Das Batmobil

In den 60er-Jahren liebte jeder Junge den “caped crusader”, den Kreuzritter mit dem Umhang: Batman, auch bekannt als Fledermausmann. Und natürlich sein fantastisches Auto.

am102011_6984_galleriebild_0

Kinder brauchen Helden. Und der Typ war einer. Und was für einer – noch viel cooler als Superman, und der war schon klasse. Aber mit Superkräften kann das ja jeder. Der Typ hieß Batman und wurde allein mit menschlichen Kräften – ohne Schusswaffen oder solchem neumodischen Zeugs – mit jedem Gegner fertig. Und er hatte keinen Schwachpunkt, wie etwa Superman mit dem gemeinen Kryptonit. Außerdem hatte er einen Jungen als Freund, Robin. Damals dachte sich noch niemand etwas dabei… Und zusammen bildeten die beiden das “dynamic duo”. So was kam bei Kindern gut an, auch wenn einige Moralhüter Schlimmes witterten. Denn Batmans TV-Kostüm war noch heißer als das von Superman. Okay, aus heutiger Sicht muss man zugeben, dass beide Protagonisten Strumpfhosen trugen. Aber das hatten sie mit Robin Hood gemein, und auch der war ein Held. Strumpfhose hin oder her, Batmans Kostüm war klasse, alleine schon wegen der Maske. Schon Zorro trug eine Maske, genau wie das Phantom oder der Lone Ranger. Und alle waren sie sooo cool.

am102011_6984_galleriebild_1

Als Einziger von all diesen Helden besaß Batman ein Auto, das Batmobil. Zugegeben: mit Waffen. Und weil dieses schwarze Überauto der Traum aller Jungen war, gab es das auch im Maßstab 1:43.Von Corgi Toys. Mit funktionstüchtigem Kettenschneider und kleinen Raketen, die nach dem Abschießen immer irgendwo unauffindbar verschwanden. Deswegen waren gleich ein Dutzend Stück dabei. Nur Robin fehlte auf dem Beifahrersitz. Leider.

am102011_6984_galleriebild_2

Viele der Mini-Batmobile haben überlebt, einige Erwachsene kaufen sie heute noch auf Flohmärkten und in Antikläden, weil Ihnen ihr Original von damals abhanden gekommen ist und sie eigentlich nicht ohne leben können. Es gibt auch Leute, die besitzen ein Batmobil im Maßstab 1:1. D a s Batmobil.
Und zwar das aus der 60er-Jahre-Fernsehserie. Die deutschen Fans kamen erst 1989 in den zweifelhaften Genuss der Filmchen, vom Kabelfernsehen geliefert. Okay, toller Sixties-Style, besonders die Kostüme, aber diese Typen sollten die Helden der Kindheit sein? Wo waren die Muckis, wo die Ecken und Kanten dieser Teflon-Fledermäuse? Die Comicfigur war schon 1939 von Bob Kane und Bill Finger geschaffen worden, bereits 1943 gab es die erste Verfilmung – ein Kino-Serial, wie das damals noch üblich war. Die volle Dröhnung mit Anti-Japan-Propaganda. Mit denen befand man sich ja im Krieg. Batman fuhr zu der Zeit allerdings nur ein normales Auto.

am102011_6984_galleriebild_3

Der Bat-Style

1965 plante man schließlich bei “Greenway Productions” eine Batman-Fernsehserie, die vom Sender ABC ausgestrahlt werden sollte. Für den Bau des Autos wandte man sich an Dean Jeffries, einen Pinstriper und Lackierer, der außerdem sowohl Custom Cars als auch Autos für Filmproduktionen baute. Jeff, wie er genannt wurde, machte erste Entwürfe mit einem 59er Cadillac als Basis. Als jedoch der Start der Serie vorverlegt wurde und damit die Zeit für den Bau wesentlich knapper wurde als geplant, gab er den Job an George Barris, den “King of Customs”, weiter. George war wirklich der unbestrittene König auf diesem Gebiet und bekannt dafür, das Unmögliche möglich zu machen. So lieferte er das fertige Batmobil nach nur drei Wochen Bauzeit im Oktober 65 ab. Georges Auto basierte nicht auf einem 59er Cadillac, sondern auf dem Lincoln Futura, einem der zahlreichen “Show Cars” der 50er-Jahre. Mercury-Chefstylist Bill Schmidt hatte ihn 1954 entworfen, nach einer Begegnung mit einem Hai beim Tauchen. Sagt die Legende… Eine gewisse Affinität war durch die scharfen Flossen und das große “Maul” schon da. Auch besaß das “Gesicht” durch die überdachten Scheinwerfer etwas Bedrohliches.

