Ramsauer und die Road Rage

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Das Leben ist hart. Zum Glück haben wir den Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Denn der macht mit seinen zahlreichen Reformen unser Leben viel übersichtlicher und bequemer. Oder so.

„Dieser Mann macht mein Leben viel einfacher.“ Jens schraubte an seinem Auto herum und blickte kurz zu mir hoch. „Na, der Ramsauer“, setzte ich nach. „Unser aller Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Es gibt so viele Dinge in meinem Leben, die durch ihn viel bequemer geworden sind. Wie zum Beispiel die Sache mit der Flensburger Verkehrssünderkartei. Früher verlor man bei 20 Punkten seinen Führerschein. Dann kam der Peter. Der fand das viel zu kompliziert. Darum senkte er die Zahl erst auf 18, und jetzt sollen es nur noch 8 Punkte sein – und weg ist der Lappen. Da kann man die Punkte einfach an den Händen abzählen und muss nicht mehr ewig auf seinem Taschenrechner rumtippen. Toll, oder?“ Jens schnaufte in den Motorraum hinein. „Gut,“ schob ich hinterher, „was mit den 47 Millionen Altpunkten geschieht, ist zur Zeit noch unklar, aber dafür wird der Mann mit Sicherheit auch eine Lösung finden.“

Ich nahm den letzten Schluck von meinem Bier. „Oder die Nummer mit den Wechselkennzeichen.“ Was meinte er noch dazu? Ich wischte auf meinem schlauen Telefon herum und fand das Gesuchte. „Ach ja, hier ist es. „Das Wechselkennzeichen kann kommen,“ hat er gesagt. Ich las weiter vor: „Das Wechselkennzeichen ist eine kleine, aber wirkungsvolle, bürgernahe Maßnahme. Wir wollen damit die Nutzung mehrerer Fahrzeuge erleichtern und einen Anreiz zum Kauf eines umweltfreundlichen Zweitfahrzeuges, etwa eines Elektroautos setzen.“ Gut, wenn man Oldtimer sammelt, ist das Wechselkennzeichen finanziell nicht ganz so lohnend, weil man für seine Autos weiterhin den vollen Steuersatz und wahrscheinlich auch die gleichen Versicherungsbeiträge wie vorher zahlt. Aber dafür muss man sich nur noch ein Kennzeichen merken und kommt nicht mehr so durcheinander.“ Schon wieder ertönte ein Schnaufen unter der Motorhaube.

Ich blickte auf meine leere Bierflasche. „Wusstest Du eigentlich, dass Peter Ramsauer im letzten Jahr mit der Auszeichnung „Sprachwahrer des Jahres“ geehrt wurde?“ Jens brummte. „Die hat er gekriegt, weil er dem Reifenhersteller Goodyear gesagt hat, sie müssten die Aktion „Highway Hero“ in „Held der Straße“ umbenennen. Und der Deutschen Bahn hat Ramsauer die Bezeichnung „Call a Bike“ verboten. Das mussten die „Stadtrad“ nennen. Da weiß man gleich, was gemeint ist und muss nicht lange Rätselraten.“

Ich schaute auf den Boden, entdeckte eine heimatlose Schraube und hob sie auf. „Wenn ich es mir Recht überlege, möchte ich mir jetzt auch die CD von ihm kaufen. Der Ramsauer kann nämlich Klavier spielen und hat die CD „Adagio im Auto“ aufgenommen. Wenn man die hört, hat man im Straßenverkehr weniger Stress und sorgt so für mehr Sicherheit auf deutschen Straßen. Ramsauer gegen Road Rage, sozusagen. Feine Sache das.“

Aus dem Motorraum erklang Jens Stimme. „Und jetzt holst Du Dir noch ein Bier und hörst auf zu sabbeln.“ Ich zuckte mit den Schultern, stand auf und steuerte den Bierkasten an. „Ich mein’ ja bloß.“

2 Gedanken zu “Ramsauer und die Road Rage

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