter weiter Pkw und Kleinlastwagen, die eine halbe, eine dreiviertel oder sogar eine ganze Tonne zuladen konnten. Mal mit Pritsche, mal mit Kastenaufbau oder mit was auch immer König Kunde das Chassis bestückt haben wollte. Robuste, kompakte Transporter verkauften sich gut in diesen Zeiten, nicht nur als Exportschlager in die Feldlager der Alliierten – die Motor Company konnte schnell die Auslieferung des 200.000sten Trucks feiern.

Willingers Exemplar hatte ab Werk einen kleinen Flathead-V8 mit bescheidenen 60 PS. Bedenkt man, dass selbst große Traktoren nicht viel mehr Muskeln haben, wird die Aufgabe erneut vor Augen geführt: malochen statt rasen. Er sollte schleppen und ziehen, und bei so einer niedrigen Verdichtung und acht Zylindern konnte man fast alles in den Tank kippen, was irgendwie brennbar war.

Ein Ford mit Komfort? Bedingt. Schaut man sich die zeitgenössischen Limousinen an, stößt man auf Metall und grobe Sitze, ein paar wenige Instrumente und dickes Blech, so weit das Auge reicht. Das verhält sich beim Halbtonner nicht anders. Erstmals wagte Ford es, seinen Trucks das gleiche Gesicht wie den Limousinen zu geben und war damit seiner Zeit weit voraus. Dem Windwiderstand kommt das trotzdem nicht entgegen – reden wir nicht darüber. Auch hatte man sich von der Aussage distanziert, dass jede Farbe orderbar sei, so lange sie schwarz ist. Den Half-Ton gab es in wahrhaft schillernden Grau-, Grün- und Blautönen: Folkstone Gray, Cloudmist Gray, Mandarin Maroon, Acadia Green, Garnet Maroon, Sahara Tan, Como Blue, Lyon Blue, Yosemite Green, Cotswold Gray.

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