SCHRAUBERHÄNDE – SAUBER!

Tanz ums Auto

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

„Himmel, wie sehen Ihre Hände denn aus?“ fragt der Fleischereifachverkäufer entsetzt.
Ja doch, ja doch, ich bin Motorjournalist und fahre ein altes Auto. Das sieht man den
Pranken schon mal an…

Was war passiert? Der Doppelvergaser meinte, mal wieder ein Schräubchen ausspucken zu müssen, was sich im Laufe der Zeit lose gewackelt hatte. Um da ran zu kommen, war es nötig, die ölige Kurbelgehäuseentlüftung vom Ventildeckel runterzubasteln. Selbstverständlich fand diese Aktion nicht zu Hause vor der Garage statt, sondern als direktes Resultat eines jäh gestoppten Vorankommens mitten auf einer gut besuchten Kreuzung. Mich plötzlich mit hupenden und drängelnden Neuwagen, Bussen und 30-Tonnern konfrontiert sehend, wollte ich vor allem eines: schnell wieder weg.

Das gelang mir auch nach genau sieben Minuten. Ohne Diagnose-Laptop, ohne Pannenhilfe und ohne Resetting irgendwelcher Steuergeräte. Gewindeschraube wieder rein, Gummischlauch zurück auf den Bakelitstutzen, Flossen grob mit einer alten Unterhose abwischen und weiter zum Supermarkt. Grillfleisch kaufen.

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Ja, die Hände sind noch schwarz. Dabei habe ich sie auf der Kundentoilette schon höchst intensiv gewaschen, aber das bringt ja am Anfang nix. Unter den Fingernägeln versteckt sich hartnäckig Ölschlamm, Bremsstaub oder anderer Abrieb, der sich mit Ruß und Sand verbunden hat. Eine Mischung, die man über Tage nicht loswird. Warum baut man daraus eigentlich keine Brücken oder Häuser?
Der Nachteil alter Autos ist vielleicht, dass sie im Alltag meist ein bisschen schmutziger sind als die noch ganz dichten Neuwagen, und dass hier und da mal was kaputt geht. Der Vorteil der geliebten rollenden Ü-30-Fraktion wiederum ist, dass wir als Fahrer jede Schraube kennen und jedes Geräusch richtig zuordnen. Und wenn die Fuhre dann doch einmal stehen bleibt, können wir uns fast immer mit einem Schraubendreher und einer Zange selbst helfen. Auch ohne Bachelor in Informatik. Und Handschuhe sind nicht gefühlsecht – Handschuhe sind die extradicken Kondome des Autoschraubers. Man spürt die Teile nicht genug, an denen man bastelt. Das kann man echt vergessen.

Mit Waschpaste und Spüli bekomme ich immer viel Schmiere wieder runter, spätestens dann treten die kleinen Wunden zu Tage, und nach vier bis fünf Waschgängen lässt sich Hautfarbe erkennen. Na und? Ich werfe dem Fischer nicht vor, dass er nach Fisch stinkt und der Imbiss-Mann wird seinen Bratfettgeruch niemals los. Bei mir sind eben die Hände schmutzig.

Wäre das geklärt? Super. Der kräftige Mann hinter dem Tresen schüttelt noch immer den Kopf, als er mir meine drei marinierten Nackensteaks tropfend in den Plastikbeutel wirft. Das dunkelrote Schweineblut an seinen Fingern wischt er beiläufig an seiner weißen Schürze ab, bevor er sich wieder umdreht und mit bloßen Händen ein paar Stücke Leber für die Auslage zerteilt.

Rot wie Blut, blau wie Hirn und schwarz wie Motoröl. 
Jeder wie er will…

tanzumsauto@träume-wagen.de

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