Nur eine tote Fliege ist eine gute Fliege

avatar_6Was macht einen guten Autofahrer aus? Ist es ein Mann in einem bunten Wagen, der Pirouetten dreht, bis die Reifen Feuer fangen – oder doch die Hausfrau, die seit dreißig Jahren unfallfrei fährt? Und was haben Insekten damit zu tun?

Neulich kratzte ich mal wieder nach einer Tour Insektenteile vom Kühlergrill und sinnierte darüber, was einen guten Autofahrer ausmacht. Grund dafür war, dass ich ein paar Tage zuvor über einen Mann namens Ken Block gestolpert war. Block ist ein 43-jähriger Kalifornier, der 1993 mit seinem Buddy die Schuhmarke DC Shoes gründete, einige Male an der Extremsportveranstaltung X-Games teilnahm und irgendwann in den Rallyesport einstieg. Er selbst bezeichnet sich als „Hoonigan“, ein abgeleiteter Begriff auf dem Australischen, der soviel wie Road-Rüpel bedeutet. Menschen aus aller Welt bewundern Block für seine Fahrkunst, die man im Internet bestaunen kann. Sein Video „Gymkhana 3“ zählt zu den zehn meist gesehenen You-Tube-Filmchen des vergangenen Jahres, wie ich las. Unlängst erschien „Gymkhana 4“, auch diesmal schleudert und driftet der Mann, als ob es ein Gesetz gegen das die gerade Linie gäbe. Zweifelsohne kann man sich über die hässlichen Klamotten ereifern, die Block vertreibt – über den Ford, den er einst fuhr, über den jetzigen Subaru. Stilistisch schwierig, die ganze Angelegenheit, um es zurückhaltend zu formulieren. Was Marketing angeht, ist Ken Block in jedem Fall ein Meister. Dennoch sind die Filme sehenswert: Da driftet der Mann millimetergenau um Hindernisse, kreiselt um Menschen in Gorilla-Kostümen, dreht Pirouetten, bis die Reifen Feuer fangen, jagt um Kurven – immer quer stehend, versteht sich. Wie viele Takes für die Videos benötigt, Affendarsteller umgenietet und wie viele Subarus zerlegt wurden, wird man niemals erfahren. Ist auch egal. Offenbar hat der Mann Freude an dem, was er tut. Das soll ja manchmal reichen.

Ich fragte mich: Ist Ken Block deswegen ein guter Autofahrer, weil er sich grundsätzlich im Krebsgang bewegt? Oder sollte man jetzt die berühmte Hausfrau zu Felde führen, die sich damit brüstet, seit 40 Jahren unfallfrei zu fahren? (Und in dieser Zeit etwa 10.000 andere Verkehrsteilnehmer in den kollektiven Wahnsinn trieb, weil sie sich immer an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielt, vor jeder Ampel verlangsamte, weil sie rot werden könnte und im Kreisverkehr grundsätzlich außen fuhr. Aber das sei nur nebenbei bemerkt.)

Sicher ist nur eins: Die Fahrkunst liegt im Auge des Betrachters. Und im Zweifel hilft es immer, eins der legendären Zitate von Walter Röhrl zu zitieren: „Die wirklich guten Fahrer haben die Fliegen auf den Seitenscheiben.“ Ich zuckte mit den Schultern und schrubbte weiter an dem Kühlergrill und Frontscheibe herum. Okay, ich hatte die Fliegen nur frontal erwischt – aber es war ein Anfang.

2 Gedanken zu “Nur eine tote Fliege ist eine gute Fliege

  1. Hallo Wiebke!

    Ein guter Autofahrer ist derjenige, der sein Fahrzeug stets kontrolliert. Wenn Ken Block quer durch eine Kurve fährt, milimeter genau um eine Pylone zirkelt oder einfach nur mit hoher Geschwindigkeit durch die Prärie heizt, so hat er sein Fahrzeug stets unter Kontrolle.
    Die Hausfrau, die strich 30 fährt hat ihr Fahrzeug in der Regel auch unter Kontrolle. Somit sind sie beide gute Autofahrer…
    Ein schlechter Autofahrer fährt zu schnell bzw. zu unkontrolliert für sein können – Hauptunfallursache: Geschwindigkeit
    Er überschätzt sich und kann sein Fahrzeug nicht mehr richtig kontrollieren. Oft geht es gut, da nichts ungewöhnliches passiert, aber wenn es dann zu einer Überraschungssituation kommt, so hat er keine Chancen und schädigt meist sich und/oder Andere.
    Die Position der Fliegen sagt selten was über das Können des Fahrzeugführers aus. Walter Röhrl wollte damit lediglich sagen, dass die guten Autofahrer auch schnell durch die Kurve fahren können und nicht lediglich auf gerader Strecke.

  2. Moin Wiebke,

    Zitat:
    “Zweifelsohne kann man sich über die hässlichen Klamotten ereifern, die Block vertreibt – über den Ford, den er einst fuhr, über den jetzigen Subaru.”

    Leider ist das die falsche Reihenfolge, Ken Block fuhr zuerst Subaru (erst den Stufenheck / Gymkhana 1, danach den Hatchback / Gymkhana 2) und dann Ford Fiesta (Gymkhana 3 & 4)!

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