Reich mir die Flosse, Kolle

Zahllose Anleihen beim Flugzeugbau: Ford Galaxie Skyliner und Fairlane

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Ausgerechnet ein Kabelbrand am 1959er Ford Galaxie Fairlane brachte dessen Besitzer Björn Dahlheimer und den Fahrer des Schwestermodells Skyliner, Ronny Kroeger, zusammen. Seitdem fliegen Coupé und Cabrio gemeinsam durch die Gegend

Die Sonne scheint fast unerträglich heiß auf die Pisten des Rollfeldes. Sie brennt auf Hangar, Flieger und erst recht auf zwei Autos, die sich hierhin verirrt haben – wahrscheinlich wegen ihrer Heckflossen. Die Luft wabert, deswegen könnte die Szene auch in einem Roadmovie in Nordamerika spielen. Aber wir sind in Deutschland, auf dem kleinen Flugplatz Höxter-Holzminden zwischen Hannover und Kassel, nicht weit von der A7. Björn Dahlheimer und Ronny Kroeger steigen fast synchron aus ihren Autos aus und wirken ziemlich klein. Das liegt vor allem daran, dass die bunten, Chrom glänzenden Fahrzeuge neben den beiden sehr groß sind. Der Grüne mit Dach guckt patzig aus seinen Doppelscheinwerfern und scheint sein blaues Pendant ohne Dach zu mustern – und andersherum. Freunde? Zumindest die beiden Fahrer sind es. Die Autos sind dagegen Brüder aus derselben Familie – da fetzt es schon mal…

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Rock ‘n´ Roll-Cockpit. Kunstleder, Metall und Elfenbein – mehr brauchte es in den 50ern nicht zum kommoden Cruisen

 

Erst recht bei der Namensgebung. Die Ford Motor Company nannte in den automobilen Goldgräberzeiten ihre top ausgestatteten Full-Size-Limousinen zwischen 1954 und 1961 „Fairlane“ und lösten damit die „Crestline“ ab. Der Name war eine Anspielung auf Henry Fords Anwesen Fair Lane in Michigan. Der Hauptkonkurrent zum sehr erfolgreichen Chevrolet Bel Air (das ist dieser chromschwangere, heute unbezahlbare Traum eines jeden Surfers zwischen San Francisco und San Diego) brachte eine Menge erschwinglichen Zeitgeist wie eine Panoramascheibe, Heckflossen und Zweifarbenlackierung auf die Straße. Besonders markantes Markenzeichen war der geschwungene „Fairlane-Streifen“ an den Seiten entlang der Gürtellinie, der wie diverse andere Details unüblicherweise komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt war.
Der Fairlane wurde von Anfang an mit Sechszylinder-Reihen- sowie V8-Motoren angeboten, Hubraum zwischen 3,7 und 5,8 Litern. Damit bediente Ford so ziemlich jeden Kunden, und hatte er auch noch so merkwürdige Wünsche. Der ständige, fast jährliche Wechsel von Namen und Modellbezeichnungen war allerdings hirnverbiegend. Für die Geschichtsbücher: Ab 1957 wurde das eigentliche Spitzenmodell Fairlane deklassiert, die Top-Ausstattung hieß von nun an Fairlane 500. Das ging so bis 1959, dann wurde das bestausgestattete Fairlane-Modell zum Galaxie. Ab 1961 hießen dann auch die mittleren Ausstattungslinien Galaxie, und der Name Fairlane fand eine neue Verwendung in Fords Mittelklasse. Alles mitgeschrieben?

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Klare Ansage mit markantem Gesicht: Der Galaxie Fairlane spiegelt anders als Cadillac oder Chevrolet den Zeitgeist dezent wider

Björn Dahlheimer will genau dieses Modell haben und kauft es 2012 nach kurzer Begutachtung bei einem Händler. Die 300 Kilometer bis nach Hause legen die beiden ohne Probleme auf eigener Achse zurück. Ein guter Start in eine aufregende Mensch-Maschine-Liebesbeziehung, möchte man meinen – wenn da nicht diese generelle Eifersucht alter Autos dem weiblichen Geschlecht gegenüber wäre. Man kennt das ja noch aus Stephen King‘s „Christine“… (das war allerdings ein Plymouth Fury).

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