69er Mustang Cabrio – Der Phoenix aus der Asche …

… oder die unglaubliche Rettung eines 69er Mustang Cabrio. Der Kunde wollte schlicht ein altes Mustang Cabrio. Mehr Eckdaten gab es nicht. Uwe Sickert, der Autobesorger und Restaurator aus Dresden, hatte die Qual der Wahl. In den USA wurde er fündig und ließ das seltene 69er Mustang Convertible mutig verschiffen. Denn gesehen hatte er das Fahrzeug vorher noch nicht…

am012012_7033_mustang_cabrio_69_00Uwe Sickert wusste, dass der Zustand des Mustang nicht berauschend sein würde. Aber Auftrag ist Auftrag: Liefere ein schönes Mustang Cabrio ab. Der Kunde ist König.
Und Sickert besorgte. Blind im Internet, aus den USA. Denn der Preis stimmte.
Sonst aber auch nichts. Dass das Wildpferd jedoch in so einer unbeschreiblich desolaten Verfassung war, konnte niemand ahnen: Der einst stolze Wagen wurde lediglich von ein paar Schrauben und Kabelbindern zusammengehalten. Einziger Vorteil: Ein Auseinanderbau wäre problemlos machbar.

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Der 5,8 l-Windsor-V8 erhielt eine Komplett-Revision.

Die gründliche Bestandsaufnahme brachte einen Zustand zutage, den man nicht mal beim Schiffswrack der Titanic vermuten würde: Das Auto besaß keine A-Säulen mehr, die Türen wurden lediglich durch die obere Halterung gehalten. Die Schweller waren durchgerostet, die Kotflügel und Seitenwände völlig verspachtelt. Der Wasserkasten war übermäßig verschweißt, die Bodenbleche durch, die Sitze kaputt und das Armaturenbrett unvollständig und eingerissen. Die Motorhaube war ebenfalls rott und sogar die starken Türscharniere waren so stark angerostet, dass sie nicht mehr zu gebrauchen waren. Der Windlauf war derart zugespachtelt, dass keine Luftschlitze mehr zu sehen waren.

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Der Mustang erwies sich als totales Wrack im Zustand 6-, man sieht es aus sämtlichen Blickwinkeln. Egal, ob Blech, das Verdeck oder das Interieur – der Wagen präsentierte sich zunächst als hoffnungsloser Fall, sogar jenseits eines Teilespenders

Dann ein kurzer Hoffnungsschimmer: Beim Kofferraum wurde sich bereits an einer Restauration versucht und drin befanden sich ein Haufen Zierleisten und Blechteile, die teilweise sogar noch hätten verwendet werden können – nur leider fand sich kein Auto, zu dem sie passten…

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Für Sickert war dies aber eher Ansporn als Todesurteil. Und so begann er zunächst mit den Blech- und Schweißarbeiten

Was tatsächlich funktionierte, war die Mechanik des Verdecks – natürlich ohne Verdeck-Haut. Und der Motor!  Der sprang mit Unterstützung von etwas Bremsenreiniger tatsächlich an. Ein kurzes Aufatmen: Das Wrack hatte zumindest ein funktionierendes Herz.

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Die Modefarbe Weiß ist eigentlich zeitlos und steht dem 69er Convertible. Die gestrahlten Achsen werden eingesetzt

Sickerts Fazit: “Karosse komplett tot, Innenausstattung komplett tot, Rahmen in Ordnung, Motor anscheinend in Ordnung; Getriebe, Bremse und Fahrwerk fraglich, Verdeck-Mechanik in Ordnung, aber unvollständig, da die Einrast-Vorrichtung fehlt.” Es war somit unmissverständlich klar, dass die Restaurierung des Mustang Convertible ein Mammut-Projekt werden würde.
Und der Kunde? Der blieb trotz des  Desasters erstaunlich gelassen, schaute sich sein Schrottzeug an und sagte schlicht, dass nur das Endergebnis zähle. Wie der Wagen jetzt aussähe, sei ihm egal. Hauptsache bei der Übergabe würde er einen Traumwagen bekommen…

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Nächste Aufgabe: das Verdeck-Gestänge

