Eine wie Keine: Die Flunder aus Dieppe

Rallye-Ikone

Kaum ein anderes Auto ist so faszinierend zu fahren und anzusehen wie die Renault Alpine A110. Begleiten Sie uns auf ein Treffen mit der berühmten Rallye-Ikone

Am liebsten würde ich ihn schon wieder drücken, diesen kleinen schwarzen Knopf rechts neben dem Lenkrad auf der Mittelkonsole. Denn mit ihm erweckt man das Motörchen von Eckardt Döhrers 1976er Renault Alpine A110 1600 SX zum Leben. Wer jetzt denkt, dass das im Heck sitzende 1,6 Liter-Aggregat leise wäre, der irrt sich. Und zwar gewaltig. „Mein Nachbar ist schon beleidigt,“ erzählt Eckardt Döhrer, als wir mit noch niedriger Drehzahl, begleitet von spratzelnden und dröhnenden Auspuffgeräuschen, aus dem beschaulichen Dörfchen in der Nähe von Landau in der Pfalz in Richtung Landstraße tuckern, Warum? „Weil meine Alpine lauter ist als seine Harley…“ Denn aus der Gillet-Auspuffanlage entweicht kein gutmütiges V8-Blubbern, Brummeln oder Grollen, wie man es etwa von großvolumigen V8-Motoren kennt. Die Alpine brüllt, schreit und faucht bei zunehmender Drehzahl ein Konzert aus dem Heck, dass einem vor Freude sämtliche Nackenhaare senkrecht stehen. Vier Zylinder, 1,6 Liter Hubraum und eine Sportauspuffanlage genügen der Rallye-Ikone aus Dieppe als Resonanzkörper. Downsizing und kompromissloser Fahrspaß schlossen sich 1976 eben noch nicht aus.

Schnelles Duo: Eckardt Döhrer ist von Beruf Renningenieur. Privat nimmt er mit seiner Alpine A110 erfolgreich an Rallyes und Bergrennen teil

 

An seine erste Begegnung mit der Rallye-Ikone erinnert sich Eckardt Döhrer heute noch ganz genau: „1972 fuhr eine Renault Alpine bei der Rallye Wartburg mit. Damals im Osten war das kaum vorstellbar. Ich stand nachts im Wald und wartete auf den Skoda, mit meinem Vater als Beifahrer. Da hörte ich plötzlich das Brüllen der blauen Flunder. Damals dachte ich mir: So ein Auto ist der absolute Traum, aber drin sitzen wirst du wohl nie.“ Es kam anders: 2001, mehr als 40 Jahre nach seiner ersten Begegnung, kaufte Döhrer eine 1976er Alpine 1600 SX. Allerdings in einem eher mäßigen Zustand. Mehr als zehn Jahre lang restaurierte er das Auto, dabei überließ der Renningenieur, der schon für die DTM-Teams von Opel Motorsport, AMG und das Rosberg-DTM-Team tätig war, nichts dem Zufall. Unter anderem wurde das Fahrzeug komplett mit einer 3D-Messmaschine neu vermessen. Dieser Aufwand war notwendig, da die Karosserie zugunsten der Steifigkeit später wieder mit dem Chassis verklebt werden musste. Bei der Vermessung stellte der perfektionistische Renningenieur Abweichungen im Millimeterbereich fest und konfrontierte einen Alpine-Spezialisten mit seiner Entdeckung. Der gab sich wenig beeindruckt: „Wenn Du mit Millimetern anfängst, wirst du mit dem Auto nie fertig.“ Ein nicht ganz unberechtigter Einwand, zumal die Kunststoff-Karosserie der Alpine A110 den Restaurator vor ganz eigene Probleme stellt. Denn Kunststoff ist zwar rostfrei, wird aber vor allem durch Feuchtigkeit mit der Zeit porös und rissig. Dann dringt Nässe durch die undichten Stellen ein – Rost an dem darunterliegenden Stahl ist somit programmiert.

Große Bereiche der Karosserie mussten entsprechend ausgebessert und neue Glasfasergewebe aufgetragen werden. Auch das Chassis wurde komplett mit Zinkpulver beschichtet und somit dauerhaft gegen Rost geschützt. Insgesamt zehn Jahre hat Eckardt Döhrer seine Alpine restauriert. Der Aufwand hat sich mehr als gelohnt – vermutlich steht seine Alpine heute sogar besser da als das Ursprungsmodell von 1976.

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