Wüste Fahrerei

Rallye Peking-Paris: 12.000 Kilometer in 33 Tagen …

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… und dazwischen die unwirtlichste Wüste der Welt: Die Rallye Peking-Paris gilt 
als die härteste Oldtimerrallye. Die Bremer Peter Zernial und Udo Fink nahmen die Strapazen in einem MG TC von 1948 in Kauf

Der Staub ist noch nicht ganz aus Udo Fink’s Poren verschwunden, da weiß er schon: „In drei Jahren fahre ich wieder mit.“ Dabei hat er soeben fast einen Monat lang Sand zwischen den Zähnen gehabt, auf harten Böden in winzigen Zelten übernachtet, in provisorischen Gruben vollständige Autoinspektionen durchgeführt, die Kiste aus dem Schlamm gezogen, den Körper nicht rühren können wegen der Enge im Auto, den Horizont nicht mehr gesehen aufgrund von endlosen Rüttelstrecken. Fink’s Fazit: „Der Hammer!“

Was den Bremer Berufsschrauber mit eigener Werkstatt so von den Socken haut, ist die wohl härteste Oldtimerrallye der Welt: Alle drei Jahre veranstaltet die „Endurance Rally Association“ die ultimative Klassiker-Tour von Peking nach Paris. Das bedeutet: 12.000 Kilometer ohne unfreiwillige Umwege, nur 33 Tage Zeit, Stress durch Verfahren, zu wenig Schlaf, zu viel Druck. „Aber auch: fantastische Landschaften, fantastische Menschen, interessante Begegnungen und ständig neue Eindrücke,“ ergänzt Fink.

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Dr. Peter Zernial

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Udo Fink

Der Initiator des Trips war der Zahnarzt Dr. Peter Zernial aus Bremen, der die Rallye dringend einmal mitfahren wollte. Der MG-Fan hatte auch das richtige Auto: einen MG TC von 1948 – weil die Konstruktion noch vor dem Krieg erdacht wurde, meldete er sein Auto für die Klasse der Vorkriegswagen. Aber er brauchte dringend jemanden, der den Wagen für die Tortur vorbereitet und als Mechaniker mitfährt: Udo Fink. Denn der kann zur größten Not selbst aus Steppengras noch eine Benzinleitung basteln. Oder so ähnlich…

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Wer das Auto nicht kennt, sollte sich ein paar Eckdaten vergegenwärtigen: 3,5 Meter lang, ganze 1,4 Meter breit und nur in der vorbereiteten Reise-Version 55 PS stark. Das war selbst den Organisatoren zunächst zu klein und zu mager: Sie forderten einen handfesten Beweis, dass Mensch und Maschine mit fiesem Wetter, hartem Geläuf und Ruhemangel bei so einer Marathon-Rallye umgehen können. Funk und Zernial meldeten sich bei der Rallye „Flying Scottsman“ – eine drei Tage lang dauernde, 1.200 Kilometer lange Schlammschlacht. Letztlich waren die Veranstalter überzeugt, mit Zernial und Fink gestandene Männer mitzunehmen: Die beiden Bremer wurden auf der Insel respektable 58. von 120 Startern, immerhin rund 40 wesentlich größere und stärkere Autos und erfahrenere Mannschaften fielen aus.

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