Dann machte sich Sickert an die Arbeit. Zuerst wurde das Auto komplett auseinandergenommen, Motor und Getriebe ausgebaut. Danach erfuhr der Mustang eine Sandgestrahlmassage, um das Ausmaß des Rostbefalls erkennen zu können. Was folgte, war die zu erwartende, umfangreiche Teilebestellung in den USA: Kotflügel rechts und links, Stoßstangen vorn und hinten, Motorhaube, Kühler, Tür auf Fahrerseite, Seitenwände rechts und links, ein kompletter Gummisatz mit Türdichtungen. Dann folgte laut Sickert ein monatelanger Klempnermarathon: Die A-Säulen mussten mangels Ersatzteile völlig neu gebaut werden. Achsen und Fahrwerk wurden überholt und das Bremssystem instandgesetzt. Die praktisch neue Karosse wurde abschließend hohlraumkonserviert und der Unterboden mit Wachs geschützt. Der Motor wurde perfekt gereinigt, zerlegt und wieder zusammen gesetzt. Dabei vermaß Sickert die acht Zylinder wegen der Übergröße der neuen Kolben und bohrte den Block neu. Nach sorgfältiger Revisions-Arbeit erfolgte der Zusammenbau mit Neuteilen: Kolben, Kolbenringe, Pleuellager, Hauptlager, Nockenwelle, Hydrostößel, Wasserpumpe, Ölpumpe, Thermostat, Dichtungssatz, Froststopfen, Kühler, Unterbrecherkontakte, Zündkabel, Verteilerläufer, Verteilerkappe, Zündkerzen, Ölfilter und Schrauben.

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Zusammenbau: Motor und Anbauteile (z.B. Rückleuchten)

Die Innenausstattung wurde nach Kundenwunsch mit weinrotem Nappaleder mit schwarzen Biesen und schwarzen Nähten komplett neu gepolstert und gesattelt. Zuvor sandtrahlten, reparierten und verzinkten Sickert und Gesellen die Gestelle.

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Mit der neu gepolsterten und gesattelten Innenausstattung in gedecktem Rot ist die klassische weiß-rote Farbkombination perfekt.

Der Teppich wurde erneuert, die hinteren Verkleidungen und die Abdeckungen der Rückenlehnen mit Leder bezogen (original sind sie nur lackiert), die Türverkleidungen neu gebaut. Alle Kurbeln, Öffner, Klinken, Pins und Aschenbecher wurden ebenfalls ersetzt. Der obere Teil des Armaturenbretts wurde neu aufgebaut, der untere sandgestrahlt, pulverbeschichtet und dann komplett mit Samt bezogen. Das alte Sportlenkrad musste einem Dreispeichen-Holzlenkrad weichen. Der Kofferraum ist jetzt komplett mit Teppich ausgekleidet. Und schlussendlich wurde das neue Verdeck angepasst und aufgezogen.

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Jetzt ist Sickert fertig und der Kunde glücklich. Und er und die Welt um ein schönes Mustang Cabrio reicher.

69er ford mustang convertible
Motor: 351 cui 5,8l  Zweiventil-Windsor-Motor
Leistung: mindestens 184 kW (250 PS)
Kolben: 3. Übermaß
Vergaser: 650er Edelbrock
Ansaugspinne: Edelbrock
Luftfilter: Edelbrock
Getriebe: Dreigang-Automatik – komplett überholt
Auspuffanlage: endet vor Hinterachse, Doppelrohr, Glasspacks. Krümmer, Kat: original
Bremsanlage: original, vorne Scheiben, hinten Trommeln, alle Verschleißteile erneuert
Felgen: 16 Zoll American Racing Torq Trust II
Reifen: Nexen, vorn 225/55/16, hinten 245/50/16
Stückzahlen: Gering, denn abhängig vom 2V – Windsor oder 4V – Windsor und dem dazu passenden Getriebe wären es rund 1.900 bzw. 440 Stück
Restauration: Durch Motorvisionen Dresden, Uwe Sickert
Telefon: 0351/327 06 07, www.motor-visionen.de
Bilder: Andrea Christine Meyer, Uwe Sickert

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