Der Abenteurer – 57er DeSoto Adventurer

Abenteurer sind meistens unterwegs, und die Chrysler-Marke DeSoto gibt es schon lange nicht mehr – Gründe genug, mit einer tollen Replik an das Ur-Modell zu erinnern

am012012_7041_desoto_00Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer? Nicht nur in der Zigaretten-Werbung kam das gut an. Die Chrysler-Tochter DeSoto hatte sogar ein Modell namens “Adventurer” – eben “Abenteurer” – im Programm.

Ob Indiana Jones oder Captain Jack Sparrow – Abenteurer stehen ganz oben in der Gunst des Publikums.Und das nicht erst in neuerer Zeit, wie klassische Heldendarsteller – zum Beispiel  Errol Flynn oder Tyrone Power – beweisen. Was lag also näher, das Genre für die Automobilbranche zu benutzen? Gerade in den 50er-Jahren, der Zeit des allgemeinen Aufbruchs und der positiven Stimmung, kam das gut an.

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Das Holz des Cockpits ist nicht original, aber schön

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Bis auf das Holz wurde die spezielle Adventurer-Innenausstattung perfekt reproduziert

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Das Boot wurde entsprechend angepasst, wenn auch etwas schlichter ausgestattet

Den Grundstein für sein Autoimperium hatte der Ex-Buick-Boss Walter P. Chrysler 1925 mit der Gründung der Chrysler Corporation (eigentlich eine Umbenennung der Maxwell-Briscoe Company) gelegt. 1928 folgte er dann dem Vorbild von General Motors und gründete mit drei zusätzlichen Marken einen Konzern: Während Chrysler die Luxusklasse bediente, deckte Plymouth die Einstiegsklasse in direkter Konkurrenz zu Ford und Chevrolet ab, DeSoto war für die untere Mittelklasse zuständig; Hernando de Soto, der berühmte spanische Konquistador und gewissenlose Eroberer Südamerikas, diente dabei als Namenspate.

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Tolles Gespann: Adventurer-Replik mit Boot

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Der Motorraum wurde etwas modernisiert

Außerdem wurde die seit 1900 bestehende Dodge Brothers Company übernommen, die Dodge-Modelle wurden zunächst oberhalb von DeSoto positioniert; 1933 tauschten die beiden dann ihre Plätze innerhalb der Markenhierarchie. 1955 kam “on top” noch Imperial dazu, so dass man wie GM und Ford die gesamte Bandbreite vom Luxus- bis zum Einstiegsmodell abdeckte: Imperial, Chrysler, DeSoto, Dodge und Plymouth. Die Geschichte der Marke DeSoto endete 1960, nach insgesamt 2.024.629 produzierten Autos, sang- und klanglos mit einer abrupten Einstellung – ähnlich unrühmlich wie das Leben des Namensgebers, der 1542 verloren in den Sümpfen Floridas an Fieber starb…

Edles Understatement
Angesichts des Gehörten ist es eigentlich verwunderlich, dass der Name Adventurer erst 1953 das erste Mal auftauchte. Und zwar an einem von Ghia in Italien anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums gebauten DeSoto-Show-Car. 1954 folgte dann der Adventurer II, ein ebenfalls von Ghia gebautes Show Car. 1956 gab es den ersten Serien-Adventurer, ein nur als zweitüriges Hardtop erhältliches Sondermodell, 1957 kam dann zum Coupé noch ein Cabrio dazu. Der Adventurer war jetzt ein Performance-Modell, ähnlich den Chrysler 300 “Letter Cars”, und wurde nur in äußerst geringen Stückzahlen gebaut, vor allem die Cabrios: nur 300 Exemplare von 117.514 DeSoto insgesamt im 57er-Modelljahr.

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Überall tolle Details, so wie hier am Boot

Den Adventurer konnte man in vier Farbvariationen kaufen: Schwarz mit goldenem Dach und goldenen Einsätzen unterhalb der Zierleisten, goldfarbig mit schwarzem Dach und schwarzen Einsätzen, Weiß mit goldenem Dach und goldenen Einsätzen oder goldfarbig mit weißem Dach und weißen Einsätzen. Die Schriftzüge und Radkappen sowie der Grilleinsatz waren dabei immer golden eloxiert. Aus 345 ci Hubraum (ca. 5,7 l) leistete der Hemi-Motor 345 PS, also ein PS pro ci, genau wie der berühmte 57er-Chevy-FI-Motor, allerdings ohne dass man damit so angab wie bei Chevy.

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Den Adventurer gab es sowohl in Weiß-Gold…

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...als auch in Gold-Weiß - eine Frage des Geschmacks

Übrigens waren beide nicht die ersten US-Serienmotoren mit einem PS pro ci, wie immer wieder fälschlich zu lesen ist. Diese Ehre gebührt dem “Letter Car” Chrysler 300 B von 1956, der hatte sogar 355 PS aus 354 ci. 1960 wurde, angesichts der drohenden Pleite, die Autopalette drastisch zusammengestrichen und der Adventurer zur normalen Modellreihe degradiert. Es nützte nichts: Am 30. November 1960 – nur 47 Tage nach der Vorstellung der 61er-Modelle – gingen bei DeSoto endgültig die Lichter aus.
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Eine fast perfekte Replik
Das auf diesen Seiten vorgestellte Auto, das von der renommierten Firma RM Auctions für “nur” $ 110.000 versteigert wurde, ist allerdings kein echter Adventurer, sondern eine Replik auf Basis eines Firedome, was auch den relativ niedrigen Preis erklärt. Bis auf die Räder ist sie optisch perfekt gelungen. Selbst die spezielle Adventurer-Innenausstattung wurde nachgefertigt, wenngleich es das schöne Holzarmaturenbrett original nicht gab. Nicht original ist auch das GM-TH-700-Getriebe, genau wie die moderne Luftfederung und der servounterstützte Zweikreis-Hauptbremszylinder.
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Auch beim Motor wurde nachgebessert, unter anderem mit zwei Edelbrock-Vergasern, elektronischer Zündung und Drehstromlichtmaschine, genau wie mit Zubehör-Luftfilter und -Ventildeckeln. Also nicht unbedingt etwas für Originalfetischisten, aber trotzdem klasse. Der Knaller ist natürlich das passend gestylte “Duofoil Flying Fish”-Boot aus den späten Fünfzigern, mitsamt Mercury-Außenbordmotor, das voll funktionstüchtig ist. Dickschiff ahoi!

DeSoto Adventurer 1957
Motor: Grauguss-V8, zentrale Nockenwelle
Verdichtung: 9,25:1
Bohrung x Hub: 96,5 x 96,5 mm
Hubraum: 345 ci / 5,7 l
Leistung: 345 PS
Drehmoment: ca. 530 Nm
Gemischaufbereitung: zwei Edelbrock-Vierfachvergaser
Radstand: 3.200 mm
Länge/Breite/Höhe: 5.390/1.986/1.488 mm
Antrieb: Hinterrad
Kraftübertragung: Viergangautomatik TH 700
Vorderradaufhängung: obere Dreieckslenker und untere Einfachlenker mit Schubstreben, Luftfederbälge
Hinterradaufhängung: Starrachse, Luftfederbälge
Bremsen: Trommeln rundum, Bremskraftverstärker
Reifen: original: 8.50-14, heute:Weißwandreifen 225/75-15
Stückzahl: 300 (Cabrio)
Neupreis 1957: 4.272,- Dollar
Infos: RM Auctions, www.rmauctions.com
Bilder: Darin Schnabel für RM Auctions

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