am102011_6984_galleriebild_4

Das Auto war riesig: 5,77 Meter lang und 2,15 Meter breit, aber nur 1,34 Meter hoch. Das Beeindruckendste aber war die Double-Bubble-Plexiglaskuppel, deren Mittelteil man herausnehmen konnte, um an heißen Tagen nicht zu ersticken. Diese neumodischen “Bubble Tops” waren zu jener Zeit der absolute Hit und wurden gern in Custom Cars verbaut. Die renommierte italienische Karosseriebaufirma Ghia in Turin hatte den Futura nach Chrysler-Entwürfen gefertigt – damals war es durchaus üblich, solche Spezialaufgaben nicht im Haus, sondern im fernen Ausland machen zu lassen. Im Gegensatz zu den meisten Show Cars war der Futura voll fahrtüchtig. Er sollte sogar als “rollendes Labor” für zukünftige Entwicklungen dienen, aber das ist nie passiert – warum, ist nicht überliefert. Eigentlich hätte das Auto perfekt zu der Roboterwelt der Zeichentrickfamilie Jetson gepasst – aber die flimmerten erst gut zehn Jahre später über den Bildschirm. Im Januar 1955 wurde der Lincoln Futura auf der Chicago Auto Show offiziell vorgestellt, danach in der berühmten “Ed Sullivan Show” und noch ein paar anderen Fernsehshows und Autoausstellungen gezeigt. 1959 spielte er im MGM-Film “It Started with a Kiss” mit, jetzt rot lackiert. Danach verschwand er und gammelte wahrscheinlich in irgendwelchen Filmgaragen vor sich hin.

am102011_6984_galleriebild_5

Filmauto für 1 $

George Barris befreite das Auto – er übernahm die Reste für den Kaufpreis von einem Dollar. Die futuristische Kiste kam ihm gerade recht, denn damit konnte man sich jede Menge Arbeit sparen. Nur dank dieses Fundes war die knappe Zeitvorgabe überhaupt einzuhalten. Der Futura wirkte ja schon unbearbeitet leicht bedrohlich, jetzt musste das Vehikel nur noch etwas fledermausmäßiger werden. Das hieß: schwarzer Lack, zunächst matt, später glänzend. Dann bekam er ein Fledermausgesicht. Die Heckflossen, die für 1954 übrigens eine unglaubliche Größe hatten, wurden hinten etwas “ausgefranst” und nach vorne bis in die Türen hinein verlängert, behielten ihre Form aber im Großen und Ganzen bei. Überhaupt wurde wenig am eigentlichen Design geändert, allerdings wurden die Radläufe gerundet und aller Chrom entfernt.

am102011_6984_galleriebild_6

Während das Batmobil im Film von einer “atomic turbine engine” angetrieben wurde, arbeitete in Wirklichkeit ein Ford- bzw. Lincoln-V8 unter der Haube. Aufgerüstet wurde Batmans Auto mit den “bat accessories” wie das Batphone und das Batscope. Vor allem der “Emergency Bat-Turn Lever” war eine praktische Einrichtung. Der betreffende Hebel war  – wie alle anderen Hebel, Knöpfe und sonstigen Einrichtungen auch – gut sichtbar beschriftet. Legte der Titelheld ihn um, klappten zwei Bremsfallschirme am Heck aus, die einen sofortigen U-Turn ermöglichten. Wie das im Einzelnen funktionieren sollte, wurde allerdings nie erklärt – wie eigentlich bei allen diesen Features. Auf jeden Fall hatte das Batmobil mehr Gimmicks als James Bonds von Q ausgestatteter Aston Martin, bis dahin das Maß der Dinge. Der Erfolg war gewaltig. Schon im November 1966 baute George drei Repliken. Nicht für die Dreharbeiten – obwohl dafür wahrscheinlich auch mal eine Replik eingesetzt wurde – sondern um die Autos auf allen möglichen Veranstaltungen den begeisterten Massen zu zeigen. Zum Bau hatte man vom Originalauto eine Form abgenommen und die Karosserie dann in Fiberglas gegossen.

am102011_6984_galleriebild_7

Als Basis diente der 65/66er Ford Galaxie. Die drei Repliken unterschieden sich voneinander und von der “Nr. 1” in zahlreichen Details, weil man es beim Bau einfach nicht so genau nahm. Vor allem die Innenausstattungen waren deutlich einfacher als beim Original. Im Laufe der Zeit entstanden zahlreiche weitere Repliken, teils fast perfekte Kopien des Originals, teils in eher mäßiger Qualität, meist auf Basis des Lincoln Continental der 70er-Jahre. Zu den guten Repliken, die sich recht eng ans Original halten, gehören die Exemplare der Firma CY Productions, die schon seit fast 25 Jahren im Geschäft ist. Auch Kits zum Selberbau bietet sie an. Firmenchef Clint Young hat übrigens als Batman-Double angefangen.

am102011_6984_galleriebild_8

Eine eher mäßige Replik wurde im vergangenen Jahr von der renommierten Firma RM Auctions für mehr als  90.000 Dollar versteigert. Das Originalauto, das sich immer noch im Besitz von George Barris befindet, war 1965 mit 125.000 Dollar versichert, wird jetzt aber auf rund zwei Millionen Dollar geschätzt. Bei einer “Cruise Night” in L.A. war vor kurzem eine herausragende Replik von Tom Woodruff, Jr., einem bekannten Special-Effects-Mann aus Hollywood, zu sehen. Jedenfalls Teile davon – Trauben von Menschen versperrten meistens die freie Sicht.

Was beweist, dass es auch jetzt noch viele Erwachsene gibt, die vom Batmobil fasziniert sind.

am102011_6984_galleriebild_9

am102011_6984_galleriebild_10

am102011_6984_galleriebild_11

am102011_6984_galleriebild_12

am102011_6984_galleriebild_13


Bilder: Hans Pfeiffer, Darin Schnabel Courtesy of RM Auctions, Archiv

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code