Rallye Monte Carlo Historique

Ende Januar ging es wieder zur Rallye Monte Carlo. Direkt im Anschluss wurde mit der 14. historischen Variante auch gleich die 100. Ausgabe der berühmtesten Rallye der Welt gebührend gefeiert. Mit von der Partie – ein 1964er Ford Falcon, dem Auto Mobiles-Träume Wagen dicht auf den breit besohlten Fersen war…

Tatsächlich ist „unser“ 1964er Ford Falcon das gleiche Modell, mit dem Bo Ljungfeld einst den erfolgreichen Rallye-Saab das Fürchten lehrte. Aufgebaut wurde der Falcon von dem erfahrenem Mustang Shelby-Schrauber und Monte Carlo Piloten Michael Bruns aus Linkenheim in Süddeutschland. Bruns, Baujahr 1957, ist Diplom-Ingenieur und wurde begleitet von Christoph Schwartz als rennerfahrenem Co-Piloten. Schwartz, ebenfalls Diplom-Ingenieur und Baujahr 1964, lebt in Paris und ist bekannt durch seine wirklich spektakulären Auftritte bei diversen Classic Endurance Racing-Events. Dort tritt er das Gaspedal eines ausgeräumten original Nascar 1974er Dodge „Olympia“ Chargers mit seinem 595 PS Renn-Aggregat mutig und kräftig durch. Das Paar Bruns-Schwartz hat indes schon Monte Carlo Historique-Erfahrung auf dem Kerbholz. 2006 traten die beiden als Fahrer und Schrauber mit dem großen 1968er Ford Fairlane an und kamen auf den 181. Rang von 320 Teilnehmern.

Doch auf was für ein Abenteuer haben sich die beiden Falcon-Fahrer eigentlich eingelassen? Wie ist die klassische Variante der Rallye Monte Carlo organisiert? Und das alles im Jahr des 100. Jubiläums des Originals, die mit modernen Fahrzeugen direkt vorher vom 19. – 22. Januar stattgefunden hat – und deren Sieger dieses Jahr Bryan Bouffier auf Werks-Rallye-Peugeot 207 war. Die Rallye Monte Carlo gilt seit jeher als eine der „Mütter“ aus der Welt des Motor- und Rallyesports schlechthin. Signifikant und viel zitiert ist hierbei der 1.607 Meter hoch gelegenen Bergpass und Publikumsmagnet „Col de Turini“ im Hinterland des Fürstentums Monaco. Die „Monte Historique“ wird seit 14 Jahren vom “Automobile Club de Monaco” veranstaltet. Erinnert werden soll an halsbrecherische Fahrten, wie sie Erik Carlsson auf Saab 96 zelebrierte (Sieger 1962, 1963) oder an die unvergessenen Siege der wild driftenden Mini Cooper (1964, 1965, 1967). Auch Walter Röhrl inspiriert die Fans der alten Rallyetage bis heute und bleibt unvergessen, als er 1982 mit einem heck- getriebenen Opel Ascona gegen die Audi-Quattro-Armada die Oberhand behielt und die Monte zum zweiten Mal nach 1980 gewann.

Zugelassen sind nach strengem Reglement nur diejenigen Fahrzeuge, die zum einen offiziell verkehrstauglich sind und von denen ein vergleichbares Modell an einer Rallye Monte Carlo zwischen 1955 und 1977 teilnahm. Dieses Jahr gingen 328 Autos (statt der ursprünglich geplanten 300) von 42 Marken mit Fahrern aus 24 Ländern an den Start, darunter etliche Porsche 911, Alfa Romeo Giuletta Zagato, Renault Alpine oder Ford Escort RS. Citroën DS und andere für eine Rallye-Teilnahme für den Laien eher urig anmutende Fabrikate wie Trabant 601 oder Mercedes Heckflossen waren ebenfalls am Start. Zig berühmte, ehemalige Monte-Sieger fuhren mit ihren früheren Fahrzeugen mit. So huldigten Hersteller wie Renault, Citroën oder Mini dem runden Geburtstag des Events. Mit dabei Bruno Saby auf Renault R5 Turbo und Rauno Aaltonen, Gewinner 1967, erneut auf Mini Cooper S.

Die „Monte Historique“ ist eine Art Sternfahrt, die über eine Woche nonstop läuft. 2011 gab es fünf Startpunkte. Drei davon in Marrakesch (Marokko), Warschau (Polen) und Glasgow (Schottland). Für Fahrzeuge älter als Baujahr 1966 oder mit weniger als 1.150 ccm Hubraum gab es zwei erleichterte, weil näher an Monaco gelegene Startpunkte: Barcelona in Nordspanien und Reims in Nordfrankreich. Die Rallye zählt für alle Teilnehmer ab deren Startpunkten. Es gibt Vorgaben für Zeit und/oder Durchschnittsgeschwindigkeit, die genauestens einzuhalten das Ziel einer jeden Etappe sind. Egal, ob Zwischenetappe oder knackige Wertungsprüfungen, je weniger Strafpunkte durch zu frühes oder zu spätes Ankommen, desto besser. Bei den Zeitprüfungen gibt je 2 Strafpunkte für 0,1 Sekunde zu früh und 1 Punkt für je 0,1 Sekunde zu spät. Deshalb ist die Devise lieber etwas zu spät anzukommen.

Christoph erzählte uns auf der Rückfahrt nach Paris von einer Vorgabe mit dem km/h-Schnitt von z.B. 47,9 km/h, was zunächst easy klingt, jedoch bei einer Bergetappe nachts über Schnee und Eis eine echte Renn-Herausforderung wurde. Dabei schaffen es die Top-Fahrer, unter 5 Sekunden an einer Zeitvorgabe „vorbei“ zu fahren.

Dies ist dem Falcon-Team seit ihrem Start in Reims nur fast genauso gut gelungen. Michael Bruns ist neun Prüfungen von insgesamt 14 gefahren, Christoph absolvierte fünf  Prüfungen. Bester Score bei Michael waren 261 Penalty Punkte (also 26,1 Sek. zu spät) in Col de Turini. Bestes Wertungsergebnis für Christoph waren dagegen nur 127 Penalty Punkte (das heißt lediglich 12,7 Sek. zu spät) in Saint Auban. Doch einfach war dies alles nicht. Es gab zwei Nachtetappen und lange, kurvige Kilometer auf teils verschneitem und vereistem Asphalt zu bewältigen.

Als Christoph in einer Kurve in den Bergen in die Schneehaufen am Rand heraus getragen wurde, konnte eine Alfa Giuletta noch problemlos passieren, doch ein 70er Jahre 911er Porsche touchierte mit dem linken Vorderkotflügel die rechte Seite der hinteren Kunststoff- Stoßstange des Falcon, welche aber mit Tape schnell wieder fixiert werden konnte. In der letzten Nacht hat das Falcon Team auf blankem Eis mächtig Gas gegeben und den sicher geglaubten 3. Klassenplatz eines Norweger Jaguar E-Type noch weggeschnappt! Insgesamt hieß dies Platz 78 und eben 3. der Klasse. Chapeau, die Herren! Nicht schlecht für die erst zweite Rallye-Teilnahme in einem so mächtigen Wagen wie dem 64er Ford Falcon. Der Erfolg wurde auf dem Bankett nach der Rallye in Monte Carlo natürlich gebührend gefeiert.

Offizielle Seite der Rallye Monte Carlo:www.acm.mc

Bilder: Gilles Vitry

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