Dodge Rebellion unter 1 Mio Mustangs

1966. Was für ein Jahr! Aufbruchsstimmung und Neuordnung, wohin man auch
blickt – ob politisch, musikalisch, in der Mode, Wissenschaft und sogar im Vatikan. Doch 1966 war auch ein großes Autojahr. Im Jahr des Feuerpferdes wurde nicht nur Fords bestes Pferd im Stall stärker befeuert, sondern auch ein neuer Dodge gecharged. Zum 45-Jährigen hat AUTO MOBILES – TRÄUME WAGEN die beiden Kontrahenten jetzt einmal von der Leine gelassen…

Die Welt war 1966 noch streng in Ost und West geteilt. Die südlichen Länder waren vielfach Ex-Kolonien und spielten in der Weltordnung keine ernst zu nehmende Rolle. Obwohl es in diesem Artikel vornehmlich um den ersten Dodge Charger und den Ford Mustang GT geht, empfiehlt sich ein kurzer Blick auf das pulsierende 66er Umfeld. Politisch begann sich der Kampf der Systeme mit der sozialistischen Revolution in Kuba zu verschärfen. Sowohl Washington als auch Moskau versuchten mit allen Mitteln eine Vorherrschaft zu erreichen. Es wurde wettgerüstet beim Militär und für die Eroberung des Weltraums – natürlich vor dem Gegner. Unbemannte US-Raumsonden flogen erstmalig zum Mond und lieferten erste Vor-Ort-Bilder. Dafür schaffte es eine Sonde der damaligen UdSSR, als Erste zur Venus zu fliegen. In China startete am 18.08.66 die unselige Kulturrevolution des Mao Tse Tung und elf Tage später spielten die Beatles in San Francisco ihr letztes Konzert. Kurz zuvor hatte John Lennon noch skandal-trächtig behauptet, dass die Beatles nun populärer als Jesus seien. Der neue Geist der Freiheit mischte die Welt jetzt endgültig auf. So hob die römische Kurie den seit 1559 geführten und 500 Seiten starken „Index der verbotenen Bücher“ auf. Auch das Bild der Frau veränderte sich drastisch. Während Yves Saint Laurent erstmalig Models mit durchsichtigen Blusen und aufgeklebten Wimpern aufmarschieren ließ, sang Nancy Sinatra, dass „these boots are made for walking“ sind. Am 20. Februar 1966 wurde Cindy Crawford geboren und mit Mike Tyson erblickte eine spätere Muskelmaschine ebenfalls das Licht der veränderten Welt. Neue, coole Typen waren 1966 gefragter denn je. Steve McQueen pokerte als Cincinnati Kid auf der Leinwand und die US-amerikanischen Automobil-Konzerne starteten das neue Genre der Musclecars…

Die Konkretisierung des Ford Mustang GT
Der 1964 eingeführte Ford Mustang war zunächst als kleines Ponycar für junge Familien und moderne Singles gedacht. Er besaß zunächst auch nur eine mittelprächtige V8-Maschine mit 121 kW und 260 cui aus dem Markenbruder Falcon. Außerdem zwei solide aber lahme 6-Zylinder-Reihen-Motoren mit 74 oder 88 kW. 1966, zum Ende der ersten Serie, waren bereits 1 Million Ford Mustang, zumeist mit 6-Zylinder-Motoren, verkauft.  Erst mit dem GT Modell näherte sich das Ponycar ab 1965 mit 4,7 Liter-8-Zylinder Maschine und drei Leistungsvarianten von 147/165/199 kW dem Musclecar-Hype an. Auch fuhren die verschiedenen Sondermodelle von Exklusiv-Tuner Caroll Shelby mit über 300 PS aufmerksamkeitsstark durch die Lande oder über die Rennstrecken. Der Serien-GT besaß nun ein frei schwebendes Pferd auf dem Kühlergrill. Neue, sportliche Rundinstrumente vor dem nun gepolsterten Armaturenbrett und Sicherheitsfeatures wie 3-Punkt-Gurte und Warnblinkanlage ergänzten den Grand Touring-Auftritt. Der von uns getestete originale 66er GT-A-Code war mit dem mittleren V8-Block mit 165 kW oder 224 PS ausgestattet und hat in seiner gesamten Anmutung alles, was man sich unter einem kleinen, sexy US-Car vorstellt. Metallic-Lackierung in Grau mit schwarzen Stripes, schwarzes Pony-Interieur, revidierte Technik und alles sauber abgenommen mit deutscher H-Zulassung. Doch was produzierte der Chrysler-Konzern 1966, um sich gegen die explosionsartig wachsende Pferdeherde zu behaupten?

