Alles Schrott

Junkyards in den USA

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Radkappen, so weit das Auge reicht…

Daneben gab und gibt es auch noch Selbstbedienungsplätze mit Namen wie „U-pick-a-part“, „Pick Your Part“ und so ähnlich. Da stehen alle Autos in Reih’ und Glied, nach Marken sortiert, aufgebockt auf zusammengeschweißten Felgen. Man bezahlt Eintritt (!), muss sein eigenes Werkzeug mitbringen und alles selbst abbauen. Vorne hängt eine Preisliste: Hauben, Türen, Radkappen, alles hat einen festen Preis, egal, ob es vom 59er Cadillac oder 2012er Hundi stammt. Nicht wirklich romantisch, aber effektiv, wenn man Teile sucht – und interessant allemal. Natürlich fehlt hier auch der bewaffnete Wächter am Eingang nicht. Auf dieser Art von Plätzen finden sich inzwischen aber kaum noch alte Autos.

Ganz anders sind viele Plätze in den Südstaaten. Wegen der dort herrschenden üppigen Vegetation sind die Fahrzeuge oft fast völlig zugewachsen. Auf einer Tour vor mehr als zehn Jahren haben wir in Hodges, South Carolina, mitten im Wald zufällig im Vorbeifahren einen entdeckt. Mit qualmenden Reifen kamen wir zum Stehen – ja, den Platz könnte man besichtigen, sagte uns der Aufpasser. Es gäbe aber Moskitos und Schlangen, also Obacht!

Schlangen sind wir nicht begegnet, aber einem laut fauchenden Luchs, der uns einen gehörigen Schrecken einjagte. Vermutlich war das arme Tier aber genauso erschrocken wie wir. Das Ganze erinnerte stark an Dornröschen: Hier war seit vielen, vielen Jahren nichts mehr passiert. Auf einem Grundstück von etwa 100.000 Quadratmetern standen an die 1.000 Autos, völlig eingewachsen. Ohne den Wald zu roden, bekommt man die da nie mehr raus. Will man aber wohl auch nicht…

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Lenkräder und Hupenringe in großer Auswahl.

 

Reine Oldtimerplätze

Neben den „normalen“ Plätzen gibt es auch reine Oldtimerschrottplätze. Dort sucht man Autos im gesamten Land zusammen, um die Teile in alle Welt zu verkaufen – natürlich hauptsächlich über das Internet. Der bekannteste ist da „Desert Valley Auto Parts“ (DVAP) in Phoenix, Arizona, den viele wahrscheinlich schon mal in der Serie „Desert Car Kings – Traumautos im Wüstensand“ auf DMAX gesehen haben. „Hidden Valley Auto Parts“, ebenfalls ein Oldtimerplatz ganz in der Nähe im Maricopa County, hat leider schon an Größe und Faszination eingebüßt. Obwohl draußen in der Wüste gelegen, musste man vor ein paar Jahren der Zivilisation weichen und auf einen anderen, deutlich kleineren Platz umziehen, der für deutsche Verhältnisse aber immer noch riesig ist. Auf dem ursprünglichen Platz stehen heute Reihenhäuser.

Noch schlimmer ging es unserem Lieblingsplatz „Southside Salvage“ in Alamogordo, New Mexico. Das war mal die Stadt der Schrottplätze. Als wir vor rund 20 Jahren das erste Mal dort waren, sah er aus, als wäre die Zeit in den 70er-Jahren stehengeblieben. Der Besitzer war ein alter Mann, der sich während unseres gesamten Gesprächs beharrlich weigerte, sich von der Couch in der Ecke, auf der er lag, zu erheben. Da wir wegen der Balustrade in der Mitte des Raums nicht näher kommen konnten und er, wohl altersbedingt, nicht mehr so gut hörte, musste sein Sohn jedes Wort von uns für ihn wiederholen. Da er aber während des ganzen „Gesprächs“ die kalte Zigarre nicht aus dem Mund nahm, konnten wir ihn genauso wenig verstehen und der Sohn musste auch für uns dolmetschen. Schließlich erhob sich der Alte doch und führte uns eigenhändig über den gesamten Platz. Die frische Zigarre, die er sich zu Beginn der Führung in den Mund gesteckt hatte und auf der er die ganze Zeit rumkaute, ohne sie anzuzünden, war am Schluss verschwunden. Aufgekaut. Der Alte ist schon längst im Himmel – ob’s an den Zigarren lag, ist nicht bekannt. Nachdem es verschiedene Nachfolger gab, steht heute ein großer Bürokomplex auf dem Platz. Traurig.

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