Verloren im Regional-Radio

Tanz ums Auto

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

RDS statt Drehskala, Sendervielfalt statt
 Rauschen – toll in der Theorie, aber 
folgenschwer in der Praxis. Bei mir heißt RDS soviel wie: Raus Den Sender, Rein in Den Stau

Autoradios sind schlau. Zumindest seit 1988. Da wurde RDS aktiv, was die Suche nach alternativen Sendefrequenzen beendete. Klasse. Nun gibt es obendrauf noch RDS Regional. Damit kann ich genau die Werbespots und Nachrichten empfangen, die gerade hier und jetzt in aller Ohren sind. Soweit tolle Erfindungen, ich bin weiß Gott niemand, der aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren „Kult“gründen zwingend ein originales, quäkendes Mittelwelle-Mono-Radio in seinem Oldtimer haben muss.
Aber: Freitagnachmittag. Die A7 zwischen Kiel und Hamburg entwickelt sich zum üblichen Nadelöhr. Es ist kurz vor 16:00 Uhr und ich schalte das Radio ein, des Verkehrsfunks wegen. Das letzte Lied verklingt und RDS schaltet auf regionale Werbung um. Versucht es zumindest. Der Empfang ist hier anscheinend nicht so toll, also kommt nur ein Rauschen, kurzfristig immer noch angenehmer als schreiende Radiowerbung. Nach ein paar Sekunden macht es *piep* und der Empfänger scannt stumm nach stärkeren Frequenzen.
Welch angenehme Ruhe. In dem Moment, wo der letzte gruselige Bratmaxe-Song verklingt, findet das Radio seine regionale Werbefrequenz, der Sender schaltet nun aber wieder um auf die Hauptfrequenz. Denn das Sparkasse-Beratungsspecial, die Werbung nach der Werbung, wird landesweit gleichzeitig ausgestrahlt.

*Piep* – suchende Ruhe.

Ich bin leicht genervt von dem Gehopse. Diesmal findet das Radio den Sender etwas schneller, der einschläfernde Berater meines Vertrauens wird aber nach seinem Monolog sofort von den Regionalnachrichten weggepiept. Ich scheine mit meinem Audi gerade auf einer Sendergrenze unterwegs zu sein, zwei Sprecher fallen sich ins Wort und erzählen mir abgehackt was über Pinneberg und/oder Neumünster. Da ich in Richtung Süden unterwegs bin, erobert mittelfristig Pinneberg die Regionalfrequenz, gibt sie aber gleich wieder ab an einen Werbespot, der mich darüber aufklärt, von wem der gleich folgende Wetterbericht präsentiert wird. Landesweit. Also *piep* und weg, dann wieder da und dann kommt auch schon auf der nächsten Regionalfrequenz der quadratmetergenaue Wetterbericht, den ich wieder mit der Ruhe nach dem *piep* verbringe.

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Grummel. Als sich das Radio gerade fängt und endlich die nun folgenden regionalen Verkehrsnachrichten mit Echtzeitmessung durch irgendein Möbelhaus präsentieren will, höre ich gerade noch das Wort „Stau“, als die Frequenz erneut weg ist und nach dem *piep* Stille gesendet wird.
In dem Moment, wo ich meinen fassungslos-genervten Blick vom Display wieder auf die Straße richte, schliddere ich auch schon mit einer Vollbremsung an das Stauende bei Quickborn ran. Danke, Regionalfunk, danke RDS, ihr habt euch komplett kaputtverbessert. Mist.

Noch heute Abend fliegt die bunte laute Soundmaschine wieder raus. Ich will wieder mein originales, altes „Puebla Stereo CR“ haben, mit Senderskala und Kassettenschacht. Da muss ich zwar hin und wieder drehen und nachjustieren. Aber wenn der Sender erstmal drin ist, dann bleibt er auch drin. Heute hätte mir das den Abend gerettet.

tanzumsauto@träume-wagen.de

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