Kurt und der Dodge Sportsman

avatar_6Der eine Dodge diente als Tourbus, wurde von Kurt Cobain angemalt und wird Jahrzehnte später für Unsummen versteigert. Der andere Dodge steht im Ruhrgebiet. Keine Kritzeleien, kein Grunge, kein Gekreisch. Und die Tour geht nur um den Block.

Da stand er. Ein babyblauer Traum im Mondenschein, ein Dodge Sportsman aus den frühen 70ern, gekauft von einem beharrlichen Idealisten. Ein Van mit einem freundlichen Gesicht samt niedlicher Kulleraugen – allerdings hatte es sich auch mit der Niedlichkeit, als der V8-Motor mit 5,2 Litern aufdröhnte und wir mit dem Schiff durch die engen Gassen einer mittelgroßen Stadt im Ruhrpott röhrten. Wir blubberten einmal um den Block, stiegen aus und kehrten wieder an den Holztisch voller Wein- und Bierflaschen zurück. Keine Frage, schöner Wagen.

Zufälligerweise stolperte ich ein paar Tage später über die Meldung, dass auf Ebay gerade ein ähnlicher Wagen für mindestens 99.999 Dollar versteigert werden sollte. Grund für den hohen Preis: Bei dem Dodge Sportsman Royal Van von 1972 handelte es sich um den Tourbus der Band „Melvins“ – und trug Zeichnungen von Kurt Cobain. Die Geschichte dazu las sich so: Kurt Cobain war ein Verehrer der „Melvins“ und Freund von Schlagzeuger und Sänger Dale Crover. Als Mitglied wurde Cobain abgelehnt, weil er nicht gut genug war, dafür ging er als eine Art Roadie mit den „Melvins“ auf Tour und verzierte den Bus, unter anderem mit Portraits der Mitglieder von „Kiss“. Dass die Zeichnungen von Cobain stammen, ist wohl verbrieft. So erfährt man sogar, dass Cobain Filzis der Marke „Sharpie“ benutzte, die er im Thriftway Grocery Store in Montesano Washington geklaut hatte.

Unter uns: Der Wagen ist eine Hütte, die Zeichnungen muss man mögen, und was „Grunge“ ins Deutsche übersetzt bedeutet, versteht man spätestens beim Anblick dieser Kiste.

Ist doch egal! Schließlich interessierte sich die Mehrzahl der potentiellen Käufer eher dafür, wie der Wagen von innen riecht und ob er Superkräfte habe. Einer wollte wissen, ob man eventuell noch Haare von Kurt Cobain im Teppich finden könne. Er sei Sammler. Ob von Teppichen oder von Haaren, man weiß es nicht. Fairerweise muss man hinzufügen, dass der Verkäufer alle Fragen zuverlässig und geduldig beantwortete. Es könnte schon sein, dass sich noch Haare fänden. Und der Wagen würden nach „Vintage“ riechen.
Die spinnen, die Amerikaner. Dann doch lieber ein babyblauer Traum im Mondschein von Nordrhein-Westfalen.

p.s. Zum aktuellen Zeitpunkt steht der Van erneut auf Ebay. Der Startpreis ist auf 50.000 Dollar gesenkt.

Der Link auf Ebay:
http://www.ebay.com/itm/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=150771070206

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