Bowtie – und sonst gar nichts: Björn Morhin und sein 1970er Chevrolet Yenko Nova

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Bowtie – und sonst gar nichts: Björn Morhin und sein 1970er Chevrolet Yenko Nova

Der Chevy Nova von TRÄUME WAGEN-Leser Björn Morhin hat mit der braven 70er-Basis wenig gemeinsam. Eigentlich gar nichts. Björns Nova ist ein bissiger Yenko Tribute, der den Boliden aus der Schmiede des legendären Tuners in nichts nachsteht

 

Kurzes Briefing: Der Chevrolet Nova (1962 bis 1968: Chevy II) war ein von 1962 bis 1979 hergestelltes konventionelles Mittelklassemodell mit  Frontmotor und Hinterradantrieb als zweitüriges Coupé, viertürige Limousine, drei- und fünftüriger Kombi und Cabriolet. Nach einigen Retuschen hieß die zweite Generation ab 1969 offiziell nur noch Nova. 1970 wurde  leicht modifiziert, 1971 entfiel der Vierzylinder, stärkste Option war der 396 cui Bigblock, der nach dem Ölkrise-bedingten Downsizing dann auf 350 cui reduziert wurde. Das Konzept wurde im Konzern herumgereicht: Pontiac nahm seine Nova-Version, den Ventura in Produktion, Oldsmobile folgte mit dem Omega, Buick mit dem Apollo. 1975 bekam der Nova ein gründliches Facelift, inklusive abgespecktem S-Coupé und dem Luxus-Nova LN. Basismotor war der 4,1-Liter-Sechszylinder mit 78 kW/106 PS, wer mehr wollte, nahm den 4,3-Liter-V8 mit 82 kW/112 PS oder den 5,7-Liter mit 123 kW/167 PS. 1977 ersetzte ein Fünfliter-V8 den 4,3-Liter. 1979 endete die Nova-Produktion, von der zweiten Generation wurden in 12 Jahren 3,43 Millionen Stück gebaut.

Survivor gibt’s reichlich, gesuchte Perlen aber sind die von Yenko geadelten Modelle. Donald „Don“ Frank Yenko, 1927 – 1987, war ein US-Rennfahrer mit Tuningwerkstatt für Chevrolets. Als 1967 der Camaro herauskam, baute er den SS zum Yenko Camaro um, indem er den originalen V8-L-78 mit 6.489 Kubik gegen den V8-L-72 der Corvette mit 6.997 Kubik tauschte und Hinterachse samt Fahrwerk anpasste. Auch Chevelle und Nova profitierten vom Leistungshunger des Meisters und bekamen den L-72-Motor. Als das Geschäft mit den Muscle Cars zurückging, reagierte Yenko clever und verpasste dem Nova seinen einzigartigen Stil: Anstatt den 7,0-l-V8 einzubauen, überzeugte er GM, den potenten 5.735-cm³-V8 aus dem Camaro Z-28 und der Corvette LT1 mit 265 kW einzubauen. Zusätzlich hatte der neue Yenko Deuce, wie der Wagen nun hieß, ein besseres Fahrwerk, ein anderes Getriebe, eine verbesserte Hinterachse und on top ein paar schnelle Streifen und Embleme.

Viele haben nicht überlebt, vom Nova Deuce existieren keine zehn Exemplare mehr. Was bleibt da einem echten Fan da anderes übrig, als sich seinen Muscle-Nova selbst zu bauen? Dass nicht nur der Don, sondern auch deutsche Maniacs wissen, wie das geht, beweist Björn Morhin: Sein „Yenko Tribute“ ist ein amtliches Muscle Car im Understatement-Look. Der 36-Jährige aus Königs Wusterhausen inhalierte schon als Jugendlicher oktanlastige US-Filme und -Serien, in denen fette Muscles staubige Highways entlangballerten und startete direkt mit dem Führerschein durch: Auf den ersten Chevy Nova folgte eine Chevelle, der wiederum ein 1971er Oldsmobile. 2014 erfüllte sich der Bowtie-Fan nach endlosen Internet-Recherchen und mehreren USA-Aufenthalten seinen Traum. Ausgerechnet in den Niederlanden (!) fand er einen 45 Jahre alten Nova 2-door Sedan aus L.A., strippte ihn und baute seinen persönlichen Tribute an Don Yenko. Björn arbeitet in der Organisation,   Marketing und Service eines Lackierbetriebs in seinem Heimatort, wo er sowohl die Profi-Ausrüstung als auch das nötige Know-how fand und nach Werkstattschluss bis in die Nacht an seinem Projekt arbeitete. Verglichen mit anderen US-Sportwagen wirkt der Morhin-Nova recht unspektakulär, doch so ganz nimmt man ihm das Schäfchen nicht ab. Mit seinen 255er-Schlappen ist er schon im Stand in Lauerstellung, und sobald der vom Berliner Motorenbauer Robert Kunze KMT komplett neu aufgebaute 8,2-Liter-Big-Block zu brüllen beginnt, weiß man, was Sache ist. Das Finish von Björns Nova stimmt: Fahrwerks-Update mit Control Arms, Stabi und einstellbaren  QR1-Dämpfern, Viergang-Handschalter, Lackierung in original „Shadow Gray“, Muscle-Car-übliche Dog Dishes, knackiger Hintern, bei dem dank verstärkter Performance Blattfedern von Hotchkis rein gar nichts schwabbelt.

Der Yenko Tribute läuft, Zeit für Neues. Abgesehen von im Winter anstehenden weiteren Updates wie Federumbau am Heck, Subframe und Connectors vorne, Metal Bushing statt Gummi etc, fährt Björn seit dieser Saison beim Tourenwagen Cup in Oschersleben mit. Nicht mit dem Nova, aber mit einem Cup Logan von Pasch Motorsport, der bei Björns Arbeitgeber ursprünglich nur lackiert werden sollte. Doch nun sitzen Björn und sein Boss Manuel selbst am Steuer und kacheln mit 180 km/h durch die Kurven der Arena in Oschersleben. Björn tritt beim NATC, dem Norddeutschen ADAC Börde Tourenwagen Cup, an, „die Einstiegskategorie des Tourenwagensports“, wie er bescheiden betont. Erst in dieser Saison hat er seine Rennsportlizenz Klasse „A – uneingeschränkt“ erhalten, doch Pasch plant mit Björn und Manuel Pflanze von Identica aus Königs Wusterhausen schon weiter für 2020. Schon cool, was aus der frühkindlichen Leidenschaft für PS-Verfolgungsjagden alles werden kann …

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Autor: Marion Kattler-Vetter – Fotos: Patrick Meinhold www.patrella.de
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