Die Geburt eines Giganten
Chryslers deutliche Antwort auf die verkaufsstarken Ford Mustang-Modelle und den Wahnsinn des Herren Shelby war die Entwicklung des Dodge Charger auf Basis des Dodge Dart (neben dem Plymouth Barracuda und dem seit 1966 Hemi-motorisierten Plymouth Satelite aus eigenem Hause). Mit dem reinen Fastback-Modell wurde wie kaum bei einem anderen ab dem 01. Januar 1966 der Sog ins Musclecar-Zeitalter verstärkt. Der Charger-II-Prototyp sorgte schon 1965 auf den US-Auto-Shows mit seinen scheinbar ewig nach hinten auslaufenden C-Säulen für großes Aufsehen. Als Leader der „Dodge Rebellion“ platzierte Chrysler den Charger selbstbewusst im Marktsegment der mittelgroßen Sportwagen. Berühmt wurden die Klappscheinwerfer hinter dem breiten Plastik-Grill, die bis heute für klassische Charger bis Baujahr ´74 charakteristisch sind. Die vier Einzelsitze verströmten zusammen mit den vier großen Rundinstrumenten eine besondere Art von Flugzeug-Atmosphäre. Überhaupt rühmte sich Dodge seinerzeit, alle neuen Ideen und Designs vom Zeichenbrett bis in die Serie übertragen zu haben. Dies entsprach dem Zeitgeist der Erneuerung Mitte der Sechzigerjahre, und so fiel auch die Rebellion im Werbefeldzug sofort auf fruchtbaren Boden. Das Muskulöse am Charger waren neben der schnittig-mächtigen Optik aber vor allem die vier erhältlichen V8-Aggregate vom Standard 318 cui mit 230 PS bis zum 426er Hemi-Motor mit 425 PS und 210 km/h V-Max.
Win on Sunday, sell on Monday

Das Hemi-Paket brachte den Charger 1966 auch direkt auf die Rennstrecken und sicherte den Gewinn der NASCAR Manufacturer´s und Drivers Championships durch David Pearson. Die Erlaubnis, in der NASCAR Rennserie mit Hemi-Motoren anzutreten, führte 1966 auch zu einem Renn-Boykott des FORD-Konzerns. Ein Eigentor, wie sich schnell heraus stellte. Denn die NASCAR-Erfolge der nur leicht modifizierten Serien-Musclecars entschieden derzeit unmittelbar über die Abverkäufe der Händler. Folgerichtig war FORD in der NASCAR ab 1967 wieder am Start.

Season´s Kick Off in Trappenkamp
Um uns den beiden 66er Kontrahenten in natura zu nähern, vereinbarten wir eine kleine Ausfahrt ins Grüne nahe der schleswig-holsteinischen Seenplatte. Wenn man auf die neben einander stehenden Fahrzeuge blickte, fiel sofort der Größenunterschied auf. Der Charger wirkte sogar noch bulliger als sein eigener Nachfolger ab 1968 und degradiert den Mustang optisch beinahe in die Kompaktklasse. Dieses bekannte Manko (besonders für größere Fahrer) gleicht der Mustang mit seinem GT-Paket und viel Charme wieder aus. Trotz den ursprünglich 26 PS weniger Leistung, fuhr sich der Ford dann auch erwartungsgemäß agiler als das Detroiter Dickschiff. Das hilft natürlich auch bei hiesigen Kurvenfahrten. Und Kurven wurden dem Charger 1966 in den USA weder auf der Straße noch im Oval wirklich zugemutet. Nachdem der Charger warm gelaufen war, zeigte sich aber zunehmend das Drehmoment des frisch Importierten. Die 3-Gang-Automatik mit frischem Getriebeöl schaltete sauber durch und schob den schweren Jungen souverän über den Asphalt, egal ob vor, neben oder hinter dem leichtfüßigen Mustang.
Nach dem direkten Vergleich der beiden Ikonen stellen wir abschließend fest: Einen Charger der ersten Serie in Deutschland zu bewegen, hat Seltenheitswert und bietet einen charakterstarken Auftritt. Einen 66er Mustang GT auszufahren, sichert einem neben großem Fahrspaß hohe Punktzahlen auf der allgemeinen Beliebtheitsskala. Beides sind letztlich realisierbare Traumwagen und würdige Vertreter ihres 66er Jahrganges.

