Wüste Karre

Tomcar-Driving in Scottsdale

Der widerstandsfähigste Offroader aller Zeiten stammt aus Israel? Der Hersteller Tomcar behauptet das jedenfalls. TRÄUME WAGEN probierte es aus und scheuchte so einen Zwitter aus ATV und Buggy durch die Wüste bei Scottsdale in Arizona

Anywhere and back“ ist schon eine ziemlich vollmundige Ankündigung des Herstellers, wenn es darum geht, die Einsatzmöglichkeiten ihres „Tomcar“ anzupreisen. Man könnte es 
weniger vornehm auch anders übersetzen: das Vehikel für den Arsch der Welt. Was natürlich als Kompliment gemeint wäre.

Tomcar? Zugegeben, bei uns sind Produkte von BRP oder Yamaha eher bekannt, wenn es darum geht, zwei Personen in so rustikalen wie bereiften Käfigen durch die zerfurchtesten Areale der Welt zu transportieren. Das liegt wohl daran, dass in Deutschland die wildesten Gelände nur knapp wilder sind als eine vom Frost aufgebrochene Landstraße der dritten Kategorie. Nein, ein Tomcar ist kein ATV, überdachtes Quad, Buggy oder Auto, sondern alles in einem. Also eine ganze Menge für rund 20.000,- Dollar.

Auch wenn wir in unseren heimischen Gefilden so etwas nicht wirklich brauchen, geschweige denn benutzen können und deswegen auch nicht viel Spaß damit hätten – woanders auf der Welt ist das wirklich notwendig. Und zwar da, wo es tatsächlich wild zugeht. Zum Beispiel im Mittelmeerraum rund um Israel. Weshalb das Tomcar auch dort erfunden wurde, natürlich zuerst für das Militär.

Wenn die Zeiten gerade mal nicht so heiß sind, lässt sich das in Australien gebaute Vehikel selbstverständlich vortrefflich zivilisieren für die Abenteurer dieser Welt. So wühlt es sich zur Freude aller autophilen Outdoor-Fans vorrangig durch die Wüsten der Erde, auch der Sonora-Wüste in Arizona. Dank dem Freizeit-Spezialisten „Green Zebra Adventures“: Startpunkt jeder Tour ist Fort McDowell bei Scottsdale.

Auch wenn Tomcar fast eine ganze Palette an Tomcars anbietet, gibt’s beim Grünen Zebra für Gäste nur die zweisitzige Variante namens TM2. Und zwar als Benziner: 52 PS stark, reiner Hinterradantrieb, keine drei Meter lang, 205 Zentimeter Radstand, 692 Kilo leicht, Zuladung 182 Kilo, und mit einer Cargo-Box-Größe von 1,22 x 0,66 Meter sogar ein kleiner Lastesel. Es gibt ihn auch mit 1,4-Liter-Vierzylinder-Diesel, der 56 PS leistet, aber der ist grad nicht vorrätig. Wenn die Zebraisten mit einer ganzen Horde von Touristen durch den Sand toben, nehmen sie den TM4 als Leittier und Lumpensammler, falls doch mal ein TM2 liegen bleibt. Logisch, der TM4 hat vier Sitzplätze und eine größere Ladefläche. Und dann gibt es noch den TM5, der – namenstechnisch unlogisch – ein Zweisitzer mit großer Pritsche ist, der je nach Motor 454 bis 545 Kilo schleppen kann.

Das Tuch gibts gratis zur Tour:  Im Gegensatz zum Menschen ist die Technik des Tomcar dem Staub gnadenlos ausgesetzt.  Aber Instrumente, Schaltung und Pedalerie sind rustikal ausgeführt

Nun aber los – die Einweisung ist denkbar kurz: ungefederte oder -gepolsterte Schalensitze, Vierpunktgurt, Gas, Bremse. Den kleinen Hebel für das Sperrdifferenzial sollen wir gar nicht anfassen, die Gangwahl beschränkt sich auf vorwärts high, vorwärts low, neutral und rückwärts. Ein paar Schalter, vier Instrumente und einige versandete Ablagen – mehr bietet das puristische Interieur nicht. Mit Schlüssel wird gestartet, fertig. Aufgrund der heftigen Sonne bleibt das Dach drauf, Frischluft erwarten wir trotzdem genug, denn es existiert nicht eine einzige Scheibe.

Leicht knatternd und rumpelnd wie ein alter Laster setzt sich so ein Tomcar in Bewegung, vielleicht sind fabrikneue Exemplare etwas fester. Egal, die fetten Reifen Typ „GBC Dirt Tamer A/T“ (26×12.00-12 hinten und 25×8.00-12 vorne) graben sich in den Schotter, spitze Steine und grobe Felsen sind kein Problem, ein Federweg von rund 33 Zentimetern tut ein Übriges. Gut, dass man dank Fliehkraftkupplung nicht schalten muss, denn die Hände gehören ans Lenkrad. Die Lenkung ist mit 1,6 Umdrehungen von Anschlag bis Anschlag ausgesprochen direkt, sehr hilfreich beim genauen Umkurven von Engpässen oder fiesen Hindernissen.

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