1974er Chevrolet Monte Carlo Landau – Monegasse aus Detroit

Ein Landau aus Landau. So beginnt der wohl ausführlichste Bericht eines AUTO MOBILES – TRÄUME WAGEN – Lesers seit Beginn der Zeitrechnung über die überaus penible Restauration eines 1974er Chevrolet Monte Carlo Landau.

Der Besitzer des metallicbraun glänzenden Schmuckkästchens teilte uns mit: „Ich bin ein einfacher, ehrlich arbeitender Kaufmann für Stoffe, habe kein Pferd, kein Boot, kein Haus und auch keine Frau. Dafür aber zwei wunderbare Autos. Einen Chevrolet Camaro Targa der letzten Baureihe und jetzt einen 74er Chevrolet Monte Carlo Landau.“ Ansonsten ist Herr Menemencioglu (in Folge Herr M. oder kurz M.) aber selbst kein „Autoschrauber“ und wie viele andere, davon abhängig, was ihm von so genannten Fachwerkstätten angeboten wird. Doch von einer derart verzweifelten Suche nach fachgerechter Restaurierung hatten wir so noch nie gehört…

In Landau wurde also der Chevy Monte Carlo Landau, Baujahr 1974, gefunden. Die untypische Formgebung, deren Scheinwerfer und Frontpartie Herrn M. an einen aktuellen Bentley Brooklands erinnerten, die Heckscheibe mit Knick, das partielle Vinyldach und viele für die 70er Jahre untypische Ausstattungsmerkmale trafen ihn sofort in sein Sammlerherz. Technisch gesehen scheinbar einwandfrei, konnte sich M. trotz schlechten Zustandes von Lack, Türen, Hauben, Dach, Vinyl, Innenausstattung und Kunstleder für 12.900,- mit dem Fahrzeug anfreunden. Gut 6.000 km standen auf dem Tacho, was der Laufleistung des neuen Triebwerks entsprach. Doch so einfach, wie er sich das gedacht hatte, sollte es nicht werden.

Der 90 Grad-Schwenk-Mechanismus der Schalensitze funktionierte zwar einwandfrei, doch das aufgerissene, durchgesessene Kunstledergestühl war trotz Lammfellsitzbezügen ungenießbar geworden. Auch die stark verblichenen Kunststoffanbauteile konnten den Liebhaber auf Dauer nicht befriedigen. Durch starken Regen erlitt der Wagen dann einen schweren Wasserschaden. Der Teppich begann sich aufzulösen, Löcher im Dachhimmel sowie diverse elektrische Probleme verlangten nach professioneller Hilfe. M. suchte jemanden, der ihn und seine Leidenschaft für diesen Wagen versteht. Doch er kannte auf Anhieb keine Fachwerkstatt. Auf DMAX schaute er Sendungen wie Overhaulin´ und Co. So kam er z.B. auf West Coast Customs in Berlin, wo aber ähnlich wie bei anderen Werkstätten kein Interesse an dem Landau zu bestehen schien. Typische Ansagen waren: „Sie haben ein Vinyldach in beige?

Dann suchen Sie mal weiter, bei uns machen wir das nicht!“. „Aber für den Rest können Sie den Wagen hierlassen, wir gucken mal, was wir damit machen können.“ Schließlich fand er in der AM TW die Anzeige der Firma VF-Interior Concepts/VF-Tuning aus Düren, nur knapp 40 km von M.´s Heimatort entfernt. Es ist Freitagabend und so überwindet sich M. den AB zu besprechen. Der Kontakt war dann aber vom Start weg positiv und Herr M. bekam endlich die gewünschte Betreuung: Freundliche Begrüßung, fotografische Kompletterfassung des Monte Carlo, genaue Erklärung der Abläufe einer Restaurierung im Hause VF-Interior Concepts. Um seinen Qualitätsstandard zu verdeutlichen, zeigte VF-Chef Feldkamp einen Chrysler mit kompletter Innenraumüberarbeitung vom tiefschwarzen Teppich bis zu blutroten Echtleder-Sitzen mit Rautenstruktur. So etwas hatte M. zuvor noch nie bei einem Chrysler gesehen – er fühlte sich eher an Rolls Royce oder Bentley erinnert. Er erhielt dann wenige Tage später ein äußerst detailliertes Angebot für die Restaurierung des Landau.

