Nach 22 Jahren am Ziel

Opel GT 1100

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Ein Opel GT kehrt 43 Jahre später nach Rüsselsheim zurück –
in die Traumgarage von Fritz Schmidt jr.

Sicherlich existieren stärkere und spektakulärere Sportwagen als der Opel GT 1100, doch wenn Emotionen mitspielen, dann gibt es keine Alternative. Zudem handelt es sich bei dem hier porträtierten GT um ein seltenes Exemplar, denn der 1100er wurde nur von 1968 bis 1970 in einer Stückzahl von 3.573 Stück gebaut (GT 1900: 99.890).

Der beliebtere 1900er wurde bis 1973 gebaut und beide GT entsprachen mit ihrem Coke-Bottle-Design annähernd der Form der erfolgreichen Corvette, weshalb sie auch „Baby Vette“ 
genannt wurden. Bei der Vorstellung des Prototyps anlässlich der Eröffnung des Entwicklungszentrums in Dudenhofen waren die Journalisten durchweg begeistert von dem Sportwagen “Made in Germany“, was Opel trotz guter Auslastung dazu bewegte, den GT zu produzieren.

Danach wurde die technische Ausstattung des GT festgelegt, die auf der Bodengruppe des Kadett basiert. Der 1100er hatte jedoch durch den zurückverlegten Motor eine erheblich bessere Gewichtsverteilung und dadurch ein extrem gutes Fahrverhalten. Der Motor des „großen“ GT stammte aus dem Opel Rekord C und verhalf dem Flitzer mit den Schlafaugen zu Fahrleistungen, die zu der Zeit alles andere als alltäglich waren, was auch der Startschuss zu wilden Tuningmaßnahmen an dem GT war, so dass nur noch wenige Exemplare im Originalzustand vorhanden sind.

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Die phantastische Form begeisterte im Jahre 1969 auch Gertrud Weinrich aus Wiesbaden, die mit damals 53 Jahren sicherlich nicht zu dem potentiellen Kundenkreis gehörte, jedoch einen der schwer zu bekommenden GT bestellte und damit in der feinen Kurstadt Wiesbaden Aufsehen erregt. Als sie Anfang der 80er Jahre das Autofahren aufgab und das Auto nur noch zur TÜV-Vorfahrt von einem Porsche-Händler heraus holen ließ, entdeckte der junge Fritz Schmidt das Fahrzeug in der Tiefgarage, da seine Jugendliebe im gleichen Haus wohnte. Er war als Rüsselsheimer und gerade frisch mit dem Führereschein ausgestattet natürlich begeistert von dem zitrusgelben Flitzer. Vorsichtig fragte Schmidt bei der erstbesten Gelegenheit nach, ob die Dame den GT verkaufen würde, der inzwischen einige Gebrauchsspuren hatte, so auch die Delle im Heck, die von einem laut Weinrich „plötzlich dagewesenen Pfeiler, der sonst nie dagewesen sei“ stammte. Er bekam aber ein klares Nein als Antwort.

Insgesamt stand der Wagen, nachdem er 1994 mit 30.000 Kilometern abgemeldet wurde, nochmals mehr als 20 Jahre mit einer Plane abgedeckt in derselben Tiefgarage in dieser feinen Wohngegend von Wiesbaden. Schmidt Jr. rief regelmäßig an und erkundigte sich, wie es Weinrich und dem Objekt seiner Begierde ginge … und ob der GT denn nun zu verkaufen sei, denn mittlerweile hatte er irgendwie eine besondere Beziehung zu diesem GT aufgebaut. Ebenso begann er in der Zwischenzeit so einiges von Opel zu sammeln, was sich von Automobilia über Fahrräder bis hin zu seltenen Schildern und Werbegeschenken aus allen Epochen erstreckt, nur seine Garage hatte eben noch eine Lücke.

Als er im Jahre 2006 seinen obligatorischen Anruf bei der Besitzerin des GT tätigte, gab es einen unverhofften und plötzlichen Lichtblick. „Was willst du denn ausgeben, Fritzi?“ fragte die Dame am Telefon, worauf Fritz spontan nichts Passendes einfiel. Die beiden machten einen Termin zum Kaffee aus und Weinrich legte neben dem Kuchen ein Stück Papier auf den Tisch, auf dem eine uns unbekannte Summe stand, zu der der GT wenige Tage später den Besitzer wechseln sollte.

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