Klassiker im Reich der Mitte

Oldtimer-Rallye durch China

Bislang ein seltenes Bild: Klassischer Lamborghini in China – es gibt pro Jahr nur eine Oldie-Rallye

Wenn eine Horde klassischer Autos durch China rumpelt, staunt das Volk. Denn Autos zur Unterhaltung sind dort nicht üblich. Dass sich VW mit Museumsautos dorthin bewegt, ist Teil einer langfristigen Strategie des Konzerns: Mit Macht, Klassikern und Neuwagen versucht er, den Chinesen beizubringen, was Sportwagen sind und wozu man sie benutzen kann. Gar nicht so einfach in einem Land, in dem es kaum alte Autos gibt und nur große Limousinen als passende Statusobjekte gelten

Prinz Scipione Borghese war der erste. Der Adlige hatte bereits 1908 begriffen, wofür eine Rallye gut ist und fuhr von Peking nach Paris – 16.000 Kilometer. Der Hintergrund: Eine Ausschreibung einer französischen Zeitung, die beweisen lassen wollte, dass ein Mann mit einem Auto überall hinkommt. Borgheses Vehikel: ein 45 PS starker Itala. Das war allerdings damals ein Neuwagen.

105 Jahre später gibt es gerade mal eine einzige Oldtimer-Rallye durch China: die „China Rally of International Classic Cars“. Dabei geht es für knapp 50 Wagen 1.600 Kilometer in sieben Tagen durchs Reich der Mitte. Schon das ist ein Wunder, denn in dem Riesenland existiert nur ein einziger Klassik-Club (Classic Vehicle Union of China, CVUC), in dem ganze 400 Mitglieder mit gerade mal 800 Autos organisiert sind.

Für den VW-Konzern erst recht ein Grund, mitzumischen. Und zwar mit aufwändig aus deutschen Werksmuseen eingeflogenen Autos wie Käfer, Porsche 911, Bentley 8 Liter und Lamborghini 400 GT. Die dürfen allerdings nur höchstens sechs Monate im Land bleiben und müssen dann wieder nach Hause.

Viel bestaunt: Klassische Bentley und Porsche im Reich der Mitte

 

Klingt teuer. Und ist es auch. Aber es ist auch Teil einer langfristigen Strategie: Der Konzern will künftig möglichst viele Sportwagen in China verkaufen – also nach VW-Definition Autos mit zwei Türen, zwei oder 2+2-Sitzen und mehr als 200 PS. Davon hat der Wolfsburger Konzern reichlich, angefangen beim VW Scirocco über zum Beispiel Audi R8, Porsche 911, Bentley Continental GT, Lamborghini Gallardo bis zum Bugatti Veyron. Aber er muss es den Einwohnern erst einmal beibringen, was ein Sportwagen ist und wozu man ihn braucht. Und dazu müssen sowohl alte als auch neue Modelle so oft wie möglich und so dynamisch wie möglich gezeigt werden.

Denn Chinesen haben weder eine Sportwagen- noch eine Rennwagenkultur. Sie halten 500 PS starke, große und neue Limousinen sowie SUV für Sportwagen, nur diese machen bislang das Prestige des Besitzers aus. Alte Autos gibt es schon gar nicht im Lande. Was es problematisch macht, den Chinesen die Historie der Konzernmarken zu vermitteln. Denn nach China dürfen keine Gebrauchten und somit auch keine klassischen Autos eingeführt werden (Hongkong und Macao sind natürlich Ausnahme:n Hier stehen gewaltige Sammlungen teuerster Boliden). Gespräche mit der Regierung hinsichtlich einer Änderung dieser Regelung verlaufen sehr zäh.

Dabei sind die meisten Straßen inzwischen tauglich sowohl für alte als auch für starke Sportler, das hat DMSB-Präsident und Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck selber erfahren können – bei der Rallye chauffierte er einen getunten Käfer von 1956. „Von der Gesamtstrecke zwischen Peking und Shanghai waren vielleicht 50 Kilometer nicht eben genug für Sportwagen, alles andere war in überraschend gutem Zustand. Da gibt es sogar in der Mitte von Nirgendwo richtige Prachtstraßen,“ sagt der Motorsportler, „auch das Interesse der Passanten war riesig – fast wie bei der Mille Miglia.“

Präsentation auf der Rennstrecke: Tanz ums Auto auch in China

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