Scheibenkleister

Tanz ums Auto

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

 

Warum ich die Kooperationsbereitschaft von Wischerblättern grundsätzlich anzweifle

Winterzeit ist Wischerzeit. Auf der Straße regieren Schmutz und Salz, Regenwasser und Schnee. Spätestens, wenn ich den ersten Lebendviehtransporter auf einer herbstlich angefeuchteten Überlandallee vor mir habe, erinnere ich mich daran, dass ich im Frühling eigentlich neue Wischerblätter kaufen wollte. Wegen guten Wetters und Frühlingsgefühlen habe ich aber zu der Zeit lieber die Liebste mit einem Blumenstrauß überrascht. Das rächt sich nun.

Die Windschutzscheibe verschmiert und verschliert – bei mir immer. Denn in meinem automobilen Leben ist es völlig egal, wie neu oder alt meine Scheibenwischer sind – die Gummis wischen nie, sondern schmieren immer. Natürlich nur auf der Fahrerseite, genau auf Augenhöhe, präzise mittig. Ford Taunus Coupé, Audi 100 5E, Cadillac Eldorado Biarritz, Ford Granada Coupé, Passat 35i Variant? Form und Bauart der Scheibe sind völlig egal, der Durchblick krückt genau auf der Seite, wo er verkehrsgefährdend ist. Budget, Unitec, Champion, CarTechnic oder Bosch? Weder das Fabrikat der Wischer noch ihr Preis zwischen fünf und 35 Euro haben in den vergangenen 20 Jahren irgend einen Unterschied ans verschleierte Tageslicht bringen können. Man sagt, innerhalb eines normalen Jahres schafft so eine Kautschuklippe rund 200.000 Wischzyklen. Das glaube ich gern, auch wenn die links und die rechts aus welchem Grund auch immer ihre Aufgaben unterschiedlich ernst nehmen. Normale Wischer, nur ausgetauschte Gummis, flexible Monowischer, Doppelgummis oder Spoilerwischer? Wahnsinn, was da alles angeboten wird. Ich hätte gern mal ein Paar, das mich über mindestens ein ganzes Jahr den lebenswichtigen Durchblick auf die Straße vor mir haben lässt.

Ich klappe sie hoch, wenn es friert. Ich wische sie an der Tanke mit dem Fliegenschwamm ab, wenn ich die Scheibe von matschigen Viechern befreie. Ich achte auf die Gangbarkeit der Metallbügel und den richtigen Anpressdruck der Federn. Aber beim nächsten Regen geht das Drama von vorn los: Beifahrerseite frei und sauber, Fahrerseite verschmiert mindestens mittig auf Augenhöhe. Und auf der Autobahn verschlimmert sich der Einzugsbereich der Undurchsichtigkeit im Quadrat zur Geschwindigkeit.

Ich sollte mal versuchen, die dunkle Seite der Macht perfide zu überlisten: Ich könnte bei Regen meinen Oberkörper mehr zur Fahrzeugmitte neigen durch die frei geschobene rechte Scheibenhälfte gucken. Ich könnte Fahrer- und Beifahrergummi vertauschen und schauen, was passiert. Ich könnte zehnmal so starke Anpressfedern einhängen. Oder ich fahre nur noch rückwärts – der einsame Wischer-Schlingel da im Heckfenster tut seit Jahren seinen Dienst tadellos.

Aber das bringt wahrscheinlich nichts. Ich fahr jetzt lieber schnell mal in die Stadt, ein paar Blumen kaufen. Das hat wenigstens mit Freude zu tun. Und es regnet gerade nicht…

tanzumsauto@träume-wagen.de

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