Volvo P1800

Simon Templars Sportwagen

Sprechen Sie Schwedisch? Wenn nicht – einfach mal dran ziehen und gucken was passiert

Der Dienstwagen
von Simon Templar
Ruhm und Ehre sowie eine beispiellose (und kostenlose) Werbekampagne bekam der Volvo durch die ITC-Krimiserie „The Saint“. Haudegen Simon Templar, gespielt von Frauenheld Roger Moore, sollte eigentlich einen urbritischen Jaguar E-Type unter den Po geschneidert bekommen. Bei Jaguar reagierte man allerdings dermaßen glattgelutscht, dass die Produktionsfirma lieber bei Volvo anrief und eine Woche später einen weißen P1800 am Set stehen hatte. Den fuhr Herr Moore dann höchst werbewirksam über 118 Folgen und sieben Jahre durchs Fernsehen. Tja. Da haben’s die Briten gleich noch ein zweites Mal verzockt.

Schneewittchens Sarg
Ab 1971 holte Chefdesigner Jan Wilsgaard noch einmal zum Sahnehäubchen aus und schneiderte dem Coupé ein sportliches Kombiheck. Die Karosserievariante „Shooting Brake“ war seinerzeit besonders angesagt bei Briten und Amerikanern, die endlich ihre Golfausrüstung ins Sportcoupé hineinbekamen. Um dem Kombi die optische Masse zu nehmen, bekam er große Fensterflächen – und den Beinamen „Schneewittchensarg“. Der P1800 ES schob die Verkaufszahlen noch einmal ordentlich an, doch als für den nordamerikanischen Markt ab 1974 neue Sicherheitsrichtlinien angekündigt wurden (unter anderem dicke, in vorgeschriebener Höhe angebrachte Stoßstangen), beschloss man in Schweden das Aus für den sportlichen Volvo. Im Juni 1972 verließ der letzte Wagen der schon im Voraus komplett ausverkauften letzten Auflage das Werk. Insgesamt wurden 39.414 Volvo P1800 gebaut.

Alter Schwede
Ein schwedischer Designer mit italienischem Einfluss, schottische, englische und schwedische Produktionsstätten und eine Menge Fans in den USA – es ist ein wahrhaft internationaler Klassiker, mit dem wir da durch die Ebene zwischen Münster und Osnabrück röhren. Er macht Spaß, er ist technisch unkompliziert, er ist im Vergleich zu anderen Design-Ikonen durchaus bezahlbar und bei ausreichender Pflege sogar im Alltag relativ preiswert zu bewegen. Man muss nur damit klarkommen, dass einen alle paar Meter wildfremde Menschen freundlich ansprechen, winken oder begeistert die Augen aufreißen. Der Volvo P 1800 ist eines dieser wenigen Autos, die man wohl quer durch alle Meinungen als „Guten Wurf“ bezeichnen kann. Und heute verzeihen wir ihm seine damaligen Macken, seinen altbackenen Motor und seine schwergängige Pedalerie. Im Zeitalter von autonomem Fahren und automobiler Vollvernetzung ist das gelebte Entschleunigung und Väterchens Fitness in einem so sagenhaft schönen Kleid, dass schon mal der Atem stockt.
Dann also schnell „FLÄKT“ anmachen. Geht doch.

Übrigens: Dem Umstand, das Templars Initialen ST auch als The Saint gelesen werden können, verdankt die Serie ihr Markenzeichen: ein Strichmännchen mit einem Heiligenschein.

Technische Daten

Baujahr: 1968
Motor: Vierzylinder Reihe
Hubraum: 1.986 cm3
Leistung: 77 kW (105 PS)
Max. Drehmoment: 157 Nm
Getriebe: Viergang-Handschalter
Antrieb: Vorderräder
Länge/Breite/Höhe: 4.350/1.700/1.280 mm
Leergewicht: 1.130 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 11,9 s
Top-Speed: 180 km/h
Wert: ca 16.000 Euro

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