Moroccan Roll

Range Rover alt und neu im Wüsteneinsatz

Wer RR sagt, muss nicht immer Rolls-Royce meinen – es ist auch die Abkürzung für den Edel-Kraxler Range Rover. Jetzt ist die vierte Generation des Luxus-Geländewagens angekommen: Wir treiben verschiedene Versionen des High-Tech-Briten in tiefe marokkanische Sanddünen und in den Hohen Atlas. Wie passend, dass am Fuß der Berge auch noch ein Ur-RR auf uns wartet

Dazwischen liegen mehr als 40 Jahre: Die erste RR-Serie überraschte mit zeitgemäßem Luxus, die neueste Version bietet eine Menge luxuriöser Überraschungen

Eigentlich ist der Range Rover noch gar nicht fertig. Doch der Land Rover-Chef hat den Aktionären versprochen, alle sechs Monate ein neues Auto zu präsentieren, und daran hält er sich. Rund vier Monate vor der Planung wirft er den Luxus-Geländewagen auf den Markt – sehr zum Missfallen der Ingenieure. Der Wagen hat keinen Aschenbecher und Anzünder, der Automatik-Choke fehlt, der Staubschutz ist mangelhaft, die Federraten nicht festgelegt, für die geplante Alu-Karosserie gibt es noch keine korrekten Werkzeuge. Und der Wagen wird dennoch ein Erfolg.

Die frühen RR-Exemplare sind leicht zu erkennen: zwei Türen, Außenspiegel vorne auf den Kotflügeln, vertikale Türöffner

Auch wenn hier keine „Fahrspuren“ wären: Der neue Range Rover ist voll geländegängig und scheitert auch nicht bei tiefem Sand – wenn der Fahrer ihn richtig lenkt

Das war im Jahr 1969, der CEO hieß Sir Donald Stokes, er führte British Leyland. Und die Erinnerung an den holprigen Start stammt von Roger Crathorne, seit 50 Jahren Entwickler bei Land Rover und als solcher heute mit in Marokko zum Launch der vierten Generation des Edel-Kraxlers. Crathorne hatte damals höchstselbst und in Ermangelung an PR-Mitarbeitern in aufwändiger Recherche eine Teststrecke rund um Marrakesch für das damals völlig neue Geländeauto ausgearbeitet, inklusive alle Kaffeepausen und Übernachtungen. Doch logistisch war die plötzliche Zeitänderung nicht zu schaffen – der erste Range Rover wurde schließlich in Schottland präsentiert.

Für die neue Generation des Luxus-Geländewagens hat sich Land Rover nun an den Zeitplan gehalten. Und sich an die frühe Launch-Planung erinnert – Marokko. Doch bevor wir den neuen RR über die Dünen bei Essaouira scheuchen oder ihn in die Berge des Hohen Atlas treiben, müssen wir uns noch ein bisschen mit dem Ur-Wagen beschäftigen. Nur so ist zu begreifen, warum es diesen einzigartigen, frühen Luxus-SUV heute überhaupt gibt.

Zur Anschauung hat Land Rover drei Exemplare mit nach Marrakesch gebracht. Erstens den ältesten noch existieren Range Rover überhaupt, den roten Prototyp Nummer sechs von 1969. Zweitens den allerersten Serien-Range, Chassis Nummer drei (den damaligen Chefs gefielen die Wagen auf Chassis Nummer 1 und zwei nicht, weil die Farben nicht ihrem Geschmack entsprachen). Und drittens den sandfarbenen Range Rover von 1971 – der darf auch gefahren werden. Den fand Land Rover vor nicht langer Zeit in Australien und richtete Lack sowie Technik. Natürlich als Zweitürer – tatsächlich gab es den Range Rover anfangs elf lange Jahre (von 1970 bis 1981) nur mit zwei Türen (bis 1977 mit langen vertikal angebrachten Türgriffen). Erstens sollte das die Karosserie steif halten, zweitens fanden die Designer das optisch gelungener. Crathorne: „Ich als Ingenieur habe das anders gesehen…“

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