CAV-GTRLe Mans Pacecar

Straßentaugliche Rennmaschine von Beckbye Racing.

Es gibt auf der Welt nicht viele Autos, mit denen man unter einer geschlossenen Parkhausschranke hindurch fahren kann, oder bei denen einem der Dackel des Nachbarn direkt in die Augen schauen kann. Es gibt auch nur ein Fahrzeug, dessen Höhe seinerzeit Bestandteil der Modellbezeichnung war und neben dem ein Tiefergelegter Mittelklassewagen wie ein Hochhaus wirkt. Das war natürlich der legendäre Ford GT40, der von 1964 bis 1968 gebaut wurde. Im laufe der Jahre verschwanden viele Fahrzeuge im Museum oder wurden schlicht beim Renneinsatz zerstört, so dass immer wieder mehr oder weniger grausame Repliken auftauchten. Ganz anders der CAV- GTR von Uwe Beckbye, der kein GT 40 und kein Replicar ist, sondern ein vollständig eigenständiges Fahrzeug von der kleinen Fahrzeugfabrik Auto Futura aus Südafrika ist.

Dass der CAV-GTR kein billiger Abklatsch einer Legende ist, beweist auch die Tatsache, dass er 2007 als offizielles Pace Car in Le Mans eingesetzt wurde. Nach Deutschland wurde das Auto von Uwe Beckbye geholt, der im Sportwagenbereich in Deutschland kein unbekannter ist. Namen wie Carroll Shelby finden sich in seinem Privaten Handy wieder, denn schließlich ist er schon seit 25 Jahren Cobra- Verseucht. Als junger Bengel, baute er sich die Cobras als Revell Bausatz im Maßstab 1:12, bevor er sich 1985 seine erste eigene V8 Cobra im Maßstab 1:1 baute. Hieraus entstand im Laufe der Zeit die Firma Beckbye Racing, die sich mit Sport und Rennwagenbau beschäftigt. Darüber hinaus ist Uwe Beckbye mit seinem Team Spezialist für alles was mit V8 Motoren betrieben wird und zudem für die klassischen Sportwagen der 50er bis 70er Jahre. Allein seine Renngeschichte und die Geschichte der Fahrzeuge die er Renn und Straßentauglich gemacht hat, würden ein Buch füllen, doch hier geht es um mehr, um Power ohne Ende auf 1020 mm Höhe.

Der ehemalige Dragsterpilot wechselte vor einigen Jahren in das Lager der Rundstreckenfahrer und bestritt seine Rennen mit einer originalen AC Cobra, bis er auf den CAV- GTR stieß. Szenenwechsel in die Halle von Beckbye Racing. Als ich die Halle erreiche, riecht es draußen verdächtig nach Regen, ein tödlicher Feind der 315er Semislicks des CAV- GTR, also musste alles etwas schneller gehen. Langsam öffnet sich das Tor der Halle und vor mir sehe ich eine schwarze Abdeckung, unter der ich höchstens 4 übereinander gestapelte Europaletten vermute, doch das ist er, der CAV-GTR. Uwe zieht die Abdeckung langsam nach hinten und nachdem die rote Schnauze zu sehen ist, kommen die 17 Zoll Halibrand Felgen mit den 245er Walzen an der Vorderachse und den 315er Gummis an der Hinterachse zum Vorschein. Endlich stehe ich vor dem Auto, bei dem ich mit bescheidenen 170cm Größe sogar ohne Trittleiter das Dach waschen kann. „Kannst alles aufmachen und anschauen ruft Uwe mir zu.

Ich hole nur noch mal eben einen 20 Liter Kanister mit Benzin, denn der kleine ist noch von der letzten Veranstaltung leer gefahren und seit ein paar Wochen nicht gelaufen“. Zweifel kommen in mir auf, denn Zuverlässigkeit bei Sportwagen ist immer so eine Frage und wir wollen doch eine Runde drehen. Egal, das wird schon und ich beginne vorsichtig die Tür zu öffnen, bei der die Hälfte des Daches sich mit öffnet. Innenverkleidung, Teppich, Radio, Klimaanlage, alles überflüssiger Ballast. Na klar, bei 426 KW (581 PS) aus 7000 ccm, sollte man wirklich jedes Gramm sparen. Dafür blickt man auf zwei breite Edelstahlschweller, in denen sich die Sicherheitstanks befinden.

Sie erschweren einem das Einsteigen ernorm und spätesten jetzt erklärt sich die eigenwillige Türform mit den großen Dach- Ausschnitten. Das Interieur ist Rennsport pur. Blankes Metall, Hosenträgergurte, eine offene Schaltkulisse und nur das Notwendigste an Instrumenten findet man in dem Innenraum des GTR wieder. Vorsichtig öffne ich das Heck des CAV und dort offenbart sich ein Anblick, der jeden Autofan ins Schwärmen bringt. Der riesige V8 Motor sitzt fein eingebettet in feinstes Aluminium und Edelstahl vor dem speziell entwickelten ZFQ Getriebe und streckt seine verschlungenen Krümmer in die Luft wie eine Diva ihre langen Beine. Am Ende sind zwei Edelstahl- Schalldämpfer angeflanscht, die eher wie Abgasführungsrohre als wie echte Schalldämpfer erscheinen. Das Fahrwerk entspricht in etwas dem des Vorbildes, doch wurden hier moderne, verstellbare Dämpfereinheiten verbaut, die an komplett verstellbaren Querlenkern und Achsaufnahmen montiert sind.

