Zu geil für diese Welt

The Vintage Luggage Trophy

Es gibt ja schon merkwürdige Veranstaltungen in Sachen Automobil in Deutschland, aber die Mixtur der „The Vintage Luggage Trophy“ ist wohl einmalig – eine Karawane vom seltenen Klassiker bis zum modernen Supersportwagen zieht im Frühjahr von Hamburg über Dänemark nach Sylt. Die klaren Ziele der Insassen: wohlfühlen, relaxen und zeigen, was man hat

Es gibt schon wieder Champagner. Aber, ganz ehrlich: Man kann sich daran gewöhnen. Das Zeug schmeckt nicht nur, sondern es belebt auch Geist und Körper. Und ein Schlückchen in Ehren geht immer – solange es denn bei einem bleibt, zumindest für den Fahrer. Und man kann auch immer zwischendurch ganz exquisites Essen zu sich nehmen. Zum Beispiel Spargeleis. Oder Hummerschaum. Oder Bohrmaschinen-Karamell. Eisenkrautfumet und Mairitterlinge. „Das hier ist eine Kaffeefahrt auf ganz oberstem Niveau“, sagt ein Teilnehmer, der gerne so inkognito bleiben will wie alle anderen auch. Der Mann hat recht – auch wenn er das Getränk verwechselt.

Start am Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg: Da staunt nicht nur der Straßenkehrer, was es alles für Autos gibt. Im Konvoi geht es dann durch Schleswig-Holstein teils auf Landstraßen nach Dänemark

 

Denn das „oberste Niveau“ bezieht sich nicht nur auf die Köstlichkeiten von Sterne-Köchen, Top-Caterern oder der Feinschmecker-Abteilung des Hamburger Alsterhauses, sondern auch auf die Autos. Und was die Teilnehmer der „The Vintage Luggage Trophy“, die ein erkleckliches Sümmchen für die Tour d’Elegance hinlegen müssen, so mitbringen, ist aller Blicke wert: zum Beispiel ein Monica 560 – ein extrem rarer französischer, viertüriger Sportwagen, von dem nach rund 25 Prototypen zwischen 1973 und 1975 nur etwa zehn Serienmodelle entstanden. Der Versuch eines eigenen Sportwagens stammte vom französischen Industriellen Jean Tastevin, der eigentlich Eisenbahnwaggons herstellte. Die Monica 560 – benannt nach Tastevins Ehegattin und dem 5,6-Liter Chrysler-V8 mit 285 PS – verschwand aber bald darauf aufgrund der Ölkrise und der starken Konkurrenz arrivierter Hersteller.

Zwischenstopp bei einer Reederei für Häppchen und Champagner: ein buntes Allerlei an Automarken gibt sich ein Stelldichein. Danach wird auf Römö gedriftet und die Fähre nach Sylt benutzt

 

Nicht minder interessant die Teilnahme des laut Besitzers einzigen in Deutschland angemeldeten Koenigsegg CCCX, der 1.018 PS dank des mächtigen, aufgeladenen Ford-V8 leisten soll. Genau wie Tastevin träumte auch der Schwede Christian von Koenigsegg schon immer von einem eigenen Sportwagen, doch der Skandinavier ist damit erfolgreicher: Vor kurzem feierte er in seiner Fabrik in Ängelholm den einhundertsten verkauften Super-Schweden.

Noch ein paar Beispiele: Es fahren zwei 4,5-Liter-Cricklewood-Bentley mit, also Vorkriegsmodelle, mit dabei sogar die Nummer 17 vom nur 55 Mal gebauten Blower mit Kompressor. Dessen stolzer Eigner hat hinten einen Kindersitz montiert, schließlich soll das Töchterchen auch noch etwas von der Ausfahrt haben. Und ein McLaren-Mercedes SLR „Stirling Moss“, der nur 75 Mal gefertigten Last Edition der deutsch-englischen Fahrmaschine. Ganze 30 sollen in Deutschland angemeldet sein, auf der Straße sieht man so gut wie nie einen.

Noch nicht exotisch genug? Dann hier noch ein paar Argumente: Aston Martin DB4, Bentley Mulsanne, Morgan 4/4, Ferrari 458 Spyder, Jaguar E-Type, Maserati GranCabrio, Mercedes 190 SL, McLaren MP4-12C, Rolls-Royce Ghost, Rolls-Royce Corniche III, Mercedes 300 SL als Roadster und Coupé, Maybach 57S und eine Armada von Bentley Continental als GT, GTC, Supersports, GTC SS ISR (die sportlich abgespeckte, offene und auf 100 Exemplare limitierte Juha-Kankkunen-Eisrekord-Gedächtnisversion mit 640 PS). Kein Wunder – Bentley sponsort den Altgepäck-Konvoi.

Slalomparcours auf einem gesperrten Parkplatz: Aston Martin DB4 und Mercedes 300 SL beim fröhlichen Umrunden von Pylonen

 

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