Future Muscle – Chevy Caprice 9C1

Tow Truck Driver – Geschichten aus dem Muscle Car Alltag

Der Traum vom eigenen Muscle Car ist für manch einen schon ausgeträumt, sobald er die aktuellen Marktpreise für klassisches Detroiter Eisen studiert. Dabei muß ein begrenztes Budget kein unüberwindliches Hindernis auf dem Weg zum eigenen US-Achtzylinder sein – günstige, aber gleichzeitig ernsthafte Alternativen zu den Straßenrennern der 60er gab es immer schon – und gibt es vor allem heute noch. Eine Streifenwagenfahrt mit OSCW

Die Chefs von Oldschool Custom Works in Weinstadt: Christian Rühle (links) und Sönke Priebe

Die Chefs von Oldschool Custom Works in Weinstadt: Christian Rühle (links) und Sönke Priebe

Amerikanische Polizisten, besonders im Westen, hatten es noch nie einfach. Die Gesetzeshüter der Gründerzeit waren meist auf sich allein gestellt – der größte Colt und das schnellste Pferd waren da weniger Statussymbol als vielmehr überlebenswichtig. Dieses Trauma haben die Polizeidienste der USA bis heute nicht abgeschüttelt, auch wenn sie vom Pferd aufs Auto umgestiegen sind.

Seitdem die US-Polizei Auto fährt, tut sie alles, um dem gemeinen Autofahrer mindestens einen Schritt voraus zu sein. In Los Angeles bestreiften die Pasadena Freeway Interceptors Los Angeles‘ gefährlichsten Highway, behelmt mit Sechspunktgurten und Überrollkäfig in speziell präparierten Oldsmobiles. Bundesbehörden ließen sich vom Ford-Rennstall Holman-Moody „Mission Cars“ für Hochgeschwindigkeitseinsätze aufbauen – darunter fielen auch Kidnapping-Überfälle des CIA in die deutsche „Sowjetzone“. Währenddessen knackte der Dodge Standard-Fullsize-Streifenwagen Polara bereits 1969 die 240 km/h-Marke, und Plymouth rüstete seine Midsize-Dienstfahrzeuge mit Stabilisatoren für die Hinterachse aus, die dem zivilen Markt vorenthalten blieben.

Caprice, frisch vom Schiff: Zwischen 2.500 und 5.000 Dollar kostet ein ordentlich motorisierter Police-Package Caprice in den USA derzeit

Caprice, frisch vom Schiff: Zwischen 2.500 und 5.000 Dollar kostet ein ordentlich motorisierter Police-Package Caprice in den USA derzeit

Aufgegebener ehemaliger Streifenwagen der California Highway Patrol auf einem deutschen Schrottplatz

Aufgegebener ehemaliger Streifenwagen der California Highway Patrol auf einem deutschen Schrottplatz

Das Auto in der Mitte ist Unit 339 aus Mountain View in Kalifornien – eins von gleich mehreren Autos aus diesem Ort, die nach Deutschland exportiert wurden

Das Auto in der Mitte ist Unit 339 aus Mountain View in Kalifornien – eins von gleich mehreren Autos aus diesem Ort, die nach Deutschland exportiert wurden

Noch im Jahr 1978 – lange nach dem Ende der Verfügbarkeit für Zivilisten – wurden Chrysler-Polizeiwagen mit Bigblocks ausgeliefert. Die Hersteller unterstützten den Hochgeschwindigkeits-Enthusiasmus der Behörden nach Kräften, jeder Autobauer hatte „Police-Only“ Motoren und Fahrwerksteile im Programm, und wenn es denn sein musste, wurde schon mal der Radstand eines Serien-Pkw geändert, weil die California Highway Patrol das so wünschte. Im Gegenzug wurden die technischen Erkenntnisse aus dem harten Polizeialltag intern für die Großserienproduktion genutzt. Ehemalige „Police Only“-Bauteile tauchten nicht gerade selten in den „Performance“-Modellen für den zivilen Markt wieder auf. Prominentestes Beispiel dürfte das legendäre R/T- (Road/Track) Performance-Paket aus dem Hause Dodge gewesen sein – heute Synonym für „Muscle Car“. Es bestand 
weitestgehend aus Bremsen und Fahrwerksteilen, die Dodge-intern als „Police“ geführt wurden.

Als der US-Automobilbau dann Ende der 70er dank Ölkrise, Misswirtschaft und der europäisch-japanischen Importinvasion am Boden lag und schlicht nicht mehr in der Lage war, schnelle Straßenkreuzer zu produzieren, wurde erst mit uniformierten Camaro experimentiert, dann stieg die US-Polizei kollektiv wieder aufs Pony um – ab 1982 sorgte der Ford Mustang als „Severe Service Package“-Polizeiversion auf den Highways der USA für Recht und Ordnung.

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