Dodge Challenger R/T

Dieser Dodge Challenger R/T hat es faustdick unter der Haube und hinter der Kurbelwelle:
Er schafft den Viertelmeilen-Track in unter zwölf Sekunden! Doch dank des separaten Overdrive-Getriebes cruist man mit ihm danach ganz entspannt nach Hause…

AM112011_6996_challanger_r-tAlex C. muss ein glücklicher Mann sein. “Mein roter Dodge Challenger R/T ist nicht nur ein Show & Shiner, sonder ein echter Kerl. Der Erbauer hat ihn so geschaffen, dass man ihn auch wirklich gebrauchen kann. Er bringt 11.92 Sekunden aus dem Stand auf der Viertel-Meile und kann sogar noch gut im Straßenverkehr bewegt werden. Ein echter Road and Track eben.”

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Dave Robson sei dank: Der Engländer nahm den abgerittenen Challenger komplett auseinander und restaurierte ihn mit Liebe zum Detail.

Der “Erbauer”, das ist Dave Robson. Der besaß den Wagen 21 Jahre lang als echten Alltags-Klassiker, den er in liebevoller Kleinarbeit anfangs selbst restaurierte. Er nutzte die Jahre auch für eine grundlegende Technik-Revision und Tuning-Arbeit. Hierbei war sein Ziel, gute Viertelmeilen-Zeiten bei offenen Track-Days in Großbritannien zu fahren.

dodge_challenger_rtDer Plan war: Veränderung des “Matching Numbers”-Autos nur soweit nötig, um dem T im Namen (für Track)wirklich gerecht zu werden ohne das R (für Road) zu verschlechtern. Ein Spagat, den Chrysler seinerzeit auch schon bewältigen musste. Deshalb gab es zum Beispiel optional ein Hand geschaltetes Viergang-Getriebe.
Dave Robson baute für den schnelleren Sprint eine kürzer übersetzte Hinterachse ein, wollte seinen mit TorqueFlite-727-Dreigang-Automatik ausgestatteten Wagen aber nicht auf Handschaltung umrüsten. Was tun? Er installierte ein zusätzliches Overdrive-Getriebe neben dem Automaten. Zuschaltbar bei potentiell jedem der drei Gänge per Fuß-Schalter links neben dem Bremspedal. Natürlich nutzt man den Overdrive-Gang dann im Road-Betrieb erst ab dem zweiten, für ein gesundes Cruisen eher ab dem dritten Gang. Außerdem kann man die Overdrive-Funktion auch als Motorbremse einsetzen. Das Ganze funktioniert laut Alex Kupplungs- und einwandfrei.

dodge_challenger_rtFür die Alltagstauglichkeit und den guten Gesamtzustand des Challenger R/T gab es eine dankbare 1- im Classic Data-Gutachten – die beste und ehrlichste Note, die ein regelmäßig bewegtes Auto erhalten kann. Der Wert wurde auf 55.000 Euro taxiert, was immer noch weit unterhalb der heutigen Preise für die seltenen R/T mit original verbautem Hemi-Motor liegt.

Dave Robson fuhr den Challi von Newcastle zu den großen UK Dragraces, erreichte einmal einen zweiten Platz und wiederholte diese Platzierung sogar beim Show & Shine-Wettbewerb. Schönheits-Preise haben ihm allerdings nie viel bedeutet.

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Dave hat nichts ausgelassen und den R/T in allen Punkten erhalten, optimiert oder neu interpretiert – alles für den regelmäßigen Road and Track-Einsatz.

 

Sein Prunkstück, der 1970er Dodge Challenger R/T, gehört zur ersten Serie der Modellreihe, die von 1969 bis 1974 von Chrysler gebaut wurde. Die markante Karosse mit der charakteristisch geschwungenen Gürtellinie wurde vom Designer Carl Cameron entworfen und besitzt eine große Ähnlichkeit mit dem Plymouth Barracuda der dritten Generation. Der Challenger hat jedoch einen um fünf Zentimeter längeren Radstand und seine modifizierte Karosserie besitzt trotz der Konzern-internen Verwandschaft zum Barracuda bei sämtlichen Blechteilen eigenständige Abmessungen. Die in den Baujahren 1970/71 angebotene R/T-Variante bezeichnet die Verbindung eines Straßen-Fahrzeuges mit echter Rennstreckentauglichkeit, eben “Road and Track”. Seinerzeit ein echtes Verkaufsargument im rennfiebrigen, hubraumstarken Auto-Amerika vor der Ölkrise.

