Histo-Cup! Jochen Rindt Revival

Das zweite Jochen-Rindt-Revival im Rahmen des Histo-Cups am Salzburgring war zugleich das zweite BMW-M1-Procar-Revival und sogar Ex-BMW-Rennleiter Jochen Neerpasch gab sich die Ehre …

AM112011_7002_Jochen_Rindt_Revival_00Der Histo-Cup hat es in sich. Histo kommt – nahe liegenderweise – von historisch. Gegründet wurde er 1998 in Österreich von den Privat-Rennfahrern Michael Steffny und Christian Schallenberg, um einer  Vielzahl historischer Rennserien ein Dach zu geben. Heute lassen sich stets dicht besetzte Starterfelder europaweit auf modernen Rundstrecken blicken.

Zum Beispiel auf dem Salzburgring. Jetzt verband die erfolgreichste Tourenwagen-Rennserie Österreichs ihr vorletztes Saisonrennen mit dem Gedenken an die Formel-1-Legende Jochen Rindt. Der Alpenländler starb am 5. September 1970 beim Training zum F1-Grand Prix von Monza in seinem legendären “Gold Leaf Lotus Ford”. Er bekam trotz der Nichtteilnahme an den letzten drei Rennen aufgrund seines Punktevorsprunges posthum die Formel 1-Weltmeisterschaft 1970 zugesprochen – ein bis dato einzigartiges Ereignis in der bewegten Formel 1-Historie.

Jochen_Rindt_Revival_01

Jochen_Rindt_Revival_02

Die "BMW M1 Procar" waren absoluter Publikums-Magnet, ob auf der Tribüne oder während der Renntaxi-Fahrten (oben).

Jochen_Rindt_Revival_03

BMW total! Insgesamt fast 50 M1-Straßen und Procar-Boliden boten ein faszinierendes Bild (unten).

Rindt war in den Sechzigern ein charismatischer internationaler Botschafter des professionellen Motorsports. So war er trotz seines Unfalltodes von 1970 bis 77 Namensgeber der Jochen-Rindt-Show in Essen, dem Vorläufer der heutigen Essen Motor Show. Er bestach durch seine fast amerikanische Lässigkeit, war als Zigaretten rauchender, in sich ruhender, kollegialer Typ immer eine sympathisch-coole Erscheinung in der Boxengasse und wurde meistens begleitet von seiner schönen und geschäftstüchtigen Frau Nina.

Kein Wunder, dass Rindt-Gedenken immer ankommen. Auch wenn diesmal keine Original-Rennwagen von dem deutschen Formel-Fahrer zu sehen waren. Benzingespräche, helfende Hände, aufgebockte Autos neben dem Bier auf dem Campingtisch sorgten dennoch für den richtigen “Spirit” der 60er und 70er Jahre. Rund 10.000 Zuschauer fieberten am Salzburgring bei der packenden Vollgas-Action von mehr als 300 historischen Touren-Sport- und Formel-Rennern mit.

Jochen_Rindt_Revival_04

Hoher Besuch: Jochen Neerpasch (72, Ex-BMW-Rennleiter). Der Straßen-M1 Club sauber geparkt im Fahrerlager. Beeindruckend: die Radmutternuss bei den Procar-Rennwagen.

Jochen_Rindt_Revival_05

Gast-Starter: Peter Hinderer im schlanken Lotus.

Jochen_Rindt_Revival_06

Die Formel VAU Europe am Vorstart: Schlange reichte bis ins offene Fahrerlager hinein…

Highlight waren jedoch die kreischend-mächtigen BMW-M1-Procar-Auftritte mit gut 20 der letzten 35 existierenden 470 PS starken Mittelmotor-Boliden..

Prominentester Zaungast: Ex-BMW-Rennleiter und Renn-Legende Jochen Neerpasch (72), der Initiator der spektakulären und bis heute unvergessenen Rennserie im Rahmen der Formel 1 in den Jahren 1979/80. Die fünf trainingsschnellsten Formel-1-Piloten hatten seinerzeit von Rennen zu Rennen ein M1-Cockpit erhalten und sich mit den Procar-Stamm-Fahrern wie Harald Grohs und Dieter Quester packende Wettkämpfe im Vorfeld der F1 geliefert. Nun heizten die originalen M1-Renner der ehemaligen Helden wie Regazzoni, Lauda, Stuck und Piquet in mehreren Demo- und Wertungsläufen um die Wette.

Jochen_Rindt_Revival_07Sowohl im Sound als auch beim Top-Speed auf den langen Geraden lagen Welten zwischen den M1-Procars und allen anderen Fahrzeugen. Die Rennen wurden auf Gleichmäßigkeit gefahren, wobei die Piloten gleichbleibend ungeheuer schnell und laut unterwegs waren. Neben den BMW-M1-Procars präsentierte sich parallel eine BMW-Straßen-M1-Clubausfahrt als selten große Ansammlung von knapp 30 dieser teuren Klassiker im Fahrerlager und per Gleichmäßigkeits-Fahrten auf dem Ring.

Jochen_Rindt_Revival_08

So schön die flachen Bayern auch sind – die Rennen der anderen Klassen waren nicht weniger interessant. Die “historischen Renntourenwagen” fuhren in zwei interessanten Kategorien: Histo-Cup bis Baujahr 1981 “FIA-Anhang-K” und Histo-Cup “Spezialtourenwagen” bis Baujahr 1981.  Die “Historischen”, aufgebaut und eingesetzt nach dem “Anhang K” des Sport-Gesetzes, müssen sich genau an das damalige Reglement halten. Der Bogen spannt sich vom Alfa Romeo GT, Ford Escort und BMW 2002 oder 320, Porsche 911 bis hin zu den großen 3,0 CSL und 635 CSI BMW, Ford Mustang, Chevy Camaro und anderen brüllenden V8-Boliden der Vergangenheit.

