Von Blendern und Durchblickern

Tanz ums Auto

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

In Deutschland muss das Licht am Auto vorn weiß und hinten rot sein. Bei mir ist es gelb.
Und das ist weniger einleuchtend als ich
 bislang geglaubt hatte

Alles ist in diesem deutschen Land geregelt und schriftlich niedergelegt. Und das ist häufig auch gut so. Aber auch bei Autos auf deutschen Straßen? Da soll das Licht nach vorne weiß leuchten, die Blinker gelb. Hinten strahlt die Beleuchtung rot, die Rückfahrscheinwerfer weiß und die Blinker wieder gelb.

Immer? Nee, nicht immer: Alle meine Autos haben seit einem Urlaub in Frankreich anno 1996 gelbe Lampen vorn in den Scheinwerfern. Das sieht nicht nur cool aus und hat für die entgegenkommenden Menschen bei Dunkelheit einen gewissen Wiedererkennungswert – das hat auch besonders in den Übergangsmonaten handfeste Vorteile. Denn gelbes Licht wird vom Nebel nicht so sehr gestreut wie weißes und durchdringt ihn besser. Eine von gelbem Licht illuminierte Straße wird vom menschlichen Auge wesentlich konturierter und kontrastreicher wahrgenommen, und gelbes Licht lässt die Augen bei längeren Reisen nicht so schnell ermüden. Diese Vorteile werden auch in gelben „Nachtsichtgläsern“ vereint, die ich aber nicht tragen will, weil ich dann bei der nächsten Verkehrskontrolle als potenzieller Sniper aus dem Verkehr gezogen werde.

am0914_tanz_kolumne_01

Trotzdem ist gelbes Licht inzwischen nicht mal mehr in Frankreich erlaubt. Warum? Vielleicht, weil es einen Hauch weniger Helligkeit als das weiße bietet. Und weil in Deutschland nun mal weißes Licht sein muss. Ob das Thema Helligkeit immer in Größenwahn enden muss, kann übrigens jeder beantworten, dem schon einmal ein Neuwagen mit Xenonstrahlern der dritten Generation entgegen gekommen ist. Die Verbrennungen auf der Netzhaut leuchten noch tagelang nach. Also fahre ich mildes, warmes Gelb. Ich Rebell.

In den vergangenen fast 20 Jahren bin ich nie (deshalb) angehalten worden, aber vor kurzem war‘s dann so weit. „Schön‘ guten Abend, allgemeine Verkehrskontrolle, finden Sie nicht auch, dass Ihre Scheinwerfer ein bisschen zu gelb leuchten?“ Ich verneinte dies. Schließlich seien das offizielle H4-Glühlampen, die man bei Audi am Tresen ordern könne. Und das stimmt sogar. Froh, nicht so eine Nachtsichtbrille zu tragen, händigte ich dem Ordnungshüter meine Papiere aus und bereitete mich auf eine Farbendiskussion vor, als neben uns an der Kreuzung ein Golf IV hielt. Die Bässe von innen ließen die Scheiben vibrieren. Das Abblendlicht vorn schimmerte blau, und nach dem fliegenden Start an uns vorbei sahen wir grüne Rücklichter in der Nacht verschwinden.

Der Polizist gab mir hektisch die Papiere wieder, schaute mir dann ein bisschen länger in die Augen als nötig, wünschte mir einen schönen Abend und jagte mit Kollege und Streifenwagen dem Golf hinterher.
Bei mir bleibt’s gelb. Mal sehen, wann der nächste Deutsche etwas gegen sinnvolle Veränderungen hat…

 

tanzumsauto@träume-wagen.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code