Beim zweiten Vorort-Termin erläuterte VF seine Vorgehensweise:
Bis zum Beginn der Arbeiten müssen alle Wünsche geäußert werden und der Kunde schaut sich den Wagen niemals während der Arbeiten an. Auslieferung mit zwei Monaten Spielraum, Geld bis auf 10% im voraus samt 500 ,- Euro Luft für unvorhersehbare Reparaturen. Nach ausführlicher Computer-Animation entschied sich Herr M. für ein Innenraum-Designkonzept in cremeweißem, anilinen Leder im Stile der 70er mit einer Kombination aus Rauten und Balken. Man versprach, den rissigen, schlechten Lack zu scannen, die Schäden zu entfernen und den Wagen teilweise „beizulackieren“ und mit neuem Klarlack zu versiegeln. Der Umstand, dass M. seinen Wagen zwischendurch nicht sehen durfte, machte M. äußerst nervös. Trotzdem zahlte er die verbliebene Restsumme und durfte Fotos des zerlegten Wagens sehen, was Erschreckendes zutage brachte: Unter dem Vinyldach blühte der Rost, die hintere Sitzwanne, die Türblätter und die Rahmen der Heckscheibe waren zerfressen. Wasser lief in den Innen- und Kofferraum. Die Dichtungen waren geflickt, die Tür-Halterungen verbogen, die Schlösser schlossen nicht, die Türen hingen, unter dem Armaturenbrett ein alter Kabelbrand, Klimaanlage und Steuerung waren brachial entfernt worden, Teppiche und Bitumenmatten lösten sich auf.

Das Warten eine Qual, klingelte endlich das Telefon – Übergabe am nächsten Tag. Herr Feldkamp wollte persönlich vorbei kommen und M. konnte kaum noch etwas essen… Auf der Fahrt zu VF bekam M. keine Informationen. Dies würde die Vorfreude zerstören. Für M. unerträglich. Angekommen, hielt Feldkamp M. zurück. Er sagte, „Herr Menemencioglu, da gibt es etwas, das ich Ihnen sagen muss, bevor Sie Ihren Wagen sehen dürfen.“ M. rutschte das Herz in die Hose. „Wir haben Ihren Wagen nicht entbeult, beilackiert oder mit Klarlack überzogen.“ M. stirbt 1000 Tode… „Herr Menemencioglu, wir haben Ihren Wagen vollständig entrostet, den Lack abgeschliffen, Beulen und Dellen entfernt, die Karosserieteile neu ausgerichtet und dann alles neu lackiert!“ M. rang nach Luft, sollte das wirklich möglich sein?

Der Wagen war nahezu neu. M. wusste nicht, wo er zuerst hinsehen sollte. Leder, Lack, Vinyl und Chrom – alles perfekt, besser als erträumt – und viele zusätzliche Details wurden gelöst: das Holzlenkrad – wie neu, Firmenembleme in den Türen restauriert, handgefertigte Teppichmatten, passend umkettelt mit Monte Carlo Logos, eine höhere Mittelkonsole mit weicher Armauflage – auch dieser Wunsch wurde erfüllt.
Jetzt in Leder: Armaturenbrett, A-Säulen, Sonnenblenden, Dachhimmel, sämtliche Verkleidungselemente, sogar die Rückseite der Schalensitze, ab Werk aus lackiertem Plastik. Im Kofferraum ein perfekter Teppich mit Monte Carlo Logo. Reserverad und -Kanister erhielten abnehmbare Bezüge aus farblich passendem Kunstleder. Eine weitere Tasche enthielt ein exakt passendes Polster-Dustcover. Ein Chevrolet T-Shirt und die VF Kappe lagen gleich daneben.

Herr M. war überglücklich und hat Herrn Feldkamp im türkischen Stil in den Arm genommen, gedrückt und mehrfach links und rechts auf die Wangen geküsst. Der Landau fährt sich nun wie eine Sänfte und erhielt eine Classic Data Note 1- bis 2+.

Bilder: M. Menemencioglu

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