M1 aus Leidenschaft

Das schnellste M des Tages

Nach mehr als 40 Jahren ist die BMW M GmbH jedem sportlich ambitionierten Autofahrer ein Begriff. Und alle Welt kennt das Erstlingswerk, den legendären M1 von Bildern. Axel Hagemann besitzt gleich drei der Boliden

Er muss einen dieser guten Tage gehabt haben, der BMW-Chefdesigner Paul Bracq. Gerade mal 27 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges und noch 13 Jahre vor dem nie zu Ende gedachten DeLorean erschuf er eine Sportwagenstudie, die direkt aus der Zukunft zu kommen schien: den BMW M1. Der Flügeltürer mit dem tiefen Schwerpunkt war die Turbo-Antwort auf all die neuen Sicherheitswagen in den jungen 70er-Jahren.

250 km/h, ABS, Abstandswarner und Querbeschleunigungsmesser galten als Vorlage für einen später geplanten BMW-Rennwagen, der sich wegen diverser Änderungen in den Reglements noch vor seiner Präsentation als überflüssig herausstellte. Eine Homologationsserie von 460 Fahrzeugen, ursprünglich die Eintrittskarte in den Motorsport dieser Klasse, sollte trotzdem unter der Schirmherrschaft der eigens gegründeten BMW 
Motorsport GmbH gebaut werden.

Massive Werkzeuge zum Fertigen des Gitterrohrrahmens. Sie sind original und helfen erheblich bei der Wiederbelebung geschundener Rennwagen

 

Stardesigner Giorgio Giugiaro straffte die Karosserie der Studie, strich die aufwändigen Flügeltüren und brachte den ersten Hauch der in den 80ern durchgreifenden kantigen Sachlichkeit in die Silhouette des Supersportwagens. Nach weiterer Entwicklung bei Lamborghini in Italien wurde das Auto bei Baur in Stuttgart gebaut und 1978 als BMW M1 der Welt vorgestellt. Nicht mehr für die Rennpiste – aber bei Bedarf natürlich auch.

Historische Renntechnik…

Der M1 genießt heute allein schon wegen seiner geringen Stückzahl einen exklusiven Exotenstatus. Es gibt in Deutschland nicht viele Menschen, die schon mal einen auf der Strasse gesehen oder gar gefahren haben und es sind noch wesentlich weniger, die einen besitzen.

Axel Hagemann ist einer der Glücklichen. Er besitzt insgesamt drei – zwei setzt er auch im Historischen Rennsport ein (und vermietet sie sogar dafür). Kein Wunder: Mit seiner 1996 gegründeten Firma AH-Fahrzeugtechnik in Bünde hat er sich auf die Restauration, den Wiederaufbau und den Erhalt von M1-Renn- und Serienfahrzeugen spezialisiert. Er erkannte früh die Zeichen der Zeit und stand direkt bei den Bayern auf der Matte, als im Jahr 2000 aus Wirtschaftlichkeitsgründen das noch übrig gebliebene Ersatzteillager des schnellen Exoten verschrottet werden sollte. Solche Aufräum-Aktionen sind typisch in den Hallen der großen Automobilkonzerne und haben schon so manch einfachem Ersatzteilchen zum Status einer Blauen Mauritius verholfen. Leider. Für sehr viel Geld konnte Hagemann mit seinem Team die wichtigsten Ersatzteile erwerben und einlagern, der Rest ging in die Schrott- und Kunststoffpresse. Ein Jammer. Doch dem Tüchtigen gehört die Welt. Über Clubs und Foren brachte Hagemann in Erfahrung, dass einige der großen Werkzeuge damals nicht verschrottet wurden, sondern irgendwo im Osten auf ihre Erweckung warten. Nach langen detektivischen Recherchen fand er die Original-Bänke, auf denen der M1-Rahmen, die Querlenker und etliche andere Teile gefertigt wurden.

Rein theoretisch ist seine Firma nun in der Lage, neue M1 zu bauen – das ist allerdings nicht das erklärte Ziel von AH-Fahrzeugtechnik. In der unterirdischen Halle sind die wackeren Männer heute mit diesen Geräten, weiteren Fräsen, Drehbänken und ihrem angehäuften Wissen immerhin schon einmal in der Lage, nahezu jedes Teil für den seltenen BMW nachzufertigen.

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