Volvo P1800

Simon Templars Sportwagen

Britisches Elend
Und das ist heute noch immer oder schon wieder so aufregend wie damals. Die dezent chromverzierte Linie des Zweisitzers mit schmaler Notsitzbank lässt den Wunsch aufkommen, sich das Ding in die Vitrine zu stellen. Ein bisschen Ferrari, ein bisschen Heckflossen-Coupé und alles andere als eckig und kantig – im Frühjahr 1960 fegte der P1800 alle anderen Fahrzeuge auf der New York Auto Show und dem Brüsseler Salon aus den Hallen. Die Presse war geplättet, und schon kam das erste Problem auf die Schweden zu: Die Fertigung des Sportwagens gestaltete sich komplizierter als erwartet, und es fehlten die Kapazitäten im Land der Nadelbäume und der Elche. Nach zähem Hin und Her gesellte man die Insel zum Italo-Schweden-Gespann dazu und ließ die Blechteile vom schottischen Konzern Pressed Steel anfertigen. Per Bahn wurden sie anschließend zu Jensen Motors ins englische West Bromwich gebracht, wo die Fahrzeuge zusammengebaut wurden. Das war ein Fehler: Die Qualität ausgerechnet der ersten 250 Exemplare (für die Presse und ausgewählte Erstkunden) war so katastrophal, dass die Neuwagen im heimischen Volvo-Werk in Göteborg unter großem Aufwand nachgebessert werden mussten. Und lernfähig war man anscheinend bei den Linksfahrern damals auch nicht: Selbst ein vor Ort installiertes Team aus schwedischen Ingenieuren konnte die Endmontage bei Jensen nicht dahingehend in den Griff bekommen, dass man in Göteborg zufrieden war. Volvo zog die Notleine und verlagerte schon 1963 die Montage des P1800 ins schwedische Volvo Werk Lundby. Von da an ging’s voran, und der junge Karl Gustav, damals noch nicht König von Schweden, nannte als 18-jähriger eben so einen P1800 sein allererstes Auto.

Han går snabbt förbi: Der alte Schwede geht auch für heutige Maßstäbe echt gut ab

Vollgas, doppelt beatmet
Bei uns geht es nicht sofort voran, der Motor bockt ein bisschen und will nicht so richtig anspringen. Erst als ein undichter Spritschlauch gefunden und durch einen neuen ersetzt ist, brüllt der Vierzylinder mit den beiden seitlich hängenden Vergasern seinen Blues in die Abendluft. Im Cockpit begeistern fast so viele runde Uhren wie in einem Porsche, die Kupplung erfordert eine Menge Kraft im linken Bein und der kurze Schaltknüppel will mit geschultem Tennisarm in seine Position gedrückt werden. Der Volvo fährt sich, wie sich eben so ein Auto aus den 60ern fährt. Für alles ist ein bisschen mehr Kraft als gewohnt nötig, das Lenkrad liegt dünn und hart in der Hand und sowohl der Motor, das Fahrwerk und ab 60 km/h auch der Wind machen einem klar, dass sie da sind. Na gut, jemand hat mal beschlossen, dass ein Sportwagen keinen Komfort haben darf, und das gelingt dem P1800 ganz gut. Er wiegt nicht viel, geht gut los, und wenn man nicht gerade nach hinten gucken muss, stört auch die Unübersichtlichkeit der hohen Gürtellinie nicht. Die Fans mochten ihn. Die Auftragsbücher waren voll.

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