Wagners wunderbare Welten

Völlig ohne Computer setzt der Grafikdesigner Horst Wagner hyperrealistisch gezeichnete Oldtimer in jede Umgebung – je nach Wunsch vom Palais Schaumburg bis zur Rückseite des Mars. Er schafft das mit perfekter Airbrushtechnik

Horst Wagner - Graphic Car Art

Es scheint, als hätten die Besitzer den Thunderbird für ein Segelboot links liegen lassen. Sind einfach abgedüst. Unglaublich – wenn es wirklich so war.

War es aber nicht. Denn die Szene hat sich jemand ausgedacht – auch wenn sie völlig fotorealistisch wirkt. Der Künstler heißt Horst Wagner, Grafikdesigner und Autoliebhaber aus Lengerich. Das Besondere an seinen Werken: Er nutzt keinen Computer, sondern komponiert, zeichnet, überträgt, maskiert und brusht per Hand.

Wagner wurde 1944 in Schlesien geboren. Nach der Hauptschule lernte er Schriftsetzer und studierte 1964 Grafik-Design an der Werkkunstschule Münster (heute Fachhochschule für Gestaltung). Da fuhr der Student einen herunter gerittenen “Weltkugel”-Ford 12M (“Den hatte ich für 250 Mark aus der hintersten Ecke des örtlichen Händlers gekauft”). 1968 ließ er sich in Lengerich/Westfalen als Grafik-De-signer und Illustrator nieder, nicht ohne dem Charme eines Borgward Isabella Coupé zu erliegen. “Ich habe schon immer gern gezeichnet,” erinnert sich Wagner, “und Autos gehörten stets zu den Lieblingsmotiven.”

 Horst Wagner

Horst Wagner

Dabei haben es ihm die Lehrer der Kunstschule nicht leicht gemacht: “Weltliche Dinge wie Autos, Flugzeuge oder Gebrauchsgegenstände waren eigentlich nicht gerne gesehen als Vorlage,” sagt Wagner, “es galt eher, Frakturschriften zu erlernen oder gotische Dom-Elemente zu zeichnen.” Aber er ließ sich nicht verbiegen – als Examensarbeit lieferte er unter anderem ein Plakat zur Rallye Monte Carlo ab. Sein Geld verdiente Wagner danach hauptsächlich als angestellter Grafik-Designer für Verpackungen. 1986 machte er sich selbstständig, blieb der Branche aber treu: “Der Verpackungsbereich ist ein enorm interessantes und vielseitiges Metier, das sich über vielfältige Materialien, nahezu alle Drucktechniken und über alle Märkte erstreckt.”

Seine Art, heute zum Spaß unter dem Label “Graphic-Car-Art” hyperrealistische Autobilder zu kreieren, ist eine Folge von Aufträgen für Illustrationen im Düngemittelsektor für den französischen Markt. “Dafür musste ich meine Airbrush-Technik perfektionieren, und diese habe ich dann auf meine Auto-Motive übertragen.”

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