Voll vernünftig

50 Jahre Ford Taunus P5

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Vor 50 Jahren kam der Ford P5 auf den Markt, mit dem die Kölner die „Linie der Vernunft“ fortführten und in der Mittelklasse endlich Dauerrivale Opel überholen konnten. TRÄUME WAGEN schnappte sich einen restaurierten 20M-TS und genoss den Luxus der 60er Jahre

Es muss schon eine sonderliche Abordnung gewesen sein, die Ende November 1964 ausgerechnet in das automobilistisch nicht gerade interessante Süd-Schweden reiste: hauptsächlich Ingenieure und Mechaniker, aber alle von Ford. Grund: Kurz nach Serienanlauf des neuen Ford P5, den es als 17M mit Vierzylinder- und als 20M mit Sechszylindermotor gab, häuften sich die ersten Kundenbeschwerden aus Deutschland und allen Exportländern aufgrund von Dichtungsproblemen in den Zylinderköpfen bei den V6. Nur aus Süd-Schweden kam nicht eine negative Meldung.

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In den 60er Jahren war noch vieles filigran: fein geformter Schaltknüppel, glänzende
Heizung und Lüftung, ein großes Fach für viele Handschuhe und Ausstellfenster hinten

 

Leider ist nicht überliefert, ob sich die Kölner Kundendienst-Experten nach der Reise schämten. Denn was sie herausfanden, war höchst ernüchternd: Das kleine südschwedische Gebiet wurde dominiert von einem Mechaniker, der alle Autos seines Landesteils betreute. Und der hatte sich – als einziger – nicht an die vom Werk vorgegebenen Werte zum Anziehen der Zylinderkopfschrauben gehalten, sondern sich auf sein Gefühl verlassen. Da Gefühl nicht gelehrt werden kann, änderte Ford kurz darauf Details am Zylinderblock. Und siehe: Ruhe war.

Diese Anekdote ist aber auch die einzige Geburtswehe, die den P5 begleitet. Denn die zweite „Linie der Vernunft“, wie Ford seine neue Mittelklasse nach dem P3 immer noch nannte, war eigentlich gut durchdacht. Als der US-Verbraucheranwalt Ralph Nader in seinem Buch „Unsafe at any speed“ Heckmotorwagen wie Chevrolet Corvair anprangerte, sah sich der (nicht betroffene) Ford-Vorstand im Herbst 1962 veranlasst, einer 
kompletten Neuentwicklung grünes Licht zu geben: Projektnummer 5 sollte zwar mit den weiterentwickelten und bislang zuverlässigen V-Motoren ausgerüstet werden, aber hauptsächlich alle modernen Komfort- und Sicherheitsfeatures besitzen. Und mehr Blech, um sich deutlicher vom 12M abzugrenzen. Flugs erhielt das P5-Vierzylinderprojekt den Namen „Hummer“, der Sechszylinder sollte auf „Languste“ hören. Tatsächlich unterschieden sie sich technisch nur in den Motoren – Fahrwerk, Rohkarosse etc. waren identisch. Dass der 20M etwas mehr Chromapplikationen außen abbekommen sollte, war da nur verständlich.

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