Vermehren oder Sterben

Geschichten aus dem Muscle Car Alltag

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Die schnellen, amerikanischen Midsize-Coupés der Muscle Car-Ära sind in Deutschland so beliebt wie niemals zuvor. Zu beliebt sogar, fürchtet ein Teil der alteingesessenen Szene. Fortschreitende Amerikanisierung bedeutet Individualitätsverlust, macht besonders begehrenswerte Fahrzeuge unbezahlbar und hat auch sonst nur Nachteile – oder? Eine Sozialstudie mit OSCW

Ich habe das Muscle-Car-Lebensgefühl auf die harte Tour gelernt. Mitte der Neunziger, damals noch zu jung für den Führerschein, machte ich die Bekanntschaft mit einem Individuum, welches wir zum Schutz seiner Persönlichkeit für die Dauer dieser Geschichte einmal „Friedrich Langer“ nennen wollen. Friedrich hatte einen Führerschein, einen 1972er Chevy Nova, reichlich Dampf unter der Haube und keine Angst vor dem Tod.

Wie viele andere junge Stuttgarter Autofans folgte ich fasziniert den Eskapaden des Friedrich Langer, vom 15-fachen Überschlag auf der Bodenseeautobahn bis hin zur allerersten Probefahrt mit dem selbstgebauten Pick-up (im weitesten Sinne) – die über vier innereuropäische Grenzen führen sollte, ohne Kennzeichen, Zulassung, Heckscheibe oder Instrumente. Weit mehr als einmal saß ich selbst mit in den jeweiligen Fahrzeugen, etwa beim illegalen Grenzübertritt mit einem Transporter voller Chevy-Bigblocks. Oder bei Friedrichs grandiosem Sieg bei einem der wichtigsten illegalen Long-Distance-Autorennen Deutschlands. Viele von den jungen Menschen, die sich damals in und um Friedrichs Scheunenwerkstatt/Werkstattscheune sammelten, sollten später Teil der deutschen US-Car-“Industrie“ werden – Gustav Widegren von Widegren‘s Speedshop zum Beispiel, oder Christian Rühle, der Oldschool Customs gegründet hat.

Auch viele andere illustre Figuren der heutigen süddeutschen US-Car-Szene sind mir zum ersten Mal auf meinen Reisen mit Friedrich Langer begegnet – Tom Littich von Baretta Motors in München, oder die Legende persönlich, der unerreichte letzte bayerische Cowboy und Original German Carfarmer Jonny „JP“ Porsche.

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