Knudsen forever

Ford Taunus L Coupé

Das erste Auto vergisst du nie – es ist wie der erste Kuss, das erste Glas Wein, der erste Sex. Bei mir war es ein Ford Taunus. Seine Knudsen-Nase hat mich schon im zarten Alter von 15 Jahren eingeatmet, mit 19 passierte es wieder. Jetzt bin ich 43, und Knudsen Nummer 3 steht in der Garage

1986. Ein 15-jähriger Autobesitzer (links) und seine Gang: Fast am wichtigsten dabei ist der 1975er Ford Taunus L für 100 Mark

Goldene Zitrone

Es ist 1986, und ich bin 15. Und definitiv zu jung für motorgetriebene Fortbewegungsmittel. Deshalb fahre ich meinen täglichen Leidensweg zur Schule im Schleswig-Holsteinischen Plön mit dem Fahrrad, aber die Augen suchen Autos. Und finden ein ganz besonderes: ein sonnengelbes. Abgemeldet, rostig, kein TÜV, aber irgendwie sehr amerikanisch. Der Teenager ist davon gerockt. Am Rande der Geschäftstüchtigkeit biete ich dem Besitzer mein gesamtes Erspartes, ziemlich genau 100 Mark. Er geht darauf ein: Der zweitürige 1975er Ford Taunus L gehört mir. Kein Führerschein, kein Stellplatz, ein bisschen Angst, meinen Eltern davon zu erzählen – super Voraussetzungen für die erste Blechbeziehung…

Kommt nur das gute Super rein! Beim Kauf lag sogar noch Schnee, innen und außen

 

Muttis Erlaubnis und einen Platz zum Fahren lernen bekomme ich. Läuft! Der offizielle Nachfolger des frontgetriebenen P6 15M ist technisch hochaktuell und besitzt statt der altbackenen V4-Motoren moderne OHC-Reihenvierzylinder von 1.3 bis 2.0 Liter Hubraum, wahlweise auch die bewährten V6-Motoren mit 2.0 und 2.3 Liter, die so herrlich blubbern. Wir haben jedes Wochenende fünf Liter verbleites Super und einen großen Schluck Kühlwasser für die schwachbrüstige 1.6-Liter-Maschine dabei. Es sind wunderbare Tage auf den privaten Feldwegen im Umland – erste Eindrücke von der Freiheit.

Mein erst 11 Jahre alter Taunus TC glänzt mit einem durchgebrochenen Lichtmaschinenhalter, einem abgefallenen Auspuff und extremem Kühlwasserverlust. Schöner wird er auch nicht durch meine Fahrfehler, die auf einem durchweichten Erdbeerfeld enden. Mir fehlt die Praxis des damaligen Formel-1-Weltmeisters Jackie Stewart, der als Knudsen-Werbegesicht die neue Mittelklasse sportlich in Szene setzen soll.

Bei Baubeginn 1971 sah der Taunus von innen ein bisschen wie ein Mustang aus und bekam mit seinem trampelnden Fahrwerk wegen „gravierender Neuwagenmängel“ vom ADAC die „Goldene Zitrone“ verliehen. Aufgrund der Kritik erhielt er ab 1974 einen sachlichen Innenraum und technische Verbesserungen.

Meine Goldene Zitrone ist irgendwann einfach weg. Vermutlich haben genervte Nachbarn den Abschlepper bestellt. Aber ich werde mich immer an den etwas anderen Sommer erinnern, der definitiv geiler war als der meiner Klassenkameraden.



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