Die Konkretisierung des Ford Mustang GT
Der 1964 eingeführte Ford Mustang war zunächst als kleines Ponycar für junge Familien und moderne Singles gedacht. Er besaß zunächst auch nur eine mittelprächtige V8-Maschine mit 121 kW und 260 cui aus dem Markenbruder Falcon. Außerdem zwei solide aber lahme 6-Zylinder-Reihen-Motoren mit 74 oder 88 kW. 1966, zum Ende der ersten Serie, waren bereits 1 Million Ford Mustang, zumeist mit 6-Zylinder-Motoren, verkauft.  Erst mit dem GT Modell näherte sich das Ponycar ab 1965 mit 4,7 Liter-8-Zylinder Maschine und drei Leistungsvarianten von 147/165/199 kW dem Musclecar-Hype an. Auch fuhren die verschiedenen Sondermodelle von Exklusiv-Tuner Caroll Shelby mit über 300 PS aufmerksamkeitsstark durch die Lande oder über die Rennstrecken. Der Serien-GT besaß nun ein frei schwebendes Pferd auf dem Kühlergrill. Neue, sportliche Rundinstrumente vor dem nun gepolsterten Armaturenbrett und Sicherheitsfeatures wie 3-Punkt-Gurte und Warnblinkanlage ergänzten den Grand Touring-Auftritt. Der von uns getestete originale 66er GT-A-Code war mit dem mittleren V8-Block mit 165 kW oder 224 PS ausgestattet und hat in seiner gesamten Anmutung alles, was man sich unter einem kleinen, sexy US-Car vorstellt. Metallic-Lackierung in Grau mit schwarzen Stripes, schwarzes Pony-Interieur, revidierte Technik und alles sauber abgenommen mit deutscher H-Zulassung. Doch was produzierte der Chrysler-Konzern 1966, um sich gegen die explosionsartig wachsende Pferdeherde zu behaupten?

Ford Mustang 1966 GT – A Code
Die saubere Lackierung in Grau Metallic mit den schwarzen Racing-Stripes steht diesem Modell. Der Frontgrill (oder nur das Emblem) ist irgendwann einmal gegen einen Früheren getauscht worden, denn neben dem Mustang-Emblem finden sich links und rechts die beiden Zierstreifen vor Baujahr ´66. Der GT klingt satt aber nicht so böse wie der Charger und fährt sich sehr schön.

 

Erstzulassung: 07/1966
Farbe: grau metallic (US-Lackierung, 1 Jahr alt)
Hubraum: 289 cui/4.700 ccm
Leistung: 165 kW (224 PS)
Getriebe: 3-Gang-Automatik
Specials: Doppelrohrauspuffanlage (mächtiger, böser Sound), Scheibenbremsen mit Bremskraftverstärker, komplett erneuertes, schwarzes Pony Interieur, Außendichtungen und Chrom erneuert,
Außendichtungen und Chrom erneuert, ungeschweißtes California Black Plate Car ohne notwendige Schweißarbeiten, Fahrzeug ist zulassungsfertig mit neuer Inspektion /HU- und H-Abnahme.
Preis: 19.999,- Euro

 

Dodge Charger 1. Serie – 1966

Das vergleichsweise günstige, getestete Auto hat echtes Cruising- und Show-Potential und wartet darauf, von einem Kenner und Liebhaber entdeckt zu werden. Für Zulassung und Alltagstauglichkeit sind noch einige Details zu optimieren. Die rostfreie Karosse und die solide Technik bilden eine perfekte Basis.

Erstzulassung: 07/1966
Farbe: rot (US-Lackierung, 1 Jahr alt)
Hubraum: 318 cui/5.300 ccm
Leistung: 184 kW (250 PS)
Getriebe: 3-Gang-Automatik
Specials: Doppelrohrauspuffanlage (mächtiger, böser Sound), Scheibenbremsen vorne, neue Centerline-Felgen mit neuen Reifen, schönes schwarzes Originalinterieur, Unterboden – soweit ersichtlich – noch ungeschweißt
Preis: 11.111,- Euro

 

Beide Fahrzeuge gesehen und gefahren bei Carlifornia in Schleswig-Holstein, www.carlifornia.de

 

Bilder: Andreas Aepler und Gareb Aepler

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