Auf dem Drag Strip bei den Viertelmeilenrennen konnten ambitionierte Privatfahrer mit einem R/T problemlos im Mittelfeld mitfahren. So gab es von Chrysler den Dodge Charger R/T, den Plymouth Roadrunner und eben den Challenger R/T, die allesamt stark motorisiert und mit eindeutigen Rennsportgenen versehen waren. Neben den eher mittelprächtigen Fahrwerks- und Bremsen-Optimierungen ging es in erster Linie um Motorleistung. So gab es serienmäßig im Standard-R/T von 1970–71 den 383 cui (6.276 ccm) B-V8 mit 350 bhp. Das waren immerhin 60 bhp mehr als beim stärksten 383 cui-V8, der beim Standard-Challenger als maximale Variante geordert werden konnte.

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Die Krönung des R/T ist heute wie gestern der 440er Motor, jedoch optimiert mit 3 Holley-Doppel-Vergasern (Sixpack) statt dem Carter-Vierfach-Vergaser. Ein Spezial-Motoren-Bauer hat sich des Aggregates angenommen und Übermaß-Kolben und reichlich Renn-Technik verbaut.

Die nächste Motoren-Stufe war der 440 cui Magnum-V8 mit Carter AFB- (Aluminium-Vierfach-) Vergaser und 375 bhp bei 4.000/min – der Original-Motor in dem roten R/T. 390 bhp wurden mit dem Sixpack aus drei Holley-Doppelvergasern erreicht – eine Option nur für die R/T-Kunden. Als Krönung der R/T-Palette konnte der Street-Hemi-Motor mit 425 bhp bei 5.000/min geordert werden. Dieser hatte dann zwei Carter AFB-Vierfachvergaser.
Die hemisphärischen Brennräume mit schräg eingebauter Zweiventil-Technik ermöglichen eine verbesserte Verbrennung bei weniger Hitzeentwicklung, eine zentrale Zündkerzen-Position und somit Leistungssteigerungen selbst bei weniger Hubraum oder Verdichtung. Diese über den Kurzbegriff “Hemi” in US-Musclecars verbauten, halb–kugelförmigen Brennräume waren jedoch schon Anfang der 60er-Jahre in Serien-Vierzylinder-Motoren von Alfa Romeo verwendet worden. Hier muss der US-Car-Fan leider auf ein Alleinstellungsmerkmal der Hemi-Technik verzichten, was aber der Hemi-Faszination und Historie bis heute keinen Abbruch tut.
Bei einer Auflistung der erreichten Bestzeiten über die Viertelmeile bei stehendem Start finden sich im Internet selbst mit dem Hemi-Serien-Motor gute 13-Sekunden- Zeiten des Challenger R/T bei einer Endgeschwindigkeit von 169 km/h. Trotzdem wurde der Hemi-Motor beim 1970er Challenger R/T (inkl. SE-Modellen) insgesamt nur 356 Mal verwendet.

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Der Innenraum ist aufgewertet mit neuen Sitzbezügen, Teppichen, Karbon-Optik statt Holz, Zusatz-Instrumenten und Hurst Pistol-Grip-Schalter.

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Die Motorisierungen unterhalb des Hemi-Aggregates wurden ab 1972 deutlich gedrosselt, was an der damaligen Ölkrise lag. Gut achtzigtausend Challenger wurden im ersten Produktionsjahr 1970 geordert – solche Zahlen gab es danach allerdings nie mehr. Insgesamt wurden bis 1974 knapp neunzigtausend Challenger der ersten Generation verkauft. Viele wurden verbastelt, unser Fotowagen aber von Dave Robson verfeinert. Alex C. half uns in der Vorbereitung, über Dave noch eine knifflige Frage zu klären…

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Dave Robson, der heutige Familienvater, vor seinem Werk. Die Übernahme des Wagens durch Alex C. verlief neben der Technik-Übertragung sehr emotional…

AMTW: Alex, kannst Du Dave bitte nochmal fragen, was er mit “bored 30 thou oversize” gemeint hat?
Alex C.: Dave ist ein absoluter Perfektionist in Sachen Technik und in England für seine akribische Arbeit bekannt. Er hat mir erstmal die exakten cui des 440er Motors mit 439,72 errechnet und dann erklärt, das er spezielle Kolben verbaut hat, die einen um 0,030 inch größeren Durchmesser als die Serien-Kolben haben. Das ergibt dann 445,85 cui, was wiederum 7,3 Litern Hubraum entspricht. Der Motor ist aber nicht “gestroked” oder aufgebohrt worden, sondern es wurden einfach diese heute nach den Jahren besser passenden Kolben eingesetzt. Dave sagte noch, das der Tag kommen wird, wo man gut Kolben mit 0,040 inch Übermaß einbauen könnte…”

Es gibt Leute, für die ist es Frevel, alte Autos technisch zu verändern. Wenn man es jedoch mit soviel Feingefühl wie Dave Robson macht, gereicht es einem R/T zur Ehre.

