Gerechtigkeit für Drängler

Tanz ums Auto

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Ein Landstraßenerlebnis – mit Happy End

Auf jeder längeren Überlandfahrt gibt es einen Zeitgenossen, der es wesentlich eiliger hat als man selbst. Und als alle anderen. Das ist an sich nicht verwerflich. Wenn er das aber voll aufgeblendet ankündigt und dabei fast in meinem Kofferraum parkt, habe ich etwas dagegen. Erst recht auf der Landstraße.

Besonders unfair ist, dass ich ihm nicht meine Meinung dazu sagen kann. Wenn mich ein unfreundlicher “Hauswart” – wie er ihn jedem Mehrparteienhaus  existiert – anblubbert, kann ich ihm notfalls mit deutlichen Argumenten sein in meiner Welt unwichtiges Dasein auf dem Hausflur erklären. Aber bei dem Eiligen fehlt die Kommunikationsplattform.

Natürlich fahren wir alle mal schnell, und natürlich sind wir alle nicht ganz sündenfrei. Aber wie erkläre ich dem Menschen in seinem Mittelklasseboliden, dass es mich nervös macht, wenn er rund zwei Meter hinter mir seinen Christbaum aufblendet? Wo soll ich denn hin? Es geht nun mal langsam voran, wenn ich am Ende einer langen Schlange von Autos dahinrolle, die alle brav einem dicken Lkw folgen.

Tanz ums Auto - Gerechtigkeit für Drängler

Ich habs gerade selbst erlebt. Der Drängler will partout vorbei. Meine Theorie: Irgendwann werde ich die Chance bekommen, den Lastwagen zu überholen. Und wenn nicht, komme ich eben ein bisschen zu spät. Seine Theorie: keine Ahnung.

In was für Dimensionen mag mein Hintermann denken? Denkt er überhaupt? Er ist noch dichter herangekommen, beginnt zu hupen. Jetzt schert er hinter meinem Taunus nach links aus, errechnet blitzschnell, dass er direkt neben mir am Gegenverkehr zerschellen wird und wedelt wild gestikulierend wieder zurück. Zweiter Versuch: Vorbei an meinem Auto und den beiden davor – wieder im Angesicht des dichten morgendlichen Gegenverkehrs. Der muss bremsen und blendet warnend auf. Mein überholender “Freund” schert in die Schlange ein, obwohl da gar keine Lücke ist. Die ahnungslosen Fahrer dreier Autos hinter ihm und ich müssen in die Eisen. Und es geht von vorn los: Der Typ schert auf die Gegenfahrbahn aus und drängt sich zwei Autos weiter wieder in die Schlange zurück. Ich fühle mich wie im Film, allerdings bin ich nicht nur Zuschauer.

Als 15 Kilometer weiter aus der Landstraße endlich eine Autobahn wird – mit echter Überholspur -, steht doch da der Mittelklassebolide mit Warnblinker auf dem Standstreifen. Vor ihm und hinter ihm Streifenwagen, obendrauf wunderschön blau blinkend deren behördlicher Christbaum. Recht so. Es ist nicht meine Sache, andere Autofahrer zu erziehen. Und soll eigentlich jeder, wie er will. Aber nicht unter der Gefährdung des Lebens anderer.

Gerechtigkeit finde ich gut. Der Tag geht schöner weiter, als er angefangen hat.

tanzumsauto@träume-wagen.de

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