Destruction Derby – Pumpkin Smash 400

Jedes Jahr zu Halloween spielen Kürbisse in Amerika eine große Rolle. Sie werden ausgehöhlt, zur Suppe verarbeitet, dienen als Schmuckstück, als Beleuchtung und vertreiben die bösen Geister. Dass sie die wichtigste Rolle bei einem Autorennen spielen, war selbst uns bis dato nicht bekannt

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Also, wir haben ja schon eine Menge gesehen und erlebt, und manchmal denken wir, es wird keine Steigerung mehr geben. Wie man sich irren kann…

am022012_7049_pumpkin_smash_01Es beginnt damit, dass wir unsere Freunde Pat und Kevin in San Francisco besuchen. Ganz nebenbei berichten sie von einem Autorennen, das jedes Jahr zu Haloween stattfindet. Und wenn Kevin als passionierter Mopar-Schrauber und echter Gearhead davon erzählt, muss es etwas ganz Besonderes sein – der geht jedenfalls nicht zu jeder x-beliebigen Veranstaltung. Was wir dann erleben, hätten wir uns niemals träumen lassen…

Aber immer der Reihe nach: Nachdem wir standesgemäß – nämlich mit Kevins 69er Satellite  – nach eineinhalb Stunden Fahrt in Richtung Süd-Osten am Altamont Speedway angekommen, fallen uns gleich die meist orangenen Früchtchen ins Auge: Kürbisse. Nicht nur ein paar, sondern 500 Stück, ordentlich in Reih und Glied am Rande der Piste aufgestellt. Und die warten darauf, in Matsch verwandelt zu werden – beim Pumpkin Smash 400, dem wohl verrücktesten 400-Runden-Rennen der Welt. Damit die Piste auch so richtig schlammig wird, stehen jährlich immer zwei Tankwagen bereit – jeweils befüllt mit 5.000 Liter Seifenwasser.

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Alex vor dem großen Wurf

Im Pit warten meist amerikanische Coupés und Sedans aus den 60ern und 70ern, sie werden mit viel Leidenschaft und Kreativität für das Halloween-Rennen zurecht gemacht. Mit leuchtenden Kürbissen auf dem Dach, Totenköpfen als Kühlerfiguren oder Flaggen an der B-Säule. Jeder gibt sich hier große Mühe, den Gegner bereits optisch zu toppen. Zudem werden die Schlachtrosse mit Vorschlaghammer, Flex und Schweißgerät für das kommende Happening lautstark vorbereitet: Die Fahrkabinen werden mit fetten Metallrohren verstärkt, die Kanten mit Schaumstoff und Duck-Tape eingepackt, die Kofferräume und Hauben mit dicken Eisenketten zusammengehalten. Die Kotflügel werden weit vom Rad weg gedengelt, damit die Lenkung unter allen Umständen bedienbar bleibt.

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Feuer frei: Kürbisse warten auf den Einsatz

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Die Sirene ist kein Grund zum Überholen lassen: Pumpkin-Opfer Polizeiwagen

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Unser heimlicher Favorit: der Dodge Charger vor der Zerstörung

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Die Teams arbeiten auf Hochtouren, man merkt ihnen die Nervosität an. Denn die Autos  müssen alle 400 Runden mit Vollgas und gegenseitigem Verbeulen auf ungewöhnlicher Strecke durchhalten. Das Erstaunlichste ist: Die Semi-Wracks sehen schon vor dem Start so aus, als würden sie das niemals schafen.

Die Ränge füllen sich langsam. Zuschauer machen es sich mit Getränken, Essen und Decken gemütlich. Ein Familienhappening der besonderen Art: Es ist laut, dreckig, eiskalt und geht bis tief in die Nacht.

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Reparatur auf pumpkinisch: Achsen- Schweißen am offenen Auto

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Kein Respekt vor schierer Größe: You‘d better call the sledgehammer...

