Da steckt der Wurm drin: Wie Sie Tür-Holzeinlagen erneuern II

Teil 2

Selbsthilfe am Beispiel einer Beifahrertür des Mercedes 500 SEC Coupé, Baujahr1985. In drei Folgen

Der Zahn der Zeit – besser gesagt die UV-Strahlung der Jahre – setzt nicht nur dem Äußeren eines Fahrzeugs zu, sondern auch dem Interieur. Bevorzugt betroffen sind neben Lederpolstern die Holzeinlagen in den vorderen Türen. Sie trifft häufig dann der Sonnenschein, wenn der Planet schräg von vorn durch die Frontscheibe auf die Türinnenseiten strahlt. Zwar sind diese Holzeinlagen vom Werk aus recht gut geschützt. Mehrschicht-Klarlacke mit hoher UV-Resistenz sollen den Frische-Look der Echthölzer möglichst lange erhalten. Doch alles hat Grenzen und vor der Sonne kapitulieren selbst die besten Klarlacke eines Tages. Spätestens nach 20 Jahren werden diese Lackschichten milchig trüb und haben mit dem Namen Klarlack nichts mehr gemein. Es gibt noch weitere Zersetzungserscheinungen. So beginnen im fortgeschrittenen Stadium der UV-Belastungen erst die Lacke und dann auch noch die Hölzer zu reißen. Einige Fahrzeughersteller haben außerdem Edelholzapplikationen verarbeitet, die nicht auf Aluminium fixiert wurden. Folge ist eine mangelhafte Formstabilität. Im Klartext: Die Hölzer werden wellig.
Alles unschön. Der Wunsch nach Abhilfe liegt also nahe.

Dafür gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

1. Sofern noch Original-ersatzteile lieferbar sind, können die Neuteile verbaut werden. Häufig-ster Nachteil: Färbung und Maserung weichen von den übrigen im Fahrzeug eingebauten Holzapplikationen deutlich sichtbar ab.

2. Altteile ausbauen und vom Fachbetrieb (am besten vom Schreiner) aufarbeiten lassen.
Ein guter Lackierer bekommt auch eine spiegelglatte Klarlackschicht wieder hin – mit Schleifpaste und finaler Politur.

3. Ersteigertes Gebraucht-Ersatzteil einbauen. Kann unter Umständen die beste Lösung sein, weil das Teil ein gewisses Maß an Patina haben wird – passt meist gut zu den anderen Bauteilen. Außerdem im Regelfall die preiswerteste Lösung – wenn da nicht die “fingerbrechende” und zeitaufwändige Montage wäre.

In drei Folgen zeigen wir am Beispiel  einer Beifahrertür am Mercedes 500 SEC Coupé aus Baujahr 1985, wie der Neu-Einbau einer Holzeinlage unfallfrei über die Bühne gehen kann. In dieser zweiten Folge zeigen wir, wie die Innenverkleidung nach einigen weiteren Vorbereitungen entfernt wird.

 

1.  Die schmucke Chromabdeckung oberhalb des Türschlosses muss selbstverständlich noch demontiert werden, bevor die Türinnenverkleidung herausgenommen werden kann. Die Chromkappe ist leicht zu entfernen, die zu lösenden Schrauben sind offensichtlich.
2.  Die Chromumrandung des Schließzapfens: Sichtbare Schrauben weisen auch hier den zweifelsfreien Demontageweg.
3. Szenenwechsel: Wo die Tür an der A-Säule anliegt, muss aus der Türverkleidung noch eine Trichterverkleidung herausgezogen werden.
4. Oberhalb dieser Trichterverkleidung ist eine weitere Abdeckung abzuschrauben – mit selbsterklärend “öffentlichen” Verschraubungen.
5. Nun ist der Weg frei für den endgültigen Abbau des Türzuziehers: erst abklipsen und dann die komplette Einheit abnehmen.
6. Jetzt die Türverkleidung von unten “angreifen”. Es hilft wieder ein kleiner Kunststoffkeil, der keinesfalls zu scharfkantig sein sollte. Diesen Keil zwischen Türblech und Verkleidung drücken und mit leichten Hebelbewegungen die Verkleidung lösen.
7. Unten rechts an der Ecke sitzt die Türverkleidung ausgesprochen fest. Aus gutem Grund, denn im Alltag kann sich die Türkante beispielsweise an einem Bordstein verhaken. Dann darf sich beim kraftvollen Wegdrücken der Tür keinesfalls die Verkleidung lösen. Diese stramme Verankerung lässt sich nur beherzt mit einem größeren Kunststoffkeil (im Bild erkennbar) lösen.
8. Spätestens jetzt lässt sich die komplette Türverkleidung abhebeln.
Doch Achtung….
9. …es gibt noch ein festes Band zur Tür: Die Ausstiegsleuchte mitsamt Verkabelung hat die Verkleidung noch fest im Griff.
10. Hindernis erkannt und behutsam aus der Halterung gedrückt – nun kann die Verkleidung endgültig weggenommen werden.
11. Die Innenverkleidung der Beifahrertür ist abgebaut. Das ist eine günstige Gelegenheit für einen Optik-Check: Es sollte auf alle Fälle eine unverletzte Plastikfolie den Innenraum der Tür bedecken. Diese Folie verhindert, dass beispielsweise Regen- oder Schwitzwasser von innen an die Türverkleidung gelangt. Weiter kann der Türhohlraum jetzt auf Rost untersucht werden. Sind lückenhafte Hohlraumschwachsstellen zu erkennen, so lassen sie sich jetzt gut nachbessern.
12. Doch widmen wir uns nun dem eigentlichen Ziel, die Türinnenverkleidung mit ihrer optisch unansehnlich gewordenen Holzeinlage auszutauschen: Die Verkleidung sollte mit der Rückseite nach oben auf die Werkbank gelegt werden. Achtung: Unbedingt den Bezug der Verkleidung schützen und zunächst eine Schutzdecke auf die Werkbank legen.
13. Erfreuliche Schwaben-Konstruktion: Die Holzeinlage ist verschraubt – nicht geklipst, nicht geklebt oder eingeschweißt. So lässt sich sauber mechanisch arbeiten.
14. Nach dem Lösen der Verschraubung kann das Holz aus seinem Bett genommen werden.
15. Optischer Abgleich auf der Werkbank: Ist das Ersatzteil auch wirklich formidentisch?
16. Praxis-Test: Das Ersatzteil passt akkurat und bündig. Alles gut.
17. Gunst der Stunde: Spezieller Kunststoffreiniger hilft Verschmutzungen zu beseitigen. Einsprühen und nach Herstellerangabe einwirken lassen.
18. Anschließend mit Tuch säubern.
19. Das Ersatzholz in das gereinigte Bett einlegen, Verkleidung wieder umdrehen und von der Rückseite behutsam die Verschraubungen per Hand aufsetzen. Dabei viel Fingerspitzengefühl walten lassen. Schrauben nicht mit Kraft eindrehen, besser etwas Silikonspray aufs Gewinde, damit die Montage geschmeidig und zerstörungsfrei läuft.
20. Schließlich mit Werkzeug die Schrauben fest drehen. Dabei gilt aber auch für diese Schrauben wieder: lieber zu vorsichtig als zu nachsichtig – es gilt, Abrisse der Bolzen zu vermeiden.

In der nächsten Folge zeigen wir, wie die Verkleidung mit der ausgetauschten Holzeinlage wieder an die Tür gebaut wird.

Bilder: Tobias Kerner

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