Das Chassis ist ein Monococue Chassis aus Edelstahl und auch alle anderen Teile sind entweder vernickelt oder verchromt, um dem Rostfraß keine Chance zu geben. So weit so gut. Uwe kommt mit dem Kanister um die Ecke, befüllt die total cool aussehenden Benzinöffnungen auf den vorderen Kotflügeln und bittet mich einzusteigen. Ganz schön selbstbewusst denke ich, aber er wird schon wissen was er tut, wobei ich mir dieses Zitat in der nächsten Stunde mehrfach selber aufsagen musste. Ich sinke in den Schalensitz, zurre mich im 4- Punkt Gurt fest und habe das Gefühl mit dem Hintern direkt auf dem Boden zu sitzen. Ok, ich bin auch mal aktiv Rennen gefahren und vermisse also den Überflüssigen Kram wie Airbag, Seitenaufprallschutz und so etwas nicht, doch meine Autos hatten ca. 200 PS und keine 581 Pferde und auch die Erfahrung im NASCAR hab ich auf einer abgeschlossenen Rennstrecke gemacht und nicht auf einer öffentlichen Strasse. Als ich meinen Gedanken so nachhänge drückt Uwe den Startknopf und im ersten Augenblick habe ich das Gefühl ein Asthmakranker Dinosaurier röchelt mit direkt ins Genick.

Nach wenigen Sekunden verändert sich das Geräusch in ein tiefes Röcheln und schon läuft der V8 Motor erstaunlich rund. Langsam biegen wir auf die Landstrasse ab und das Ölthermometer zeigt Betriebstemperatur an. Recht und links erscheinen Hunde wie Mammuts und bei dem Auto vor mir wundere ich mich, das auf der Heckklappe Ford steht und nicht T5, denn der Focus mutet aus der Perspektive wie ein Bus an. Am Ortsende tritt der Rennprofi auf das Gaspedal und ich kann nicht mehr sagen ob sich meine Mundwinkel aus Freude oder Ehrfurcht verzogen haben. Von hinten beginnt ein infernalisches Gebrüll, das besser nicht klingen könnte und der GTR geht nach vorn, wie von einem Katapult geschossen. Zielgenau lenkt Uwe das Auto um die engen Ecken und man hat das Gefühl, das sich das Auto keinen Millimeter verwindet.

Die Reifen beißen sich in den Asphalt und leider ist dann auch schon wieder Schluss, denn das nächste Ortsschild kommt in Sicht, nur warum bremst der Wahnsinnige nicht. Wenige Meter vor der Orteinfahrt tritt er vehement aus die Bremse und die 6 Kolben- Anlage vorn in Verbindung mit einer 4 Kolben Bremse im Heck, beißt so tierisch zu, das ich froh bin, keine Zahnprothese zu tragen. Zum Glück befindet sich in unmittelbarer Nähe eine Autobahn ohne lästiges Speed Limit und schon auf der Auffahrt wird mir klar, warum das Ding Beschleunigungsstreifen heißt. Hier hatte ich schon zum 4. Mal den Gedanken, er wird wissen was er tut und dann heißt es einfach nur noch genießen. Der Tacho Klettert beim durchschalten der 5 Gänge unaufhörlich in die Höhe und es scheint, als wenn der Druck gar nicht abreißen will. Zurück an der Werkstatt wird mir klar, warum dieses Auto auf den Wunschzettel gehören muss, denn das ist Autofahren pur.

Nun gibt es natürlich auch eine“ zahme Version“ ohne R am Ende, mit der man aber genau so viel Spaß haben kann. Die hat dann nur 5000 ccm ab Werk und auf Wunsch bekommt man eine Klimaanlage, Teppich und einige andere Annehmlichkeiten, nur bitte niemals ein Radio, denn keine Band der Welt kann so spielen, wie dieser V8 Motor klingt, der direkt hinter den Ohren brüllt. Dieser Wagen ist wirklich für die Rennstrecke geschaffen und es gibt glücklicherweise auch genügend Möglichkeiten sich bei Fahrertrainings, Fahrerlehrgängen und in verschiedenen Serien auszutoben, doch am meisten Spaß macht es Uwe immer wieder das Parkgeld zu prellen und einfach so unter der Schranke hindurch zu fahren.

Uwe Beckbye Racing

Auweg 14
25495 Kummerfeld
Telefon:
+49 – (0) 4101 / 406150
info@beckbye-racing.de

FAKTEN

CAV-GTR Le Mans Pace Car

Testwagenpreis:
159.000 Euro
Motor: V8 Benzin
Hubraum: 7000 ccm
Leistung: 426 KW (581 PS)
Antrieb: Heckantrieb
Getriebe: 5 Gang ZF Schaltgetriebe
Höchstgeschwindigkeit: Je nach Übersetzung bis über 300 Km/h
Beschleunigung: 0-100 km/h, unter 4,5 sek.
Leergewicht: 1050 kg
Länge: 4200 mm
Breite: 1950 mm
Höhe: 1020 mm (40“)
Reifen: 315 / 35 R 17  hinten, 245 / 45R17 hinten
Felgen: Helibrand 8×17 vorn, 10×17 hinten
Ausstattung: Racingoptions, Wilwood Bremsanlage, Hosenträgergurte, Keine Dämmung, Rechtslenker, Wide Body Karosserie, Zentralverschluss Felgen, Edelstahlauspuff

Bilder: Frank Sander

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