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Ready to Rumble

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Wie die Orgelpfeifen – die Musik kommt aber von Kürbissen und Schmierseife

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Charger in voller Pracht – in der Halbzeit vor der absoluten Zerstörung

Dann startet der Prolog: Die Fahrer präsentieren sich in zwei langsamen Runden, dabei lässt einer der Tankwagen vor ihnen eine Menge Seifenwasser auf die Rennstrecke ab. Die Ausfahrt des Tankwagens ist das Startsignal, das Rennen beginnt: V8 heulen auf, Metall knirscht, die Karren schleudern mit Vollgas durchs Oval. Zwischenzeitlich haben sich die Teammitglieder fast unbemerkt am Rand der Rennstrecke mit Kürbissen bewaffnet und warten gespannt auf das Zeichen, diese endlich auf die Strecke schmeißen zu dürfen. Mit voller Wucht krachen die Kürbisse auf die Rennstrecke, auf die Autos, vor die Autos, in die Autos. Manche zerplatzen sofort, andere zerschellen erst am nächsten Wagen, der mit 150 Sachen angedonnert kommt – „Pumpkin Smash“ is on!

Immer mehr Seifenwasser wird über Schläuche auf die Rennstrecke abgelassen. Dreher und spektakuläre Zusammenstöße passieren ständig. Die besser präparierten Karren finden ihren Weg, doch diejenigen, die in einer Massenkarambolage landen, schaffen es, wenn sie Glück haben, gerade mal in den Pit. Das ist erlaubt und bedeutet Rundenverlust, ist aber besser als vorzeitiges Ausscheiden.

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Die Seifenmeisterei sorgt mit großer Freude immer wieder für spontane Kursänderungen

Und wieder kommen Schweißgeräte, Vorschlaghammer und Flex zum Einsatz, diesmal vorrangig bei der Achsen-“Reparatur“.  Das Ganze natürlich mit dem hehren Ziel vor Augen, die 400 Runden doch noch zu überstehen und mit der besten Zeit zu gewinnen.

Halbzeit – nun haben die Teams etwas Muße, ohne Rundenverlust ihre meist völlig zerdengelten Fahrzeuge in die nächsten 200 Runden zu retten.

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Währenddessen startet in der Mitte des Ovals das „Demolition Derby“. Regeln: keine. Der Sieger: „Last Man Rolling“. Die Wagen krachen ineinander, die Masse tobt. Manch einer schafft es durch geschickte Linie, lange „am Leben“ zu bleiben, andere gehen auf direkte Kollision und vertrauen ihrer Karre, als säßen sie in einem Panzer.

Nach zehn Minuten regen sich noch zwei Autos zwischen ungefähr 25 stehenden und qualmenden Schrotthaufen. Die zwei bewegen sich nur noch vor- und rückwärts, lenken können sie nicht mehr. Sie belauern sich, bis einer zuerst Gas gibt. Wieder und wieder krachen sie ineinander, dann ist nur noch einer mobil – der Sieger.

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Hauptsache, das Rad bleibt dran: Bremsen machen überhaupt keinen Sinn

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Die Deko muss fixiert werden, sonst beschwert sich noch der Hintermann

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Ob sich das Rad nun noch dreht?

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Jeder hat seine Vorlieben – dieser Fahrer scheint auf Kürbis-Mus zu stehen

Schließlich starten die übrig gebliebenen Kürbiswagen in die zweite Halbzeit auf dem Oval – nun in entgegengesetzter Richtung, im Dunkeln unter Flutlicht. Es ist kalt, nass und rutschig. Die Fahrer geben trotzdem noch mal alles.

Am Ende überleben nicht mal die Hälfte der gestarteten Vehikel. Wenn die Checkerflag gesenkt wird, ist kein einziger heiler Kürbis mehr zu finden. Bis zum nächsten Jahr.

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Anschnallen ist gar keine schlechte Idee

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Es ist dunkel und ungemütlich, aber das Wichtigste: The heat is on

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Hier dreht sich nix mehr: Schnellgreifer säubern die Piste von Kürbis-Opfern

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Auch hier eine Quoten-Dame – zu erkennen an der rosa Flagge

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Der Gewinner des Demolition Derby und sein Schrotthaufen

Bilder: Alexandra Lier/www.speedseekers.de

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