Jochen_Rindt_Revival_09 Jochen_Rindt_Revival_10Der Autor als Gaststarter bei der BMW 325-Challenge.

Die “Spezialtourenwagen” – z.B. die ehemaligen Gruppe-H- oder Gruppe-5-Fahrzeuge  – dürfen wesentlich mehr “Verbesserungen” an den Fahrzeugen durchführen. Hier gelten grundsätzlich auch der FIA-Anhang K und dazu die jeweiligen Anhänge J des Sportgesetzes.

Die 325er-Challenge mit mehr als 40 eingeschriebenen Fahrern ergibt den größten europäischen Markenpokal und ist ein fester Bestandteil der österreichischen Rundstreckenszene. Aufgrund der Kosten-Ersparnis gibt es im Regelwerk klare Richtlinien. Ein Einheitsgewicht inklusive Fahrer von 1.075 Kilo, Rennfahrwerk, Semi-Slicks als Einheitsreifen (Toyo R888), seriennaher Motor und eine eigens entwickelte Rennauspuffanlage von REMUS garantieren Chancengleichheit. Gefahren wird in zwei Kategorien – “Gruppe N” mit optimierten 2,5-Liter-Serienmotoren (190 PS) und “Gruppe A” mit getunten Motoren mit maximal 2.750 Kubik Hubraum und rund 250 PS. Da geht es richtig zur Sache: Enge Manöver, Quersteher, Rempler und Ausritte sind bei den äußerst beherzten Challenge-Fahrern an der Tagesordnung.

Jochen_Rindt_Revival_11

Ex-Profi Harald Grohs als Gaststarter am Vorstart der 325-Challenge.

Der Drexler VIP 325 Gruppe N wurde wieder von der deutschen Langstrecken-Legende Harald Grohs (67) pilotiert. Der tiefenentspannte, freundliche Grohs fuhr den Stamm-Piloten wie so oft nach Belieben um die Ohren und begeisterte durch spannende Positionswechsel (es liegt der Verdacht nahe, dass Grohs wiederholt mit Absicht langsamer fuhr, …..um nicht störend in den heißen Meisterschaftskampf einzugreifen…). Als wir anderen Gastfahrer ihn passieren ließ, erhielten wir als Dank ein lockeres Winken aus dem Fahrerfenster – welches eigentlich geschlossen sein sollte. Ganz schön lässig, der Harald “Nippel” Grohs…

Jochen_Rindt_Revival_12 Jochen_Rindt_Revival_14

Der Histo-Cup-Pokal “Young Timer Austria” lehnt sich an die Deutsche Rennsport Meisterschaft (DRM) der späten 70er Jahre und die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft (DTM)  der 80er und 90er Jahre an. Bis einschließlich Baujahr 2001 ist der Preis nach Gruppe-N- und Gruppe-A-Reglement sowie in Hubraumklassen ausgeschrieben. Originale DTM BMW M3 aller Generationen, Alfa 155 2.0 und Ford Capri, ergänzt von V8-Star-Fahrzeugen, boten eine spektakuläre Show.

In der Formel Historic gewann ein pfeilschneller March aus dem Jahre 1979, bei der Formel VAU Europe waren fast alle Arten Monoposti von 1960 bis Mitte der 80er Jahre außer Formel-1-Rennern am Start. Aus heutiger Sicht der FIA-Formel-Klassen-Sicherheitsstandards sehr beachtliche Rennserien, in denen mit seltenem Motorsport-Kulturgut aus Motoren-, Haftungs- und Bremsen-Potential wirklich alles heraus geholt wurde.

Feiner Zug: Schließlich konnten auch Privatiers mit ihrenstraßenzugelassenen Old- und Youngtimern eine schnelle Gleichmäßigkeitswertung absolvieren. Eine wunderbare Möglichkeit, seinen geliebten Klassiker einmal näher ans Limit zu fahren.

Die einzige Gefahr besteht darin, nach soviel Historie seinen Neuwagen-Leasing-Vertrag kündigen zu wollen…Jochen_Rindt_Revival_13

INFORMATIONEN
Der Ursprung des Histo-Cups:
Die österreichische “Historische Fahrergemeinschaft”, die aus aktiven Rennfahrern, Renn-Fans und Förderern des Historischen Rennsports besteht, bemüht sich seit 1992 um die Belange der historischen Motorsportszene, die sich wiederum einer sehr großen Anzahl von Fans in allen Bevölkerungsschichten erfreut. 1998 schreibt die Historische Fahrergemeinschaft e.V. – unter der Führung von Michael Steffny und Christian Schallenberg – den “Histo-Cup Austria” für historische Tourenwagen und GT aus. Gefahren wird mit Fahrzeugen in verschiedenen Baujahr-Perioden und Hubraumklassen. Die verschiedenen Klassen sind unterschiedlich streng reglementiert. Im Histo-Cup treten auch Fahrer aus Deutschland und anderen Nationen außerhalb Österreichs an.
Die Rennen finden in Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowakei, Tschechien und Italien statt.
Als Credo des Histo-Cups kann man aus der Homepage zitieren:
14 Rundstrecken-Rennen an sieben Wochenenden pro Rennsaison für historische Tourenwagen und GT bis Baujahr 1981,einfache Klasseneinteilung und gerechtes Wertungssystem, hohes Maß an Sicherheit durch die modernen Rennstrecken, ehrlicher Sport, Freundschaft und Ambiente stehen gleichermaßen im Vordergrund.
Professionelles Management und Medienbetreuung ist sichergestellt.
www.histo-cup.at
Bilder: Histo-Cup Austria, Christian Böhner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code