Im Rausch der Beschleunigung

Qualmende Reifen, brüllende Motoren

…und ein bunt leuchtender Christmas Tree – hinterm Deich bei Wilhelmshaven war wieder Jade-Race

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Eigentlich starten hier Flieger und Hubschrauber, doch vom 17. bis zum 19. Juli beherrschten PS-strotzende Dragracer das Flugfeld des Jade-Weser Airports in Mariensiel. Drei Tage lang drehte sich alles um die 1.459 Meter lange, kaum mehr als 600 Meter hinter der Deichkrone gelegene  Asphaltpiste, auf der mehr als hundertfünfzig Viertelmeilenrennen ausgetragen wurden. Mit Auslauf versteht sich. Denn in den oberen Klassen haben die leistungsstärksten Öfen beim Durchfahren der exakt 402,34 Meter vom Start entfernten Ziellinie schon mal bis zu 300 Sachen drauf.

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Klar, das für derartige Beschleunigungsorgien nur allerstärkste Motoren zum Einsatz kommen. Um die gewünschte Maximal-Leistung aus einem Aggregat herauszukitzeln, versucht jedes Team seine eigenen Trümpfe auszuspielen. Entsprechend ringen vom Hubraum-Monster über Turbo-befeuerte und Kompressor-geladene Vier- und Sechzylinder bis hin zum Wankel unterschiedlichste Konzepte darum, die entscheidenden Zentimeter vorne zu liegen. Die stärksten Dragster kratzen an der 2000 PS Marke!

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Um das zu erreichen, verbrennen die weitestgehend in Eigenarbeit gebauten Rennboliden neben Benzin so ziemlich alles, was zusätzliche Leistung verspricht: Ein wabernder Dunst, in dem sich die Gerüche von verbranntem Pneu, Benzin, Lachgas und verschiedensten Nitro-Spezialmischungen mischten, lag das ganze Wochenende über dem Gelände.

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Daran freilich störte sich niemand. Im Gegenteil: Hauptsache, möglichst schnell über die Distanz zu kommen. Und dabei zählt neben der Motorleistung vor allem eine möglichst schnelle Reaktion. Denn nach dem Burnout, der dem Aufwärmen der Reifen dient, und dem Staging, bei dem die Wagen ihre Startposition einnehmen, gilt es in der Startsequenz, innerhalb einer Fünfzehntel Sekunde vom Fleck zu kommen. Die erste Zwischenzeitmessung erfolgt nach etwa 18 Metern (60 Fuß). Profis erreichen diesen Punkt in weniger als einer Sekunde und knallen dann bereits über 100 Sachen über die Piste.

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Außerdem wichtig: Möglichst viel Grip. Und dafür sorgt hier beim nunmehr sechsten Jade-Race ein eigens gebauter Gegenläufer, der bei der Präparation der Piste für reichlichen Auftrag von Gummi sorgt. Überhaupt: Die Veranstaltung ist inzwischen zur festen Größe geworden und lockt eine beständig wachsenden Zahl von Rennteams nach Friesland. Fast 300 Teams lieferten sich in diesem Jahr auf zwei oder vier Rädern ein Duell auf der Viertelmeile.

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Während der Rennpausen nutzten viele Besucher die Gelegenheit zu einem Streifzug durch Fahrerlager und Boxengasse auf dem Flugfeld. Hier empfing sie geschäftiges Treiben und ein nicht verstummender Soundteppich verrücktester Gefährte bis hin zum motorisierten Bierkasten, die um Aufmerksamkeit buhlten.

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Wem das nicht Nervenkitzel genug war, der hatte in der Anfängerklasse sogar Gelegenheit, mit dem eigenen Wagen zu einen Rennen über die Viertelmeile anzutreten. So schaffte es unter Einhaltung der vorgegebenen Reglements sogar ein 36 Tonnen-Fahrzeugkran mit satten 1.850 Nm Drehmoment auf die Piste und über die Distanz.

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Nicht alles lief an dem Wochenende nach Plan. Und wen es am Ende traf, dem war bisweilen nicht mehr zum Lachen zu Mute. So verweigerten diverse Motoren von vorne herein den Dienst, andere zerlegten sich gleich beim ersten Hochlaufen. Besonderes Pech hatte das Team eines Käfer, dessen Motor sich beim Burn Out mit einem lauten Knall verabschiedete. Streckensprecher Benni Voss’ Hinweis, „hey Jungs, die Riemenscheibe liegt fünfzig Meter weiter auf dem Rasen,“ ist es zu verdanken, das alle Teile wieder eingesammelt werden konnten.

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Auch das Wetter spielte den Motorsport-begeisterten Fans zumindest am Sonntag einen Strich durch die Rechnung. Nachdem es in der Nacht geregnet hatte, waren am Sonntag morgen zunächst alle Besucher aufgerufen, mit ihren eigenen Wagen die Piste trocken zu fahren. Ein erneuter Regenguss am Nachmittag führte dann zum vorzeitigen Abbruch des Rennens.

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Dennoch: Alles in allem eine Gelungene Veranstaltung, die im nächsten Jahr sicher weiter wachsen dürfte.

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