Bright Side of Life: Autosammler Thomas aus Kalifornien

Vote hier für deinen Lieblings DriveStyler!
[Insgesamte Votings: 0 Im Durchschnitt: 0]


Bright Side of Life: Autosammler Thomas aus Kalifornien

Eine Menge illustrer Klassiker, ein Domizil inmitten der Multi-Million-Dollar Häuser in den Hollywood Hills und ein unglaublicher Blick auf die Canyons, das Meer und die Lichter von Downtown L. A. – Thomas hat´s eindeutig geschafft

 

„Mein erstes Wort? Auto!“ grinst der Mann aus dem Ruhrpott, dessen Leben sich gut eignen würde, um daraus einen Reiseführer für Globetrotter zu basteln. Europa, Australien, Indien, Südafrika, Amerika – Thomas ist viel rumgekommen in seinem Job, nicht nur, weil er von Haus aus abenteuerlustig ist, sondern immer neugierig, was noch so kommt. Angefangen hat alles im Ruhrgebiet, bürgerliches Umfeld, sicherer Job bei der Polizei in Bonn. Das Faible für Autos hatte er schon immer, das erste Auto sollte irgendwas Großes, Schmutziges sein. Na ja, es wurde dann doch der 80er Granada V6 von Papa, mit dem Thomas mehr oder weniger begeistert ein Jahr lang rumkutschierte. Dafür nahm die Karriere Fahrt auf, Bonn – damals noch Hauptstadt – verlangte nach Personen- und Grenzschützern und fand in dem drahtigen Kerl den geeigneten Mann. Ein Bänderriss beim Fallschirmspringerkurs brachte nicht das Ende der Laufbahn, aber was Neues in puncto Auto: Beim Schmökern im Krankenhausbett entdeckte Thomas einen 280 S, eine W116er S-Klasse, die er vom Fleck weg kaufte. „Lass die anderen doch Manta und GTI fahren“, schwärmt er von dem Oberklasseschiff, „ich wollte es schon immer gerne ein wenig größer.“ Auch beruflich gings ab, übers Auswärtige Amt kam Thomas häufig ins Ausland, bei Fahrtrainings fürs BKA machte er Bekanntschaft mit der Mercedes G-Klasse, die er heute noch gut findet.

Irgendwann musste ein Wechsel her, beruflich wie autotechnisch. Thomas kündigte sein Bonner Engagement, machte mit 25 das Abitur nach, studierte Informatik in München und fand bei ARRI eine neue Aufgabe in der Filmbranche. Seine Autos kamen und gingen, gebastelt wurde eigentlich immer, und neben all den 7er, 535i, 911 SC etc. war wohl der eigenhändig zum Speedster umgebaute Käfer der Hit. „Gefahren hab ich meine Autos nie lange“, versucht Thomas sich selbst einen Überblick über die Blechkarawane zu verschaffen, „lieber hab ich mich immer wieder auf was Neues eingelassen.“ 2002 kam der Umzug nach Los Angeles, ein Break in jeder Hinsicht. „Wird in Deutschland bei jedem coolen Auto zuerst nach Preis und Spritverbrauch gefragt, freuen sich die Amis einfach über die Mega-Optik. Wo in der Alten Welt die Nachbarn missgünstig den Kopf schütteln, bekommst du in L.A. neidlose Anerkennung“, ärgert sich Thomas heute noch ein wenig über piefige Kleingeister.

Drei Jahre gings zwischendrin nach Mumbai, ein Intermezzo, das Thomas lieber vergisst. Aber so verhasst ihm die Zeit in Indien war, sie zeigte ihm, wie toll L.A. ist. Zurück in Kalifornien wurde Thomas tatsächlich sesshaft: Ein runtergekommenes Haus in den Hollywood Hills ließ ihn Wurzeln schlagen. Nach drei Jahren heftiger Renovierung, die er in seinem Airstream Caravan als Übergangsdomizil überstand, ist sein Häuschen am Sunset Playa Drive der Traum schlechthin. Das Grundstück ist gepackt voll mit ungewöhnlichen Classic Cars, neben dem 71er Fiat Spider gibt’s noch einen 90er Nissan 300ZX, einen 81er Toyota Pick-up, einen 68er F-250 Camper, eine 56er Devin KitCar-Legende, ein Volvo Workhorse, eine aufgerüschte One-off Harley und eine originale XT 500 von 1978, die er jüngst seinem Nachbarn abgekauft hat. Zwei Porsche 944 haben gerade ihre Plätze geräumt und schippern übern großen Teich zu Sammlern in Deutschland. Ach ja, zwei (!) Ferrari Dino, ein Pontiac Ventura und ein Cadillac gehören auch noch zu illustren Runde – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Manche schaffen es nicht mal bis in die Hollywood Hills: Auf seiner Cross-country-Tour von New York nach L.A. trennte sich Thomas in Sun Valley spontan vom gerade gekauften 94er 500 SL – 2000 Meilen in einer Karre sind schließlich genug …

Wieviele Autos er in seinem Leben besessen hat? Großes Grübeln, „so 140 werden es schon sein.“ Selten sucht Thomas gezielt nach bestimmten Modellen, „die Autos finden mich“, schmunzelt er und erzählt, wie er etliche seiner Preziosen in der Sammlung eines verstorbenen Maniacs entdeckte. Gibt’s bei soviel Kultblech noch Träume? Ja klar. Die neue Indian 1200 ist vorbestellt und der Devin soll einen „richtigen“ Motor statt des mickrigen 1600ers bekommen. Ob vom 912, Subaru oder Corvair? Thomas recherchiert noch. Bis dann laufen ihm mit Sicherheit weitere Must-haves über den Weg. Es bleibt spannend …

Devin, Bj. 1956

Devin Enterprises baute von 1955–1964 bildschöne GFK-Karosserien, die auf unterschiedliche Chassis montiert werden konnten, später auch einige vollständige Autos mit Gitterrohrrahmen. Das erste Powermodell von Bill Devin war der SS (Super Sport) mit 4,7-l-V8-Motor aus der Corvette, 162 kW/220 PS und 225 km/h Spitze. Aufgrund des hohen Verkaufspreises von 5.950 Dollar konnten bis 1958 nur 15 SS-Modelle abgesetzt werden. Weitere Variationen der einzeln erhältlichen Devin-Karosserien, wie auch die von Thomas, basieren auf dem Design des Ferrari 750 Monza. Damit konnten unterschiedlichste Chassis ausgestattet werden, vom kleinen Crosley über den Triumph TR2/3 bis zum Allard mit  Cadillac Motor. Devin wurde schnell der größte und erfolgreichste Produzent dieser KitCar-Karosserien und lieferte bis nach Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika und sogar Südafrika. Der Name Devin stand für Top-Qualität mit besserem Finish als bei Konkurrenzprodukten, der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus.

 

Autor: Marion Kattler-Vetter / Fotograf: Nico Paflitschek
Print Friendly, PDF & Email