Terra di Motori

Italo Superhits

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Ferraris Wildpferde, Lamborghinis Stiere oder Maseratis Dreizack – zwischen Piacenza und Rimini in der Region Emilia Romagna schlummern neben kulinarischen Verführungen die Legenden der italienischen Motorenbaukunst

Die Erzählungen über „Don Camillo und Peppone“ spiegelten nach dem Zweiten Weltkrieg das ländliche Leben in Norditalien und die Aufbruchstimmung in Zeiten des kalten Krieges wider – und wurden nicht ohne Grund hier, nördlich der Region Parma, verfilmt. So stellt sich der noch nie Hiergewesene Italien klassisch vor: große, bestellte Felder, Zypressen, Fabriken. Kleine verfallene Gebäude, üppig grünende Lambrusco Weinreben und herzliche Menschen. In den Ebenen rund um den Fluss Po und den Städten Bologna, Parma und Modena liegen darüber hinaus Geschichten versteckt, die das Herz eines jeden Autonarren höher schlagen und das benzingetränkte Blut schneller pulsieren lassen.

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In Sant‘ Agata Bolognese kommt man schnell an den Produktionshallen von Lamborghini vorbei, also wird das Land auf dem Fahrersitz eines aktuellen Boliden erkundet. Flüchtig betrachtet ist ein Lamborghini (sprechen Sie das bitte niemals „Lambordschini“ aus, sprechen Sie das gh so, wie es ist) nur ein Auto, mit einem Lenkrad, einem Gaspedal und einer Bremse. Wer allerdings so denkt, ist in einem Fiat Doblò besser aufgehoben…

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Die Fertigungsstrecke des Aventador – nicht der übelste Arbeitsplatz

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Achsmontage. Zupacken, wenn es eng wird.

Das Werk öffnet seine heiligen Hallen und zeigt den Besuchern die Geburtsstätten der Supersportwagen. Rohkarossen, Achsen, Motoren. Nebenan bunte Lederstücke wie auf einer Kleiderstange bei C&A. Lamborghini spendiert zu seinem 50-jährigen Bestehen einen Ritt auf den Kampfstieren durch das Land der Motoren. Emotionen aus Blech, Carbon und Leder, im Nacken ein zorniger Zwölfzylinder und über uns der blaue Himmel Italiens.

Klimaanlage, Assistenzsysteme und Radio aus, Fenster runter und ab dafür. Die Augen beginnen sich zu weiten, das Herz auch. Pulsschlag in Orange, Schwarz und Weiß, Kribbeln im Körper schon ab 80 km/h im zweiten Gang und automobile Erkenntnisse mit und ohne Dach. Die brüllenden Fahrmaschinen heißen Gallardo, Superleggera, Spider und Aventador. Sie sind alle für einen normal Sterblichen nicht zu bezahlen, weder in der Anschaffung noch im Unterhalt – aber nach wenigen Metern wird klar, warum die Produktion trotzdem komplett ausverkauft oder vorbestellt ist. Spätestens wenn sich die Scherentüren des 700 PS starken Aventador geschlossen haben und der etwas angespannte Blick auf das Tachodisplay gerichtet wird, sitzt man wie im PowerTower auf der Kirmes und wartet auf den freien Fall. Der kommt nach dem Drücken des Startknopfes, dem Einlegen des ersten Ganges über die Schaltwippen und dem Durchtreten des Gaspedals. Himmel und Hölle..

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