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TECHNISCHE DATEN
Dodge Challenger R/T 1970
Motor: original “numbers matching” 440 cubic inch (7.2 L) HP2 Chrysler RB V8.
Motor-Neuaufbau:
Block: original
Zylinder-Kopf:
440 Source „Stealth Aluminum“
Kolben:
Keith Black (Spezial-Legierung hypereutektisch) mit 0,030 inch Übergröße
Hubraum neu:
445.85 cubic inches ( 7.3 L)
Verdichtung: 10.5:1
Scharfe Nockenwelle: Hughes Engines HTL3742BS
Ventile:
einteilig, Edelstahl
Ventilspiel:
2.14 inch Einlass, 1.8 inch Auslass
Gemisch-Aufbereitung: Modifizierte, geportete “Six Pack” 3x2bbl (3 Doppel-) Holley-Vergaser, mechanische Carter Benzin-Pumpe mit Holley-Regulator, Edelbrock-Aluminium-Ansaugbrücke, spvezielle Bedüsung,
Anbauteile:
Hochleistungs-Ölpumpe, diverse JP Performance Teile
Motoren-Arbeiten durch: Hauser Race Cars.
Auspuffanlage: Von TTI mit 3 inch Durchmesser, Dynomax Super Turbo Endtöpfe, Spezial-Anfertigung zur Umgehung des Overdrive-Getriebes, inkl. Sauerstoff-Gemisch-Sensor
Zündung: MSD Billet Zündverteiler, Batterie-Position im Kofferraum
Kühlung:
“Be-Cool” custom fit Alu-Kühler, High output “Flow Kooler” Wasserpumpe, 180 Grad Thermostat modifiziert für besseren Durchfluss, Getriebe- und Motor-Ölkühler, elektrischer Summit Racing Lüfter
Kraftübertragung:
“Numbers matching” Torqueflite Automatic Getriebe verbunden mit „Gear Vendors“ Overdrive-Getriebe, Sperre gegen versehentliches Rückwärtsgang einlegen, Vorderachs-Sperre für Burn out Reifen-Erwärmung, aber besser nu rim 2 gang
Schalter:
Hurst “Pistol-Grip” Typ Quarter Stick shifter eingepasst in die original Mittelkonsole,
Bremsen:
1976er Police car 11.75 inch Scheibenbremsen passend an der Vorderachse eingebaut, Original 11x 2,5 inch Trommelbremsen an der Hinterachse, Bremskraftverstärker wurde entfernt
Federung:
komplett modifizierte Blattfedern an der Hinterachse, vorne Spiralfedern mit 1 inch Durchmesser, Gasdruck-Stoßdämpfer Lenkgetriebe manuell mit 20:1 Übertragung (4,5 Umdrehungen am Lenkrad)
Räder:
Minilite Wheels, 15×8 vorn, 15×10 hinten
Reifen-Straße: 245/60/15 vorne 295/50/15 hinten
Reifen-Drag Strip:
Hoosier 28×10 inch Slicks für die Hinterachse
Karosserie/Interieur:
Verstärktes Chassis, Vorder-Stoßstange aus Plastik, Lackierung “Hemi Orange”. Schwarzes Vinyl-Dach und schwarze Innenausstattung. T/A-Heckspoiler (optional orderbar und schon 1970 bei Erstauslieferung montiert), Zusatzinstrumente ins Armaturenbrett eingepasst (Wasser- und Getriebe-Temperatur, Spannung),  “Monster” Tacho mit Shiftlight-Drehzahl-Messer, original Holz-Panele durch Karbon-Fiber-Folie ersetzt, Grant-Lenkrad
Leistungen
Viertelmeile aus dem Stand, bestes Ergebnis: 11.92 Sekunden
Viertelmeilen-Speed, bestes Ergebnis: 113mph
Motor-Leistung an der Kurbelwelle gemessen:: 510hp (est.) (510 PS)
V-Max standfest: 145mph

 

Bilder: Dave Mc Bride, Alex C.

3 Gedanken zu “Dodge Challenger R/T

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