Mille Miglia – Anarchy in Italy

Im 550 Spyder durch Italien

Parallelflug durch das morgendliche Rom: Beide Werks-Spyder bei der frühen Tour Richtung Rennstrecke Vallelunga zur nächsten Sonderprüfung

Dass die Mille Miglia heutzutage die berühmteste Oldtimer-Rallye weltweit ist, wissen die meisten Autofans. Dass es mit Abstand auch das anspruchvollste, schnellste und gefährlichste Rennen mit alten Autos ist, auch wenn es gar nicht gegen die Uhr geht, muss man erleben. TRÄUME WAGEN klemmte sich dazu in das für so eine Aufgabe absolut passende, aber enge Cockpit eines Porsche 550 Spyder

Die digitalen Geschwindigkeitsanzeigen vor vielen Ortseingängen italienischer Dörfer sind schlicht überfordert. Zeigen sie normalerweise Tempi um 50 km/h an, stehen sie jetzt ständig auf 99. Nein, sie sind nicht kaputt, sondern am Anschlag – sie haben eben keine dreistellige Anzeige.

Denn wer hier als Teilnehmer durchjagt, hat weit mehr als 100 km/h drauf – vielleicht abgesehen von schwächeren Autos wie Goliath GP 700 oder Fiat 1100. Und statt dass sich die Bewohner über so viel Unverschämtheit aufregen, signalisieren sie durch Armrudern, Handzeichen und Brüllen: mehr, schneller, lauter!!!! Und die Polizei? Sperrt die Querstraßen ab. Schließlich soll niemand den 830 Verrückten in die Quere kommen, die in 415 Autos drei Tage lang durch Italien rasen. Es ist Mille Miglia.

Start ist in Brescia, wo die Autos im Messegebäude technisch abgenommen werden

Das bedeutet 1.555,24 Kilometer von Brescia über Verona, Ferrara, Ravenna, San Marino, Assisi, Rom, Siena, Florenz, Bologna, Maranello, Cremona zurück nach Brescia; in einer Sollzeit von 30:13 Stunden, inklusive 61 Sonderprüfungen in 16 Blöcken; dabei muss man noch 22 Stempel einsammeln, 38 Ortskerne passieren und 352 Kreisverkehre meistern. Noch Fragen?

Die Edel-Hatz beginnt in Brescia – zunächst sammeln sich die Autos zur technischen Abnahme in der Messehalle der norditalienischen Stadt. Es gießt wie aus Kübeln, keine guten Voraussetzungen für die vielen offenen Wagen der Baujahre 1927 bis 1957. Nur Modelle, die in diesen Jahren die MM mitfuhren, als es noch ein echtes Straßenrennen war, dürfen an der Oldtimerrallye teilnehmen. Ein schwerer Unfall des spanischen Ferrari-Fahrers Alfonso de Portage im Dorf Guidizzola mit insgesamt elf Toren beendete 1957 das Traditionsrennen – und jetzt organisierte erstmals wieder der Veranstalter von damals, der Automobilclub von Brescia, das Gleichmäßigkeitsspektakel, das es seit 1977 gibt.

Brescia vor dem Start: Die Autos können besichtigt werden – wer Schirm oder Dach hat, ist diesmal sehr glücklich

Auch das ist Mille Miglia: Wenn man Pech hat – viel Wasser, wenn man langmütig ist – wenig Platz, wenn man Mechaniker hat – viel Hilfe

 

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