The Face

100 Jahre Aston Martin

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TRÄUME WAGEN feierte mit der feinen englischen Sportwagenmarke von Italien bis London und in Pebble Beach

Es ist wohl der schönste Grill in der Sportwagenwelt. Im oberen Teil S-förmig, wie geöffnete Lippen, immer hungrig, manchmal leicht lächelnd, stets stilvoll. Aber nie arrogant, überheblich, herablassend. Er gehört zu einer der ältesten unabhängigen Automarken der Welt: Aston Martin. 1913 gegründet, heute so gesund wie nie zuvor, was nicht viel heißen muss, weil sie den größten Teil ihrer Existenz immer wieder vor diversen Insolvenzen stand. Und trotzdem immer respektiert wurde – wegen ihres Lebenswillens, ihres Stils, ihres Designs. Und ihrer Aura.

Am Hauptjubiläumstag in London mit Mark Gauntlett ein Gespräch darüber zu führen, ist eine echte Aufgabe. Der Brite – Chef der Aston-Martin-Abteilung Experience & Heritage Communications sowie Vermögensverwalter beim Aston Martin Heritage Trust und Sohn des ehemaligen Aston-Martin-Eigners Victor Gauntlett – wird immer wieder begrüßt und beglückwünscht für die Wahnsinnsausstellung in Kensington Gardens mitten in London: 101 verschiedene Aston Martin von Baujahr 1922 bis 2013, dazu 23 der berühmtesten Rennwagen der Marke, plus eine Handvoll One-Offs sowie die wichtigsten Bond-Cars. Auf dem großen Parkplatz daneben sammeln sich rund 700 Aston Martin, gefahren von ein paar der insgesamt 50.000 Besuchern des 100. Geburtstages der englischen Sportwagenfirma: „Das ist wirklich unglaublich,“ schüttelt Gauntlett den Kopf, „und der Tag ist leider viel zu kurz, um mit allen aus der Familie zu sprechen.“

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Ob unter- oder überirdisch: So ein DB9 Volante macht überall eine gute Figur

 

Mit Familie meint er nicht seine eigene, sondern die große: alle Aston-Martin-Eigner, -Fans, Freunde. Denn im Vergleich zu anderen Marken ist diese Familie recht übersichtlich: In 100 Jahren hat Aston Martin 65.000 Autos gebaut, davon 50.000 alleine in den vergangenen 13 Jahren. Was mit „Familie“ gemeint ist, erfahren wir auf der „Rallye to London“: AM-Deutschland-Geschäftsführer Jeffrey Scott hat eine besondere Tour ins Leben gerufen, damit die europäischen Fans der Marke nicht nur das Wochenende in London genießen, sondern schon die Fahrt dorthin nicht mehr vergessen. 50 Eigner von Aston-Martin-Modellen starten vom Comer See in Italien zu einer 1600 Kilometer langen Fahrt kreuz und quer durch Europa, um im Laufe der Tour weitere Fans mit Autos aufzusammeln und dann mit insgesamt 100 Wagen drei Eurotunnel-Züge zu entern, um in London einzufallen.

Aston im Konvoi

Für uns hat die Company einen DB9 Volante reserviert – der mit V12 und 517 PS gut gerüstet ist, um lautstark durch die Tunnel rund um den Comer See zu donnern, die Schweiz entspannt zu durchqueren, in Deutschland dem Fahrer auf der Autobahn mit knapp 270 km/h den Kopf zu massieren, um dann die Weinstraße, die Eifel und die Ardennen zu putzen. Durch den Eurotunnel erreichten wir dann London – Geburts- und Haupt-Feierort des Sportwagenherstellers.

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Aston Martin in Pebble Beach: Auch die Amerikaner wissen, was sie an der kleinen englischen Marke haben

 

Dort wartet Mark Gauntlett, der natürlich gerade wieder Hände schüttelt und Fragen beantwortet. Zum Beispiel die, wie lange die Firma, der Heritage Trust und der Aston Martin Owners Club gebraucht haben, um die phantastische Sammlung an diesem Tage zusammenzustellen (mehr als eineinhalb Jahre), von wo der am weitesten gereiste Wagen her kommt (Japan) und welches Auto am schwierigsten zu besorgen war: „Das ist wohl der Clover Leaf von 1924, der im Mai desselben Jahres den Aston Hill Climb mitgefahren ist. Der kommt gerade von einer Restauration, vorher stand er 30 Jahre lang in einer Scheune. Wir haben insgesamt 20 Jahre lang versucht, die Besitzerin zu überzeugen, den Wagen zu restaurieren und auszustellen. Erst jetzt hat es geklappt.“

Mit Akribie haben die Verantwortlichen die Meilensteine der Historie zusammengesammelt – allerdings fehlt die Nummer 1. Der erste Aston-Martin, damals noch mit Bindestrich geschrieben. Der „Coal Scuttle“ von 1915 hat die damaligen Test-Torturen am Aston Hill (siehe Kasten Historie) nicht überlebt. Das älteste überlebende Stück ist einer von drei 1922 gebauten A3. Nach einer Odyssee durch viele Hände ersteigerte der Aston Martin Heritage Trust das Stück im Jahr 2002.

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