Was ist BAS???

Tanz ums Auto

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Das Radio spielt Bass, das Kombiinstrument sagt BAS.
Das eine macht Spaß, das andere wahnsinnig

Schöne beleuchtete Weihnachtszeit. Leider nicht heute Morgen – mein Töchterchen muss zur Schule. Es ist kalt, nass und dunkel. In meinem Fühler- und Steuergeräte-verseuchten Alltags-Diesel aus den 90ern fließt der Strom zunächst ins Radio und parallel in den Anlasser. Das war‘s dann aber auch. Köchöchöchöch klick. Köchöchöchöchöch (erkennen Sie den Bosch-Anlasser?) klick. Das gibt‘s doch gar nicht. Nochmal. Köchöchöchöchöchöchöchöch klick. PIIIIEP!

Ach guck. Da taucht noch mehr festliche Beleuchtung auf, diesmal auf dem Display im Tacho, und es behauptet „BAS“. Dazu singen mir die Jungs von Fettes Brot was ins Ohr.
Er springt also nicht an, dafür wird mein Töchterchen aktiv: „Papa? Wir müssen jetzt echt mal los…“. Kreativität ist gefragt. Ich sitze in Kiel fest, der treue Zweit-Klassiker steht in Hamburg. Ich hole zwei Paar Handschuhe und Helme aus der Wohnung, mein altes Moped aus der Garage und setze mein lachendes Töchterchen mit Ranzen auf dem Rücken hinter mich. Der italienische Hühnermörder von 1971 springt auf Tritt an und bringt uns zwar frierend, aber rechtzeitig zur Schule.

am1313_tanz_ums_auto

Und jetzt? Gehe ich auf die Suche nach „BAS“. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Das schnell befragte Internet behauptet, die Fehlermeldung komme von einem defekten Bremslichtschalter oder nach Trennung der Batterie von einem neu anzulernenden Lenkwinkelsensor. Toll. Der herbeigeeilte ADAC behauptet, der Dieselfilter sei alt und verwässert und daher vielleicht eingefroren. Auch könnten undichte Spritleitungen Nebenluft ziehen oder ein defektes Kühlwasserthermometer falsche Werte liefern. Das verhindere ein sauberes Anspringen des alten Turbodiesels. Ob das was mit „BAS“ zu tun habe, frage ich. Ein Schulterzucken ist die Antwort.

Ich könnte heulen. Aber inzwischen ist es hell draußen, das vertreibt die morbiden Gedanken und weckt den Mut. Es wäre doch gelacht, wenn dieser Sternenkreuzer nicht zum Leben zu erwecken ist.  Denn für die Strecke nach Hamburg ist die Vespa Boxer nicht so gut geeignet.

Also noch ein letzter Startversuch: Köchöchöchöch – Patsch – Brappbrappbrapp BROOOMMMMM!! In einer gewaltigen Wolke aus Ruß, Feinstaub und anderen schwarzen Substanzen brüllt der selbstzündende Nagelkasten seine fünfzylindrige Kakophonie auf den Asphalt. Diesen Moment gebe ich nun nicht mehr her. Ich halte das Gaspedal auf Halbmast, bis die Kolben nach zehn Minuten warm und meine Nachbarn vollständig verärgert sind. Dann läuft er rund. Schnell alles zusammenpacken und ab auf die Autobahn.
Und was ist nun „BAS“? Keine Ahnung. Es hat seitdem nicht wieder geleuchtet. Und wenn es das doch noch mal tun sollte, frage ich beim Hersteller nach. Irgendwer muss es ja wissen. Bis dahin motiviere ich mich mit dem Song von Fettes Brot: „Wir brauchen BASS, BASS! – Sicher Digga…“ Und morgen fahre ich mit meinem Taunus zur Arbeit. Der springt immer an, sofern er Sprit und einen Zündfunken hat. Damals war nicht alles besser, aber vieles einfacher.

In diesem Sinne eine zündende Weihnachtszeit…

tanzumsauto@träume-wagen.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code