In der Welt der Vau-Männer

50 Jahre Formel Vau

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Alle reden von der Formel 1 – dabei ist eine andere Formel-Serie viel größer, hat ein Jubiläum und war Basis für die Karriere vieler großer Rennfahrer: Die Formula Vee – in Deutschland Formel Vau – wurde Jahr 50 Jahre alt. TRÄUME WAGEN fuhr in so einem alten Rennwagen eine Ehrenrunde auf dem Daytona Speedway und traf die alten Recken von damals

Nein, an einen Käfer erinnert nicht viel. Der Sitz: eine ungepolsterte Schale – der Hintern ist näher am Asphalt als bei einem völlig durchgesessenen und halb durchgerostetem Normalo-Käfer. Das Lenkrad: eindeutig modern. Die Pedale: Kaum ein paar Zentimeter Platz dazwischen, weil die Füße in einer vom Rohrrahmen vorgegebenen Karosserieröhre enden, die enger ist als das Ende eines Mumienschlafsackes. Die Schaltung: Ein kleiner Hebel am rechten Karosserierand, wegen der Enge des Cockpits nur mit verdrehtem ausgestrecktem rechten Arm zu bedienen. Der vierte Gang sollte am besten nur mit dem kleinen Finger der rechten Hand eingelegt werden – nach hinten rechts kommt man sonst nicht.

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„Alles halb so wild – is’n Käfer,“ beruhigt mich Walter Hintz vom „Formel Vau Club Europa.“ Er hilft mir, mich in dem Austro-Vau, 1969 von Porsche Salzburg gebaut, zurechtzufinden. Der Club betreut heute rund 100 Autos, das gesamte gesammelte Wissen über diese so günstige Einsteiger-Formelklasse, wie es sie nie wieder gab, und vor allem haben sie mit Hilfe von VW rund ein Dutzend Wagen über den großen Teich geschippert, um im Vorprogramm zu den 24 Stunden von Daytona durch die Steilkurven zu fliegen. Der Grund: 50 Jahre Formel Vau. Um uns herum wuseln viele ehemalige und noch aktive Rennfahrer wie Quester, Luyendyk, Stuck, Prinz Leo oder Markku Alen, die auch alle beim Anpassen sind – alles ehemalige Vau-Männer.

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Platz ist was anderes: Die Pedalerie steckt in einer Röhre

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Hauptsache eng: Das Cockpit der Nummer 243 von oben

Aber wieso Käfer? Weil Achsen, Federung, Räder, Motoren und Getriebe reine und beste Käfer-Innereien im Formel Vau sind. Letzteres wurde umgedreht, weil ein Formel Vau ein Mittelmotorrennwagen ist. Ich starte mit Zündschlüssel, und unsagbarer Lärm trifft in Kopfhöhe auf die Ohren, solange der Helm noch nicht drauf ist. Ungedämpft knallen die Verbrennungsgase aus dem offenen Auspuff, und niemand glaubt, dass hier nur 60 oder 70 PS losgelassen werden wollen. Kupplung kommen lassen – hoppla, Käferfeeling! Und während unsere Pseudokäferschlange langsam zum Eingang in die Boxengasse rollen, ist Zeit, über die Anfänge dieser Rennserie nachzudenken.

Wie so oft ist auch die Formula Vee, wie sie in Amerika heißt, dem schmalen Geldbeutel und dem klugen Gedanken eines Mannes zu verdanken: dem VW-Händler Hubert L. Brundage aus Miami, Florida. Er und ein paar Kumpel vermissten einst eine billige Formel-Einsteigerklasse. Der Gedanke, einen Käfer dazu zu verwenden, lag nahe, also schickte er 1958 einen nagelneuen Krabbler zu Nardi nach Italien, um daraus einen Formel-Rennwagen mit Rohrrahmen bauen zu lassen. Das Ergebnis war ein 30 PS-Wägelchen – wunderschön anzusehen mit seinen runden Formen und den Porsche-356-Lüftungsgittern auf der Heckverkleidung, aber der Amerikaner war von den Rennqualitäten nicht überzeugt. Deshalb verkaufte er das Auto 1961 an die Ingenieure Georg Smith und William Duckworth, die daraus den „Formcar“ entwickelten mit dem Ziel einer kompletten Rennserie.

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